Berlin/Bremen - Lebensretter an der Decke: Rauchmelder werden immer öfter Pflicht

Lebensretter an der Decke: Rauchmelder werden immer öfter Pflicht

Von: Gian-Philip Andreas, dpa
Letzte Aktualisierung:
lebensretter-bu
Die meisten Rauchmelder haben Testknöpfe, mit denen die Funktionsfähigkeit überprüft werden kann. Foto: dpa

Berlin/Bremen. In Mecklenburg-Vorpommern mussten schon bis Ende 2009 alle Privathaushalte nachrüsten - jetzt ziehen andere Bundesländer nach und führen die Rauchmelderpflicht ein. Größere Umstände bereitet das nicht: Rauchmelder sind leicht zu installieren, kosten nicht viel und können Leben retten.

„Das Gefährlichste am Wohnungsbrand ist nicht das Feuer, sondern der Rauch”, sagt Christian Rudolph, Vorsitzender des Forums Brandrauchprävention in der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) in Altenberge (Nordrhein-Westfalen). Sicherheit gewährleistet nur rechtzeitiger Alarm.

Deshalb wird es in immer mehr deutschen Bundesländern Pflicht, auch bei Neu- und Umbauten von Privatwohnungen oder -häusern Rauchwarnmelder zu installieren. Auch Nachrüstungen verlangen die Landesbauordnungen inzwischen: Bremen und Sachsen-Anhalt bis Ende 2015, Hessen bis Ende 2014, Rheinland-Pfalz bis Juli 2012, Hamburg und Schleswig-Holstein schon bis Ende dieses Jahres.

Und dennoch: „Deutschland hinkt da hinterher”, sagt Rüdiger Mattis vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Denn in Ländern wie Großbritannien, Kanada oder den Niederlanden bestehe längst eine flächendeckende Rauchmelderpflicht. „Ich empfehle ausnahmslos jedem Bauherren den Einbau dieser Geräte, denn die Investition ist gering, der Sicherheitsgewinn aber umso größer. Im Zweifel ermutige ich jeden, lieber ein günstiges Gerät zu nehmen als gar keines.”

Viel kosten muss die Anschaffung nicht. Die günstigsten Geräte gibt es in Baumärkten schon ab vier Euro. „Wir empfehlen allerdings Qualitätsprodukte, deren Preise um die 20 bis 30 Euro liegen”, sagt Manfred Heuer, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Bremen. „Die halten länger, und man geht kein Risiko ein, auf gefälschte Billigware reinzufallen.”

Zu achten sei auf die CE-Kennzeichnung (Übereinstimmung mit den EU-Richtlinien) und auf die Zertifizierung durch den Verband der Sachversicherer (VdS-Prüfnummer DIN 14604). Wer sich nicht sicher ist, wendet sich an einen Profi wenden: „Im Elektrofachhandel gibt es die beste Beratung”, rät Heuer.

In der Regel werden die Warnmelder an der Decke befestigt, denn dorthin steigt Rauch aus Glimm-, Schwel- oder Flüssigkeitsbränden zuerst. Die meisten müssen mit Schrauben angebracht werden, manche lassen sich, etwa mit Hilfe von Magneten, direkt an die Zimmerdecke kleben. „Die Geräte gehören auf jeden Fall in den Flur, der im Brandfall als Fluchtweg dient, außerdem ins Schlaf-, Wohn- und Kinderzimmer”, sagt Rudolph. Auch der Gesetzgeber nenne explizit diese Räume.

„Wer will, kann die einzelnen Melder auch vernetzen. Dafür gibt es im Handel Funkmodule, die leicht nachzurüsten sind.” Eher deplatziert sind Rauchwarnmelder dagegen in Küche und Bad, also an Orten, an denen sowieso viel - gewünschter - Rauch und Wasserdampf entsteht. „Wenn im Ofen der Braten mal ein bisschen anbrennt, sollte schließlich nicht sofort schriller Alarm losgehen”, sagt Mattis.

Laut ist der Alarm in der Tat: Mindestens 85 Dezibel stark muss der Warnton sein. „Das ist nah am Presslufthammer, selbst zwei Zimmer weiter kann das keiner überhören”, so Rudolph. Heuer denkt sogar an härtere Fälle: „Auch wer am Abend davor mal zu viel getrunken hat, wird davon definitiv aufwachen.”

Allerdings darf die Batterie nicht leer sein. Um zu verhindern, dass der Stromspeicher ausgerechnet im Notfall versagt, signalisieren die Melder frühzeitig durch ein regelmäßig wiederholtes Piepen, wenn die Batterie ausgewechselt werden muss.

Allzu oft sei das aber nicht der Fall: „Je nach Modell liegt die Laufzeit der eingebauten Batterien bei bis zu zehn Jahren”, erläutert Rudolph. In der Regel verfügten die Melder zudem über Testknöpfe, mit denen im Zweifelsfall (etwa nach längerer Abwesenheit) die Funktionsfähigkeit überprüft werden kann.

Wartungsintensiv sind die Geräte nicht, da sie an der Zimmerdecke kaum einstauben können. Zur Not sind spezielle Reinigungssprays zu erwerben. Und auch die Optik leidet kaum - die meisten Rauchmelder kommen unauffällig weiß.

Mit Farbe überstreichen dürfe man sie keinesfalls, warnt Mattis: „Die Geräte müssen frei zugängig bleiben. Wenn die Öffnungen zugekleistert sind, fallen sie aus.” Denn die meisten Rauchwarnmelder funktionieren optisch: In die Öffnungen eindringender Rauch lenkt einen kleinen Lichtstrahl im Gerät auf ein Fotoelement um, das den Alarm auslöst.

Rauchen auch mit Warnmelder erlaubt

Bei Rauchern herrscht mitunter Skepsis in Sachen Rauchmelderpflicht, da sie befürchten, dann nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in den eigenen vier Wänden nicht mehr zur Zigarette greifen zu dürfen.

„Die Sorge ist unbegründet, denn kein Qualitätsrauchmelder wird auf normalem Zigarettenkonsum anspringen”, sagt Christian Rudolph, Vorsitzender des Forums Brandrauchprävention in der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) in Altenberge (Nordrhein-Westfalen).

„Im Normalfall passiert da nichts”, ergänzt Manfred Heuer, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Bremen. „Da müsste man die Zigarette schon direkt ans Gerät halten.”

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert