Bonn - Laktoseintoleranz lässt sich per Atem-Test feststellen

Laktoseintoleranz lässt sich per Atem-Test feststellen

Von: Mascha Schacht, ddp
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Ein Glas Milch: Was für viele Menschen ein Genuss ist, bereitet anderen schwere Probleme. Rund 15 Prozent der Deutschen leiden unter Laktoseintoleranz, einer Milchzuckerunverträglichkeit. Foto: ddp

Bonn. Als Vorspeise eine Tomatencremesuppe mit Sahnehäubchen, danach Schweinelendchen mit Kartoffelgratin, zum Abschluss ein Cappuccino-Muffin mit Vanillesoße: Was für viele Menschen ein Genuss ist, bereitet anderen schwere Probleme.

Etwa 15 Prozent der Deutschen leiden unter einer sogenannten Laktoseintoleranz, einer Milchzuckerunverträglichkeit. Der Genuss von Milch und Milchprodukten kann bei ihnen schmerzhafte Blähungen, Übelkeit und Durchfall auslösen. Ist die Unverträglichkeit aber erst einmal festgestellt, können die Betroffenen oft schon mit geringfügigen Änderungen im Speiseplan ein beschwerdefreies und trotzdem genussvolles Leben führen.

Milch ist ein wertvolles Lebensmittel. Das darin enthaltene Kalzium unterstützt den Knochenaufbau und ist daher insbesondere für Heranwachsende und ältere Menschen sehr wichtig. Allerdings reagieren weltweit etwa drei Viertel der Menschen auf den Verzehr von Milchprodukten mit Verdauungsstörungen. „Sie vertragen den enthaltenen Milchzucker, die Laktose, nicht”, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

„Laktose ist ein sogenannter Zweifachzucker. Erst, wenn er in Einfachzucker zerlegt worden ist, gelangt er ins Blut und steht dem Körper als Energie zur Verfügung.” Für die Aufspaltung ist normalerweise das im Dünndarm produzierte Enzym Laktase zuständig. Und an eben diesem Enzym mangelt es Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit. Auf diese Weise kann der Zucker nicht oder nur teilweise zerlegt und aufgenommen werden - der nicht gespaltene Rest wandert in den Dickdarm weiter.

„Die Darmbakterien bauen den Milchzucker ab, wobei es zu einem Gärprozess kommt. In der Folge entstehen Gase und Säuren, und diese verursachen schließlich die Magen-Darm-Beschwerden”, erläutert die Ernährungswissenschaftlerin aus Bonn.

Bei den meisten Betroffenen entwickelt sich der Enzymmangel erst im Laufe des Lebens. „Warum, ist noch nicht ausreichend geklärt”, berichtet Gahl. „Vermutlich steht dieses Phänomen jedoch in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung der menschlichen Ernährung, denn weltweit kann man ein starkes Süd-Nord-Gefälle beobachten: In einigen südlichen Ländern weisen bis zu 98 Prozent der Bevölkerung eine Laktoseintoleranz auf, während es in den nordischen Ländern unter zehn Prozent sind.”

In Deutschland sind 15 von 100 Menschen betroffen - doch oftmals wissen diese gar nichts von ihrer Unverträglichkeit. „Das liegt vor allem daran, dass die Symptome zum Teil erst Stunden nach dem Genuss von Milchprodukten auftreten. Die Betroffenen bringen die Beschwerden daher häufig nicht mit den Lebensmitteln in Verbindung.”

Wer einen Zusammenhang vermutet, dem empfiehlt Julia Weißkirchen, Ökotrophologin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund, ein Ernährungstagebuch zu führen: „Notiert werden sollte, wann und in welchen Mengen jedes Lebensmittel verzehrt wurde und um wieviel Uhr welche Beschwerden auftreten”, erläutert sie.

Gewissheit bringt schließlich der sogenannte H2-Test, der vom Internisten oder Gastroenterologen durchgeführt werden kann: Dabei wird der Anteil von Wasserstoff in der ausgeatmeten Luft des Patienten gemessen, und zwar bevor und nachdem er eine milchzuckerhaltige Lösung getrunken hat.

„Wenn der Milchzucker von den Bakterien verstoffwechselt wird, entsteht unter anderem Wasserstoff. Liegt der Wasserstoffanteil in der Atemluft über einem bestimmten Grenzwert und treten während oder nach der Testung Beschwerden auf, gilt die Unverträglichkeit daher als erwiesen”, erklärt die Ernährungsexpertin. Der Test wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Nun gilt es, den Speiseplan entsprechend anzupassen, was am besten mit der Unterstützung eines Ernährungsberaters gelingt. Er setzt den Betroffenen zunächst so lange auf eine milchzuckerarme oder -freie Diät, bis dieser wieder beschwerdefrei ist. „Das kann schnell gehen oder einige Wochen dauern - abhängig davon, wie lange und schwer die Intoleranz bereits vorhanden ist”, sagt Weißkirchen.

Anschließend geht es darum, herauszufinden, wie viel Laktose der Patient noch verträgt. Denn das ist die gute Nachricht: Nur in sehr seltenen Fällen liegt eine totale Laktoseintoleranz vor. Meist wird einfach nur weniger Milchzucker vertragen als die 20 bis 30 Gramm, die jeder Deutsche pro Tag durchschnittlich zu sich nimmt. „Bei manchen Betroffenen genügt es bereits, auf Trinkmilch zu verzichten, da diese den höchsten Gehalt an Milchzucker hat.”

Bei Sahne, Magerquark oder Milcheis ist ebenfalls Vorsicht geboten, und auch Fertigprodukten sind oft größere Mengen Milchzucker zugesetzt. Butter und Schnittkäse wie Gouda oder Edamer hingegen enthalten nur geringe Mengen und können daher meist bedenkenlos verzehrt werden.

Als Ergänzung eignen sich sogenannte laktosefreie Milchprodukte. Julia Weißkirchen rät jedoch davon ab, die Ernährung ganz auf diese Produktpalette umzustellen: „Erstens sind diese Produkte ziemlich teuer, und zweitens ist es in jedem Fall empfehlenswert, die noch vertragene Milchzuckermenge auch weiterhin zu sich zu nehmen. Denn sonst sinkt der Schwellenwert weiter.”

Wer ganz auf Milchprodukte verzichtet, muss seine Kalziumversorgung im Blick behalten. Um einem Mangel vorzubeugen, sollte viel kalziumreiches Gemüse wie Brokkoli oder Lauch verzehrt und entsprechendes Mineralwasser getrunken werden. Auch die Einnahme von Mineralstoffpräparaten kann sinnvoll sein, sollte aber immer mit dem Arzt abgesprochen werden.

Die Lebensmittelindustrie hat eine neue Nische für sich entdeckt: In den Supermarktregalen finden sich immer häufiger sogenannte laktosefreie Milchprodukte. „Der Begriff laktosefrei stimmt jedoch nicht ganz”, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. „Genau genommen wurde den Produkten einfach das Enzym Laktase zugesetzt.”

Dadurch findet der entscheidende Umbauprozess, der normalerweise erst im Dünndarm abläuft, bereits im Produkt statt: Der Milchzucker wird in die verträglichen Einfachzucker Glukose und Galaktose aufgespalten - übrig bleibt lediglich ein minimaler Restgehalt von 0,1 Milligramm Laktose pro 100 Gramm Lebensmittel. Die Produkte können den Alltag sehr erleichtern, sind allerdings deutlich teurer als herkömmliche Milcherzeugnisse.

Auch Restaurantbesuche können für Patienten mit Laktoseunverträglichkeit unangenehme Folgen haben: Selbst ein Salat kann durch die Joghurtsoße Symptome verursachen, und im dazu gereichten Baguette kann sich ebenfalls eine beträchtliche Menge Milchzucker verbergen. „Hier empfiehlt es sich, den Koch zu bitten, die Laktoseunverträglichkeit bei der Zubereitung der Speisen zu berücksichtigen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann vor dem Essen zudem spezielle Laktase-Tabletten einnehmen.

Damit führt man dem Körper das Enzym künstlich zu”, sagt Gahl. Von der dauerhaften Nutzung solcher Medikamente rät die Ernährungsexpertin jedoch ab. Zudem sollten Betroffene die Verwendung zuvor mit einem Arzt absprechen.
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