Knieprothesen halten auch hohen Sportbelastungen stand

Von: ddp
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New Orleans. Knieprothesen halten deutlich mehr aus als gedacht: Patienten, die ohne Rücksicht auf ihr künstliches Gelenk wieder Fußball spielen oder joggen, riskieren nur zu zehn Prozent, dass die Funktionsfähigkeit ihrer Prothese leidet.

Das haben US-Forscher festgestellt, die über 500 Menschen mit Kniegelenk-Vollersatz sieben Jahre nach der Operation untersuchten. Verglichen wurden die medizinischen Befunde einer Gruppe sportlich hoch aktiver Patienten mit denen einer Kontrollgruppe, die sich strikt der ärztlichen Schonungsempfehlung unterworfen hatte.

Das eingesetzte standardisierte Bewertungsverfahren ergab zudem, dass die künstlichen Knie bei der „Sportgruppe” auch besser funktionierten. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler um Sebastien Paratte von der Université dAix et de Marseille in Marseille auf dem Jahreskongress der American Academy of Orthopaedic Surgeons vor.

Den Patienten mit einer sogenannten Knie-Endoprothese empfehlen orthopädische Gesellschaften und die Prothesenhersteller, starke Belastungen des größten menschlichen Gelenks zu vermeiden. Dazu zählen Aktivitäten wie etwa Gewichtheben, Joggen, Basketball, Fußball oder Aerobic. „Aktuelle Studien belegen aber, dass sich einer von sechs Patienten nicht an die Ratschläge hält”, erklärt Paratte.

Um festzustellen, welche Konsequenzen den Unbelehrbaren drohen, untersuchte sein Team an der Mayo Clinic in Rochester 218 Patienten im Alter zwischen 18 und 90 Jahren, die ihre Prothese sieben Jahre lang intensiv belasteten. Die Vergleichsgruppe bestand aus 317 Patienten mit den gleichen Implantaten, die aber ihre Aktivitäten eingeschränkt hatten.

Zur Beurteilung verwendeten die Forscher den eingeführten Knee Society Score: Bei der Knie-Bewertung werden Punkte vergeben für Beweglichkeit, Schmerz und Stabilität, bei der Funktionsbewertung spielen die Gehstrecke, das Treppensteigen und die Verwendung von Gehhilfen eine Rolle. Bei den Kniefunktionen schnitten die Sportler besser ab als die Kontrollgruppe.

Diese musste zu 20 Prozent auch öfter zu Kontrollen wegen mechanischer Probleme. Keine Unterschiede traten auf bei dem Vergleich der Festigkeit der Endoprothesen, die über medizinische Aufnahmen kontrolliert wurde. Über alle Bewertungskriterien hinweg ergab sich für die Sportler nur ein zehn Prozent höheres Risiko, durch ihre Aktivitäten die Mechanik zu beeinträchtigen.

„Wir hatten zwar die Hypothese, dass hohe Belastungen die Implantate kaum in Mitleidenschaft ziehen, aber wir haben nicht vorhergesehen, dass die hohe Beanspruchung die klinischen Werte verbessern würde”, berichtet Paratte. Natürlich seien nun genauere Untersuchungen erforderlich, welche Effekte starke Belastungen auf die Stabilität und Funktionalität der Endoprothesen auslösen. Die Hersteller würden ihre Verhaltensempfehlungen jedenfalls vorerst nicht revidieren: „Und so lange sollten die Patienten diese auch befolgen.”
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