Bad Bertrich/Volkmarsen - Keine Angst vor der Krampfader-OP: Geschwollene Venen früh behandeln

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Keine Angst vor der Krampfader-OP: Geschwollene Venen früh behandeln

Von: Mascha Schacht, ddp
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Krampfadern
Venenentzündungen oder Durchblutungsstörungen lassen sich vermeiden, wenn Krampfadern rechtzeitig entdeckt und behandelt werden. Foto: dpa

Bad Bertrich/Volkmarsen. Nein, sie tun nicht weh: Krampfadern haben mit Krämpfen nichts zu tun, der Name hat sich vielmehr aus dem mittelhochdeutschen Wort Krummadern entwickelt.

„Das beschreibt das typische Aussehen recht treffend, denn während gesunde Venen einen geraden Verlauf haben, schlängeln sich Krampfadern in vielen Windungen wie die Mäander eines Flusses”, erklärt der Chirurg Andreas Dingel vom St. Elisabeth Krankenhaus in Volkmarsen bei Kassel. Weil sie lange keine Beschwerden verursachen, werden Krampfadern oft erst spät behandelt - auch weil viele Betroffene vor einer Operation zurückschrecken und Angst vor einem Rückfall haben.

„Die Venen, um die es bei Krampfadern geht, verlaufen oberflächlich unter der Haut im Fettgewebe, und dort gibt es gar keine Schmerznerven”, erläutert Dingel. Schmerzen bereiten Krampfadern erst, wenn bereits eine Venenentzündung vorliegt. Beschwerden verursacht außerdem die gesteigerte Druckempfindlichkeit der Haut, oft sind nach Angaben des Venenexperten aber auch Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbel der Auslöser für Schmerzen in den Beinen, die dann den Krampfadern zugeschrieben werden.

Dass Krampfadern wehtun, ist nur eine von vielen falschen Annahmen, die sich nach Erfahrung des Venenexperten in den Köpfen vieler Menschen - darunter auch Ärzte - festgesetzt haben. „Immer wieder hört man beispielsweise, das Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen oder Sonne und Wärme könnten Krampfadern verursachen. Das ist schlicht falsch.” Denn die Hauptursache ist eine meist genetisch bedingte Bindegewebeschwäche. Deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung, wenn schon ein Elternteil darunter litt, und darum sind Frauen auch häufiger betroffen als Männer.

Auch die Aussage, bei Krampfadern seien die Venenklappen kaputt, stimmt so nicht. „Die Venen sind das Rücktransportsystem des Körpers, sie pumpen das verbrauchte, sauerstoffarme Blut entgegen der Schwerkraft zurück zum Herzen. Die Venenklappen sind eine Art Ventil und sorgen dafür, dass das Blut die Venen nur in eine Richtung, nämlich aufwärts, passieren kann”, beschreibt Dingel. In schwachem Bindegewebe können sich die Venen jedoch erweitern. Dadurch bewegen sich die Venenklappen auseinander und es entsteht eine Lücke, durch die das Blut nun doch zurückfließen kann.

Die geschwollenen Venen bereiten trotz des bereits typischen Mäanderverlaufs oft jahrelang kaum Beschwerden. „Zwar fühlen sich die Beine mal schwer und geschwollen an, aber anfangs genügt ein kurzes Hochlagern, um die Symptome zu bessern. Aber über Jahre hinweg nimmt die Haut die Stauungen übel”, berichtet der Venenchirurg. Erste Anzeichen sind Rostflecken, bräunliche Verfärbungen im Bereich des Sprunggelenks: Durch den Druck entstehen Mikrorisse, durch die Blut in das umgebende Gewebe einsickert.

„Dieses Blut wird zwar vom Blutstrom wieder absorbiert, aber das im Blut enthaltene Eisen lagert sich im Gewebe ab und wird oxidiert - es rostet.” Besonders fatal wirken sich die Stauungen an der Hautoberfläche aus: „Sie ist extrem gespannt und kann aufplatzen. Es entsteht ein Ulcus, ein offenes Bein. Eine solche Wunde verheilt nur äußerst langsam.” Durch die verminderte Fließgeschwindigkeit des Blutes steigt zudem das Risiko, dass sich Thrombosen, Blutgerinnsel, bilden.

Obwohl heute 60 Prozent aller Frauen unter Krampfadern leiden und zunehmend auch Männer betroffen sind, wird häufig erst in diesem Stadium ein Arzt oder Phlebologe, ein Venenspezialist, aufgesucht. Dabei müsse heute niemand mehr Angst vor einer Krampfadernentfernung haben, weiß Petra Hager-Häusler, Geschäftsführerin der Deutschen Venen-Liga in Bad Bertrich. „Am häufigsten wird das sogenannte Stripping angewendet, das Ziehen der krankhaften Venen. Das klingt brutal, ist heute aber ein ausgesprochen schonender Eingriff, der sogar bei schwersten Befunden unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden kann.”

Von Schnitten übersäte, vernarbte Beine gehören längst der Vergangenheit an. Bei der auch als Häkelmethode bekannten Phlebektomie verwendet der Chirurg ein Instrument, das aussieht wie eine sehr feine Häkelnadel. Mit dieser sticht er durch die Haut ein und zieht den Seitenast der Vene heraus. „Selbst die größeren Operationen dauern nur noch 45 bis 90 Minuten”, berichtet Hager-Häusler. Zurück bleiben lediglich einige Blutergüsse, und für rund vier Wochen müssen Kompressionsstrümpfen getragen werden. „Bei Operationen unter örtlicher Betäubung geht der Patient anschließend sogar selbst auf sein Zimmer zurück.”

Denn nach dem Eingriff ist Bewegung das Allerwichtigste und beugt Thrombosen vor: Schwimmen, Joggen, Inlineskaten, alles ist erlaubt, sogar Krafttraining. Auch Rückfälle sind selten - „vorausgesetzt, der Patient geht zum Spezialisten. Wenn ein Operateur nicht phlebologisch weitergebildet ist, müssen rund 43 Prozent der Patienten mit wiederkehrenden Krampfadern rechnen, in spezialisierten Venenzentren sind es hingegen unter fünf Prozent”, berichtet Hager-Häusler.

Aufgrund der guten Ergebnisse und der jahrzehntelangen Erfahrungen wird das Stripping von allen Krankenkassen bezahlt - im Gegensatz zu Verfahren, die auf Laser oder Radiowellen setzen und die Krampfadern durch Hitze vernichten. Diese Methoden werden zwar oft als die moderneren beworben, sie sind aber vor allem für schwach ausgeprägte Fälle geeignet und es gibt noch keine Langzeitergebnisse. „Da die Behandlung meistens aus eigener Tasche bezahlt werden muss, ist dann ein Rückfall umso ärgerlicher.”

Das gilt auch für die Behandlung von Besenreisern. „Besenreiser sind keine Krampfadervorstufen, sondern Mikrorisse in der Haut”, erklärt Andreas Dingel. „Deshalb können sie mit den Mitteln, die bei der Krampfadernbeseitigung zum Einsatz kommen, auch nur in den seltensten Fällen erfolgreich behandelt werden.” Statt zu einer überflüssigen und kostspieligen Operation hat Dingel seiner eigenen Tochter darum zu einem einfachen, aber wirkungsvollen Trick geraten: „Besenreiser lassen sich sehr gut überschminken.”

Informationen zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Infos und Tipps zur Vorbeugung bietet die Deutsche Venen-Liga. Über ein Kontaktformular haben Interessierte auch die Möglichkeit, Fragen an einen der Venen-Experten zu stellen. Außerdem stehen bei venenliga.de Patienteninformationen wie die VenenFibel zum Download bereit.

Was Schwangere mit Krampfadern beachten sollten und vieles andere erfahren Betroffene auf deutsche-gefaessliga.de, der Website der Deutschen Gefäßliga. Dort kann auch die Zeitschrift „Gefäßreport” heruntergeladen werden.

Auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (phlebology.de) kann unter anderem anhand eines Onlinetests das Risiko für Venenerkrankungen ermittelt werden. Wer einen Spezialisten für Gefäßerkrankungen sucht, kann dabei die Datenbanksuche der DGP zur Hilfe nehmen.

Bücher:

Marianne Koch, Werner Buchberger: „Venen: Gesundheitsgespräch”, Gräfe und Unzer, 2008, 7,90 Euro, ISBN: 978-3833811104;

Friederike Krumme, Cornelia Fischer-Börold: „Venenleiden. NDR Visite - Die Gesundheitsbibliothek”, Schlütersche, 2008, 12,90 Euro, ISBN: 978-3899935424;

Edith Leisten: „Erfolgreich gegen Krampfader, Besenreiser und Co” Books on Demand, 2009, 14,90 Euro, ISBN: 978-3837074628.

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