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Junge Arbeitnehmer haben Probleme mit Zivilisationskrankheiten

Von: Philipp Heinz, dapd
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Zwei Drittel der Deutschen leiden unter Rückenproblemen. Foto: Fotolia

Berlin. Schmerzen im Rücken, hoher Blutdruck und starkes Übergewicht werden bei jungen Arbeitnehmern immer öfter zum Problem. Während 2010 der Krankenstand aller Arbeitnehmer mit 3,4 Prozent auf niedrigem Niveau verharrte, machen sich Experten zunehmend Sorgen über die Folgen von Stress, Bewegungsmangel und falscher Ernährung bei den unter 30-Jährigen, wie die Krankenkasse DAK am Dienstag in Berlin mitteilte.

Aus dem vorgestellten Gesundheitsreport geht hervor, dass sich jeder fünfte junge Beschäftigte wegen Rückenleiden behandeln ließ.

Der Krankenstand der unter 30-Jährigen liegt dem Gesundheitsreport zufolge aber unter dem Durchschnitt. Die jungen Arbeitnehmer ließen sich zwar häufiger krankschreiben, waren aber schneller wieder fit. Bestätigt wird das von den Zahlen der Techniker Krankenkasse (TK), die ebenfalls am Dienstag veröffentlicht wurden.

Die TK gibt den durchschnittlichen Krankenstand mit 3,3 Prozent an, die Abweichung zur DAK beträgt also nur 0,1 Prozentpunkte. Da die Angaben von der zweit- und der drittgrößten Ersatzkasse stammen, lassen sich daraus Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand aller Beschäftigten ziehen.

Ein DAK-Versicherter blieb 2010 im Schnitt 12,5 Kalendertage mit ärztlichem Attest von der Arbeit fern. Für den Gesundheitsreport hat die DAK die Krankschreibungen von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten mithilfe des IGES-Instituts aus Berlin ausgewertet. Anders als erwartet hätten sich während des Aufschwungs 2010 nicht mehr Arbeitnehmer krankgemeldet als während der Krise, sagte DAK-Chef Herbert Rebscher. Er sprach von der „Legende der Konjunkturabhängigkeit der Krankenstandszahlen”. Früher waren die Experten davon ausgegangen, dass sich Arbeitnehmer in wirtschaftlich guten Zeiten häufiger krankmelden, weil sie dann weniger um ihren Job fürchten. „Der implizite Vorwurf vom Blaumachen ist nicht zu halten”, sagte Rebscher.

Rückenleiden häufigste Ursache für Krankheitstage

Die meisten Fehltage gab es bei den Arbeitnehmern wegen Rücken- und Gelenkleiden - auf diese Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems entfielen 22 Prozent. Atemwegserkrankungen spielten mit 16 Prozent im vergangenen Jahr eine geringere Rolle als noch 2009, weil es keine ausgeprägte Grippewelle gab. Auf Verletzungen entfielen 14,3 Prozent des Krankenstands, ein Drittel davon auf Wege- und Arbeitsunfälle.

Größere Sorge als der Krankenstand machen den Experten die Veränderungen des Gesundheitszustands junger Arbeitnehmer. Diesen Aspekt rückte die DAK in den Mittelpunkt und flankierte den Gesundheitsreport mit einer repräsentativen Befragung von Berufstätigen unter 30 Jahren.

Bezeichnend für deren Gesundheitszustand ist demnach, dass Fettsucht und Bluthochdruck mit einem Anteil von jeweils knapp sechs Prozent bereits zu den 40 am häufigsten behandelten Krankheiten gehörten. Schon bei jungen Erwachsenen entwickelten sich Risikofaktoren für teure Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Arteriosklerose. Dabei stünden junge Leute wegen des steigenden Rentenalters vor einer langen Zeit als Erwerbstätige - und müssten dafür fit bleiben, sagte Rebscher.

Eine Rolle bei der Zunahme mancher Symptome bei jungen Beschäftigten könnte laut DAK Unter- oder Überforderung sein. Der Psychiater und Buchautor Hans-Peter Unger sagte, beides könne zu Stress führen. So empfindet denn laut der Studie auch jeder fünfte Befragte seinen Job als sehr belastend. Prekäre Arbeitsverhältnisse, Unsicherheit und die damit verbundenen Schwierigkeiten mit der Lebensplanung wirken sich negativ auf die Gesundheit junger Arbeitnehmer aus, wie Rebscher erklärte.

Psychische Krankheiten nehmen zu

Ein weiter wachsendes Problem sind laut dem Gesundheitsreport psychische Krankheiten. Der Anteil stieg 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozentpunkte auf 12,1 Prozent. Unger machte dafür vor allem Stress und Erschöpfung verantwortlich, die sich in Schlafstörung, Niedergeschlagenheit und Kopfschmerzen äußerten. Da diese Krankheiten weniger stigmatisiert seien als früher, gingen die Betroffenen eher zum Arzt. Fälle von schwerer Depression oder manisch-depressiven Krankheiten nähmen hingegen nicht zu.
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