Häufig und meist harmlos: Mittelohrentzündung bei Kindern

Von: Bettina Levecke, dpa
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Mittelohrentzündung
Wenig Aufwand bei der Untersuchung: Ein Blick ins Ohr reicht, um die Diagnose Mittelohrentzündung stellen zu können. Foto: dpa

Berlin. Sie ist schmerzhaft und unangenehm: Säuglinge im ersten Lebensjahr und Kleinkinder bis zum sechsten Lebensjahr haben häufig mit einer Mittelohrentzündung zu kämpfen. Mit der richtigen Therapie sind die Beschwerden aber meistens in wenigen Tagen verschwunden.

Mittelohrentzündungen zählen zu den häufigsten Gründen für den Besuch einer Kinderarztpraxis. „Fast jedes Kind erkrankt bis zum Schulbeginn mindestens einmal an einer Entzündung der Mittelohrschleimhaut”, sagt Prof. Reinhard Berner von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Berlin. Dem Ohrenschmerz geht häufig ein Infekt der oberen Atemwege voraus: „Über die Eustachische Röhre, die Ohrtrompete, gelangen Bakterien oder Viren vom Rachen ins Mittelohr und verursachen dort die Entzündung.”

Das Risiko für eine Mittelohrentzündung erhöht sich auch durch vergrößerte Rachenmandeln, Allergien wie Heuschnupfen oder passives Rauchen: „Raucherkinder sind häufiger von Mittelohrentzündungen betroffen, denn ihre Schleimhäute sind anfälliger für Infektionen”, sagt Berner. Zugluft oder Kälte führen nicht - wie oft vermutet - zu den Ohrenschmerzen. „Allerdings können äußere Faktoren, zum Beispiel kalte Füße, die Infektanfälligkeit insgesamt erhöhen.”

Eine akute Mittelohrentzündung tritt oft plötzlich auf und äußert sich durch klopfende und stechende Schmerzen, allgemeines Unwohlsein sowie ansteigende Körpertemperatur. „Bei Säuglingen zeigt sich die Entzündung eher uncharakteristisch”, sagt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln. „Wenn die Kinder im Ohr bohren, weinerlich und unruhig sind, sollten Eltern den Verdacht in jedem Fall beim Kinderarzt abklären lassen.”

Ob eine Mittelohrentzündung vorliegt, zeigt der Blick ins Ohr mittels eines Ohrtrichters, des Otoskops. „Eine Verwölbung, Rötung oder Trübung, aber auch eine Einziehung des Trommelfells sind Krankheitshinweise”, erklärt Fegeler.

Bei einer unauffälligen Erkrankung reicht in der Regel ein Schmerzmittel, zum Beispiel Paracetamol. „Saft oder Zäpfchen mit dem Wirkstoff Ibuprofen nehmen nicht nur den Schmerz, sondern wirken auch entzündungshemmend”, erklärt Prof. Michael Lentze, Direktor der Kinderklinik des Universitätsklinikums Bonn. „Manche Kinder empfinden auch ein Wärmekissen oder die Bestrahlung durch eine Rotlichtlampe als angenehm”, fügt Fegeler hinzu. „Die Wärme entspannt das beanspruchte Trommelfell.”

Inakzeptabel sei in jedem Fall das Verabreichen von Ohrentropfen, sagen alle Experten. „Sie haben keinen Einfluss auf die Erkrankung, können sogar zu unerwünschten Nebenwirkungen führen”, warnt Lentze. Fegeler empfiehlt Eltern, den kleinen Patienten abschwellende Nasentropfen zu geben: „Die Tropfen werden dem Kind in der Rückenhaltung gegeben.” Danach muss das Kind einige Minuten liegen bleiben, damit sich der Wirkstoff optimal verteilen kann. „Geben Sie Ihrem Kind anschließend ein Kaugummi oder ein Teefläschchen.” Das Schlucken fördert den Druckausgleich und den Flüssigkeitsabfluss im Ohr.

In den meisten Fällen verschwindet die Mittelohrentzündung von selbst. Manchmal öffnet sich das Trommelfell, und Eiter und Schleim fließen ab, manchmal klingen die Schmerzen einfach so ab. „Sollte jedoch nach 48 Stunden keine deutliche Verbesserung eintreten oder das Kind trotz Paracetamol oder Ibuprofen weiterhin Fieber oder Beschwerden haben, ist ein Antibiotikum anzuraten”, sagt Berner.

„Auch bei Säuglingen, die früh starke Erkrankungszeichen wie hohes Fieber haben, sollten Arzt und Eltern nicht unnötig zögern”, rät Lentze. Normalerweise reiche ein einfaches und bewährtes Antibiotikum wie Amoxicillin. „Das Medikament sollte immer laut Packungsbeilage und Verschreibung des Arztes angewendet werden”, warnt Lentze. Wird das Antibiotikum zu früh abgesetzt, besteht die Gefahr, die Erkrankung zu verschleppen. Das begünstigt nicht nur erneute Ohrentzündungen: „Verbleiben Streptokokken im Körper, können sie sich im Körper, zum Beispiel im Herzen, absetzen und schwere Folgeschäden verursachen.”

Eine chronische Entwicklung der Mittelohrentzündung sei aber ausgesprochen selten, sagt Berner. „Zwei Entzündungen pro Jahr sind ganz normal, manche Kinder haben sogar viermal jährlich eine Mittelohrentzündung.” Haben Kinder aber länger als drei Wochen oder wiederholt in sehr kurzen Abständen Ohrenschmerzen, muss unbedingt ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden. Es besteht das Risiko von Trommelfellvernarbungen oder Schallleitungsstörungen, die zu einer Schwerhörigkeit führen können.


Bettruhe nicht zwingend erforderlich

Besonders kleine Kinder sind häufig trotz Fieber noch fit und spielfreudig. Wenn das Kind also nicht liegen will, ist Bettruhe auch nicht anzuraten. Das Spiel im Kinderzimmer ist den Experten zufolge absolut in Ordnung. Nach draußen sollten Kinder aber erst, wenn sie fieberfrei sind. Wichtig ist auch eine verstärkte Flüssigkeitszufuhr, damit die Schleimhäute schneller abschwellen.

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