Gesundheit aus dem Garten

Von: ddp-Korrespondentin Martina Bisculm
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Kräuter / Gesundheit / Thymian
Kräuter sind mehr als nur Deko: Wenn das Grünzeug richtig gezogen und verarbeitet wird, hat man bald nicht nur ein nettes Gewürzregal beisammen, sondern eine ganze Apotheke. Foto: ddp

Kronshagen/Köln. Seit jeher sind Pflanzen für den Menschen gleichermaßen Nahrungsquelle wie Rohstofflieferant und Dekorationsobjekt. Kräuter, Sträucher und sogar Bäume können aber noch mehr.

Wenn das Grünzeug richtig gezogen und verarbeitet wird, hat man bald nicht nur ein nettes Gewürzregal beisammen, sondern eine ganze Apotheke.

Auch die Schulmedizin hat das Potenzial aus dem Kräutergarten schon lange entdeckt. Mit Hightech-Verfahren werden Wirkstoffe extrahiert, die den synthetisch hergestellten in punkto Wirksamkeit in nichts nachstehen. Mit einfacheren Mitteln kann die Heilkraft der Pflanzen aber ganz einfach auch in der heimischen Küche gebündelt werden: Gegen Erkältungen, Verdauungsbeschwerden oder Einschlafstörungen helfen selbstgemachte Tees oder Salben genauso gut wie jene aus der Apotheke.

Neu ist die Idee natürlich nicht: Naturvölker etwa benutzen Pflanzen schon seit Jahrtausenden als wirksame Heilmittel, halluzinogene Inspirationsquelle oder auch glaubensabhängiges Wundermittel. Und auch in der westlichen Welt sind Pflanzen von jeher ein wichtiger Bestandteil medizinischer Behandlungen - früher sowohl der klassischen als auch der alternativen Varianten, heute eher letzterer. Daher liegt die Vermutung nahe, dass man sich dort auch Anregungen für hausgemachte pflanzliche Hilfen holen könnte.

Sehr geeignet als Vorbild erscheint dabei auf den ersten Blick die Homöopathie, die Wissenschaft vom „gleichen Leiden”. Ähnliches kann mit Ähnlichem geheilt werden, lautet das Credo. Dabei steht nicht die chemische Wirkung im Vordergrund - vielmehr aktivierten die Mittel körpereigene Prozesse, erklärt Christine Liebing-Gabel, Vorsitzende des VKHD, des deutschen Verbandes für klassische Homöopathen. „Die sogenannten Homöopathika helfen quasi dem Körper, seine Selbstheilungskräfte zu mobilisieren”, sagt die Heilpraktikerin aus dem schleswig-holsteinischen Kronshagen.

Dabei dienen Pflanzen als Basis, aber nicht nur: „Homöopathische Arzneimittel werden aus vielen unterschiedlichen Ausgangstoffen wie Tieren, Metallen, Geweben oder eben Pflanzen hergestellt. Beispiele, die jeder kennt, sind Salbei, Petersilie oder die Küchenzwiebel. Die genaue Kenntnis der Symptome des Patienten ermöglicht eine individuelle Verschreibung. Ein Husten wird nicht immer mit dem gleichen homöopathischen Arzneimittel behandelt”.

Klingt gut - aber kann ein Laie die Heilkunst auch selbst anwenden? Liebing-Gabel rät zur Vorsicht: „Die homöopathische Behandlung ist nur sicher und wirkungsvoll, wenn sie von einem gut ausgebildeten Therapeuten durchgeführt wird. Die Mittel werden verrieben, verdünnt oder verschüttelt und wirken dann auf energetischer Ebene. Die Grundsubstanz ist nur noch in Spuren enthalten oder gar nicht mehr nachweisbar. Einige sehr potente homöopathische Mittel kommen anderweitig wegen ihrer Giftigkeit nicht zum Einsatz. Das alles setzt eine genaue Kenntnis der homöopathischen Lehre voraus.”

Die Homöopathie ist also nichts für Laien ohne Vorkenntnisse. Dennoch seien gegen bestimmte Leiden Kräuter gewachsen, aus denen jeder mit wenig Aufwand einen Aufguss herstellen könne, erklärt Frank Herfurth, promovierter Chemiker und Vorstandsmitglied im Verband der Freien Heilpraktiker. Klassische Einsatzbereiche solcher Kräutertees sind Einschlafstörungen, Verdauungsbeschwerden und Erkältungskrankheiten.

Um die richtigen Kräuter zu finden, muss man kein Botaniker sein, einige stehen oft bereits auf dem Balkon oder lassen sich leicht ziehen. „Gegen Einschlafstörungen mischt man am besten Melissenblätter mit Lavendelblüten - übrigens eine der wenigen Pflanzen, von denen die Blüten verwendet werden”, erklärt der Heilpraktiker aus Köln.

„Dafür trocknet man die Pflanzen und übergießt sie dann mit heißem Wasser. Durch das Trocknen werden die Tees einerseits haltbar und andererseits entfalten sich viele Inhaltsstoffe erst dadurch. Die einzigen Blätter, die auch ungetrocknet übergossen werden, sind die der Pfefferminze. Sie werden allerdings eher zur Erfrischung denn als Heilmittel genutzt”, erläutert Herfurth.

Bei Erkältungskrankheiten empfiehlt er Thymian und Majoran. Zum Trocknen hängt man die Blätter am besten einige Tage in die Sonne. Danach können sie zerrieben zum Würzen oder ganz als Tee verwendet werden. Einen weiteren Tipp vom Experten, den Teetrinker vermutlich gerne anwenden: „Am besten genießt man vor allem Erkältungstees gut gesüßt. Der Zucker unterstützt die schleimlösende Wirkung der Kräuter.”

Nun ist Teetrinken nicht jedermanns Sache, einige Menschen greifen nur im äußersten Notfall zu den aufgegossenen Kräutern. Das müssen sie auch nicht, denn mit nur wenig mehr Aufwand kann man auch eine Salbe mit pflanzlichen Wirkstoffen herstellen.

Dafür empfehlen sich allerdings nicht frische oder getrocknete Kräuter, sondern ätherische Öle, die in jeder Apotheke oder im Bioladen erhältlich sind. „Einige Tropfen Eukalyptusöl in einen Mörser mit Melkfett oder Vaseline träufeln und das Ganze gut vermischen”, empfiehlt Herfurth die Herstellung einer einfachen Salbe, die bei Erkältung das Atmen erleichtert und den Schleim löst.

Majoran und Thymian können auf diese Weise ebenfalls gut verwendet werden. „Allerdings sollten die ätherischen Öle niemals eingenommen oder mit einem Tee vermischt werden - sie sind so scharf, dass man sich anstelle des beißenden Gefühls im Rachen schnell die Erkältung zurückwünscht.”
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