Bremen/München - Gesund durch die Schwangerschaft: Vorsorgeuntersuchungen nutzen

Gesund durch die Schwangerschaft: Vorsorgeuntersuchungen nutzen

Von: Bettina Levecke, dpa
Letzte Aktualisierung:
Junge oder Mädchen: Zeugungs-Zeitpunkt kann den Unterschied machen
Die Geburt des ersten gemeinsamen Kindes ist für die Eltern ein unvergleichlicher Glücksmoment. Ob ein Junge oder ein Mädchen das Licht der Welt erblickt, ist nebensächlich - zumindest beim ersten Kind. Prinzipiell jedoch hätten laut Umfragen viele Paare gern sowohl einen Sohn als auch eine Tochter. Darum gehört es zu den vieldiskutierten Fragen, ob sich das Geschlecht des Kindes planen lässt. Foto: dpa

Bremen/München. Nichts wünschen sich werdende Eltern mehr als ein gesundes Baby. Die Angaben des „Deutschen Ärzteblattes” beruhigen: In Deutschland geht dieser Wunsch bei 97 Prozent aller Geburten in Erfüllung.

Das war nicht immer so - erst seit es umfangreiche Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft gibt, können viele Risiken frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ist alles dran? Wird es ein Junge oder Mädchen? Dank des Blicks per Ultraschall können Ärzte heute viel über das ungeborene Kind erfahren. 1979 machte Deutschland den Ultraschall zur Routineuntersuchung in der Schwangerschaft. Heute gehören drei zur gesetzlichen Grundversorgung: „Diese Untersuchungen klären viele wichtige Fragen über den Verlauf der Schwangerschaft”, sagt Andreas Umlandt, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Bremen.

Aber nicht nur das: Im Ultraschall können Gynäkologen schnell feststellen, ob die Schwangere eines oder mehrere Kinder erwartet. „Eine wichtige Information für werdende Eltern”, sagt Umlandt. Auch der ungefähre Geburtstermin kann dank moderner Ultraschallmessungen recht genau vorhergesagt werden. „Und wir sehen Auffälligkeiten am Kind, zum Beispiel Herzfehler, die dann sofort behandelt werden können.”

Zahlreiche Studie belegten, dass die Vorsorgeuntersuchungen sich sehr günstig auf den Verlauf der Schwangerschaft auswirken, ergänzt Prof. Karl-Theo Maria Schneider von der Frauenklinik und Poliklinik der Technischen Universität München. „Frauen, die diese Untersuchungen nicht nutzen, gehen ein erhöhtes Risiko ein.”

Zu den Standarduntersuchungen gehören die Messung der Blutwerte, Urintests, Blutdruckmessung und die Herzfrequenzmessung des ungeborenen Kindes - erst alle vier, dann alle zwei Wochen. Im blauen Mutterpass werden die Ergebnisse protokolliert. „Wir wissen aus unseren Beratungen, dass nicht alle Frauen so engmaschig untersucht werden wollen”, sagt Christine Klemm, Ärztin bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland in Hamburg.

Doch bestimmte Tests sollten auf keinen Fall ausgelassen werden: „Ganz wichtig ist die Untersuchung auf Chlamydien”, rät Umlandt. Die Scheidenbakterien können unentdeckt zum Erblinden des Säuglings führen. „Oder auch zur Frühgeburt”, warnt der Mediziner.

Auch Scheidenpilze oder andere Keime sollten ausgeschlossen werden: „Ein gestörtes Scheidenmilieu ist die häufigste Ursache für Fehlgeburten”, sagt Wolf Kirschner von dem von vielen Krankenkassen geförderten Vorsorgeprogamm BabyCare. „Dabei können solche Infektionen einfach und effektiv behandelt werden.”

Obwohl bei den regelmäßigen Urinkontrollen auf erhöhte Zuckerwerte geachtet wird, empfehlen alle Experten den zusätzlichen Glukose-Intoleranz-Test, der etwa 20 Euro kostet. „10 bis 15 Prozent aller Schwangeren bekommen einen Schwangerschaftsdiabetes”, warnt Schneider. Der Test hilft, möglichen Komplikationen rechtzeitig vorzubeugen. Wer Katzen hat, gerne Rohmilchkäse oder rohes Fleisch isst, sollte außerdem einen Toxoplasmose-Test machen lassen.

„Wenn jemand aus dem näheren Umfeld an Ringelröteln, Röteln oder auch Windpocken erkrankt ist, ist auch eine Untersuchung auf Antikörper empfehlenswert”, ergänzt Umlandt. „Wir empfehlen Schwangeren auch, den Streptokokken-Test vor der Geburt wahrzunehmen”, sagt Klemm. Eine Übertragung der Bakterien auf das Kind könne zu einer Blutvergiftung führen.

In der Frühschwangerschaft können auch Untersuchungen durchgeführt werden, die das Risiko möglicher Behinderungen des Kindes genauer bestimmen. Doch ob Ersttrimesterscreening oder Tripletest: „Die Frage, ob ein Kind gesund ist oder nicht, können diese Tests nicht mit 100-prozentiger Sicherheit beantworten”, betont Klemm.

Für mehr Klarheit sorgt eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese), die jedoch das Risiko von Komplikationen und einer Fehlgeburt beinhaltet. „Eltern mit familiärer Vorbelastung oder großen Ängsten empfehlen wir deshalb, zunächst das Ersttrimesterscreening durchführen zu lassen”, sagt Umlandt.

Diese Untersuchung hat keine Nebenwirkungen und wird für circa 150 Euro Selbstkosten in der 11. bis 13. Woche durchgeführt. Dabei wird die Nackenfalte des Babys per Ultraschall gemessen und das Blut der Schwangeren auf erhöhte Progesteron-Werte untersucht.

„Auffällige Werte können dann in Folgeuntersuchungen, wie der Amniozentese, abgeklärt werden”, sagt Schneider. Eltern sollten das Für und Wider dieser Untersuchungen sorgsam abwägen und mit dem Arzt ihres Vertrauens besprechen.
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