Gegen eine Blasenentzündung hilft vor allem viel trinken

Von: Ilka Kreutzträger, dapd
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Blasenentzündung
Im noch kalten Frühjahr lange draußen gesessen, zu dünne Schuhe angezogen, nach dem Sex nicht zur Toilette gegangen - all das kann eine Blasenentzündung begünstigen. Foto: dpa

Hagen/Keitum. . Im noch kalten Frühjahr lange draußen gesessen, zu dünne Schuhe angezogen, nach dem Sex nicht zur Toilette gegangen - all das kann eine Blasenentzündung begünstigen.

Denn Kälte kann ein Türöffner für Bakterien sein, warnen Urologen. Durch die Unterkühlung werde die Immunabwehr geschwächt, so dass Bakterien leichtes Spiel haben. Viele Frauen leiden mindestens einmal im Leben an einer Blasenentzündung. „Die Anatomie der Frau ist der Hauptgrund dafür”, sagt Margret Claassen, Frauenärztin und Psychotherapeutin in Hagen.

Denn die Harnröhre ist bei der Frau deutlich kürzer als beim Mann. Daher können Bakterien rascher in die Harnblase gelangen und sich dort ausbreiten. Die Folge ist dann eine Infektion der unteren Harnwege, die auch Zystitis genannt wird. Sobald es in der Blase zieht, immer nur ein paar Tropfen kommen und es beim Wasserlassen oder direkt danach brennt, empfiehlt Claassen: „Viel trinken!”. Das müssten kein Blasen- und Nierentee oder andere heiße Getränke sein, Mineralwasser genüge auch. „Wichtig ist, trotz des anfänglichen Schmerzes, oft Wasser zu lassen”, betont die Frauenärztin. Denn dadurch würden die Erreger schneller aus dem Körper geschwemmt. ”Wer möchte, kann auch Säfte oder Tees mit Bärentraube oder Cranberry trinken„, ergänzt der Keitumer Urologe Wolfgang Bühmann vom Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. Wissenschaftlich sei deren positive Wirkung zwar nicht erwiesen, in der Praxis hätten viele Frauen aber gute Erfahrungen damit gemacht. Der Facharzt empfiehlt Frauen, die ansonsten gesund sind, während der Blasenentzündung mindestens drei Liter am Tag zu trinken.

Ob eine Blasenentzündung vorliegt, prüft der Arzt mit einem Urinteststreifen. ”Sind Bakterien im Urin, werden gut verträgliche Antibiotika verschrieben„, sagt Urologin Claassen. ”Während der Antibiotika-Therapie sollte man wieder die normalen zwei Liter am Tag trinken.„ Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten reiche es, die Tabletten drei bis fünf Tage lang zu nehmen. Komme die Infektion immer wieder, kann der Arzt oder die Ärztin eine längere Antibiotika-Therapie verschreiben. ”Bei immer wieder auftretenden Entzündungen sollte beim Urologen abgeklärt werden, ob beispielsweise anatomische Besonderheiten die Ursache sind„, sagt Classen. Von einer chronischen Erkrankung sprechen Ärzte, wenn die Blase mehr als dreimal im Jahr entzündet ist.

Doch Urologie Bühmann ist überzeugt: ”80 Prozent aller Blasenentzündungen würden auch ohne Antibiotika heilen„. Allerdings müssten die Patientinnen dann Geduld haben, denn die Heilung dauere deutlich länger als mit einem Antibiotikum. Da die meisten Patientinnen die schmerzhafte Entzündung verständlicherweise schnell loswerden wollten, akzeptierten viele das Antibiotikum. ”Letztendlich entscheidet die Patientin darüber, wie sie mit der Blasenentzündung umgehen möchte„, sagt Bühmann. Man könne die Entzündung mit viel Trinken und Geduld aussitzen, ohne ein Risiko einzugehen. Wenn der Leidensdruck zu groß sei, sei auf jeden Fall der Gang zum Arzt richtig, meint Bühmann.

Bei Fieber sofort zum Arzt

In seltenen Fällen kann sich aus der an sich harmlosen Blasentzündung eine Nierenbeckenentzündung entwickeln. ”Das merken die Betroffenen daran, dass sie sich krank fühlen und eventuell Fieber bekommen„, sagt Bühmann. Bei der einfachen Blasenentzündung fehle in der Regel das Krankheitsgefühl. Wenn also Fieber oder Rückenschmerzen auftreten und das Wasserlassen extrem schmerzhaft sei, sollte man zum Arzt gehen. Auch Schwangere sollten ihre Symptome auf jeden Fall abklären lassen.

Viele Frauen klagen nach dem Geschlechtsverkehr über Blasenentzündung. ”Das liegt aber nicht daran, dass sie sich bei ihrem Partner Bakterien einfangen oder sich gar anstecken„, erklärt Bühmann. Die Frauen infizierten sich vielmehr an ihren eigenen Bakterien, die durch die mechanische Reizung der Harnröhrenmündung beim Sex in die Harnblase gelangen könnten. Abhilfe kann schaffen, wenn die Frau direkt nach dem Sex die Blase entleert und die Bakterien so ausgespült werden”, sagt Bühmann. Wenn die Blasenentzündung ausgestanden sei, müsse man aber nicht mit dem Sex warten: „Denn die Gefahr, sich beim Sex eine Blasenentzündung zu holen, ist drei Tage nach einer überstandenen Entzündung ebenso groß wie nach drei Jahren.” Zur Vorbeugung einer erneuten Infektion gibt es auch die sogenannte „One-Shot-Therapie” oder „Single-Shot-Therapie”: „Dabei nehmen die Frauen unmittelbar nach dem Sex eine Tablette mit dem Wirkstoff Nitrofurantoin oder Fosfomycin und verhindern so, dass eine Entzündung überhaupt erst entsteht”, sagt Bühmann.
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