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Für Alzheimer-Patienten so wichtig wie Arzneien: Gefühle und Bewegung

Von: Bettina Levecke, dpa
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Alzheimer
Dem Gedächtnisverlust vorbeugen: Leichter Sport hält Senioren fit und bewahrt ihre Lebensqualität. Foto: dpa

München/Freiburg. Etwa eine Million Menschen in Deutschland sind von einer mittelschweren oder schweren Demenz betroffen. Mit der steigenden Lebenserwartung ist Alzheimer längst zur Volkskrankheit geworden. Am Anfang wirken Alzheimer-Patienten etwas zerstreut und vergesslich. Im Laufe der Zeit sinkt die Gedächtnisleistung immer weiter ab.

„Alzheimer verläuft in Stadien”, erklärt Prof. Hans Förstl, Psychiater und Psychotherapeut an der Technischen Universität München. „Man kann die Erkrankung zwar nicht heilen, aber den Verlauf abmildern.”

Basis der Alzheimer-Therapie sind Medikamente, die dafür sorgen, dass die Symptome der Erkrankung abgeschwächt werden. Daneben gibt es einige Tipps, Tricks und nicht-medikamentöse Therapien, die den Betroffenen das Leben erleichtern können.

POSITIVE ERLEBNISSE FÖRDERN: Stundenlang vor Sudoku-Rätseln zu sitzen, nützt nichts. „Gehirnjogging bringt bei Alzheimer-Demenz keinen positiven Effekt für die Stärkung der Gedächtnisleistung”, sagt Prof. Michael Hüll vom Zentrum für Geriatrie und Gerontologie an der Uniklinik Freiburg. „Zudem kann es sogar negative Auswirkungen haben, wenn die Betroffenen immer wieder an den Aufgaben scheitern.”

Da bei einer Alzheimer-Demenz das Neugedächtnis abbaut, sei es sinnvoller, das Langzeitgedächtnis der Betroffenen zu fördern. „Reden Sie über alte Zeiten, Erinnerungen von früher”, rät Prof. Lutz Frölich vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Ob das Vorlesen alter Tagebücher, das Betrachten von Fotoalben oder besonderen Bildern: „Das Gefühl, doch noch ganz viel zu wissen, sorgt bei den Erkrankten für ein positives Gefühl.”

Ein universelles Wohlfühl-Rezept gibt es jedoch nicht. „Die Erkrankung äußert sich bei jedem Menschen anders und muss auch individuell therapiert werden”, sagt Förstl. „Achten Sie darauf, auf welche Reize der Betroffene anspricht und fördern Sie diese gezielt.”

KÖRPERLICHE AKTIVITÄTEN STÄRKEN: Schon Jahre bevor die Erkrankung überhaupt erkannt wird, schwinden die Nervenzellen im Gehirn. „Alles, was verloren ist, ist unwiederbringlich weg”, erklärt Frölich. Er macht aber Mut: „Man kann trotz des Gedächtnisverlustes viele Fähigkeiten trainieren und schulen, die für den Alltag wichtig sind.” Das geht vor allem über die Motorik, die von der Alzheimer-Demenz nicht oder nur kaum betroffen ist: Spaziergänge, Tanzen, leichter Sport oder Gartenarbeit zum Beispiel können die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Als bester Ansatz gilt laut Hüll die Ergotherapie. „Die therapeutische Arbeit hilft, alltagspraktische Fähigkeiten zu erhalten.” Mit Messer und Gabel essen, Zähne putzen, Haare kämmen, sich anziehen: In der Ergotherapie werden diese Dinge trainiert, aber auch an die individuelle Situation, zum Beispiel mit Hilfsmitteln, angepasst.

Auch mittels Musik- oder Kunsttherapie, Logopädie oder Krankengymnastik kann der Lebensstandard verbessert werden. „Ärzte, Angehörige und Therapeuten sollten sich intensiv austauschen, um herauszufinden, welche Therapie für den Betroffenen wirklich Sinn macht”, rät Förstl. Ganz wichtig sei, Überforderung zu vermeiden. Wer einem Demenzkranken zu viel oder zu schwere Aktivität abverlangt, laufe Gefahr, die positive Wirkung ins Gegenteil zu kehren.

DIE ANGEHÖRIGEN SCHULEN: Menschen mit einer Alzheimer-Demenz brauchen im Laufe der Erkrankung immer mehr Hilfe und Unterstützung im Alltag. „Für Angehörige ist die Betreuung eine große Herausforderung und oft auch Belastung”, sagt Hüll. Der Alltag mit einem Erkrankten fordere die Angehörigen nicht nur körperlich, sondern vor allem psychisch. Ob Beleidigungen, Kränkungen oder die Trauer über den geistigen Verfall des geliebten Menschen: „Studien haben gezeigt, dass Schulungen, Aufklärung und Betreuung der Angehörigen die Pflegesituation verbessern”, erläutert Frölich.

Wenn die Angehörigen die Alzheimer-Demenz und ihre Auswirkungen verstehen, können sie im Alltag oft gelassener und verständnisvoller reagieren. Weniger Stress in der Pflege, davon gehen die Experten aus, wirkt sich auch entspannend auf die Situation des Erkrankten aus. „So profitieren beide Seiten von einer Schulung”, sagt Hüll.

Das Alter ist das größte Risiko für eine Alzheimer-Demenz. Nur etwa 20.000 Menschen leiden derzeit in Deutschland an einer präsenilen Form der Alzheimer-Demenz und erkranken schon, bevor sie ein Alter von 65 Jahren erreicht haben. Die am stärksten betroffene Altersgruppe sind Menschen zwischen 80 und 90 Jahren. Hier werden jährlich mehr als 130.000 Neuerkrankungen verzeichnet.
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