London - Forscher finden Ursache für geschlechtsspezifische Stressreaktionen

Forscher finden Ursache für geschlechtsspezifische Stressreaktionen

Von: ddp
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London. Frauen können vermutlich gar nichts dafür, wenn sie häufiger gestresst sind als Männer: Wie US-Forscher in Versuchen mit weiblichen und männlichen Ratten herausgefunden haben, unterscheiden sich die biochemischen Vorgänge, die in Stresssituationen im Gehirn ablaufen, je nach Geschlecht deutlich voneinander.

Das weibliche Gehirn reagiert demnach nicht nur sensibler auf die Ausschüttung von Stresshormonen, sondern es bleibt auch der Gewöhnungseffekt aus, der im männlichen Hirn bei dauerhaft hohem Stresspegel eintritt.

Ob die Erkenntnisse auf den Menschen übertragbar seien, müsse noch untersucht werden - sei dies jedoch der Fall, wäre dieses Phänomen eine Erklärung dafür, warum Frauen deutlich häufiger von Angststörungen und Depressionen betroffen sind als Männer, berichten Rita Valentino vom Childrens Hospital of Philadelphia und ihre Kollegen im Fachmagazin „Molecular Psychiatry” (Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/mp.2010.66).

Frühere Studien hatten bereits Hinweise darauf geliefert, dass bei Menschen mit psychischen Störungen, die im Zusammenhang mit Stress stehen, die Regulation des sogenannten Corticotropin Releasing Factor (CRF) nicht richtig funktioniert. Dieses Hormon wird im Zwischenhirn gebildet, sobald dort Informationen über Stressoren eingehen, und ist für die Bildung weiterer Hormone und somit für die Stressreaktion von entscheidender Bedeutung.

Auch die Wissenschaftler um Valentino konzentrierten sich auf das CRF. Sie setzten sowohl männliche als auch weibliche Ratten unter Stress, indem sie die Tiere schwimmen ließen. Davor und danach untersuchten sie, wie die CRF-Moleküle an die CRF-Empfangsstellen im Gehirn andockten. Dabei machten sie zwei Beobachtungen: Zum einen ist die Bindung zwischen CRF und seinen Rezeptoren im weiblichen Gehirn wesentlich enger. Zum anderen tritt im männlichen Hirn bereits kurz nach dem Stresserlebnis ein Gewöhnungseffekt ein, der im weiblichen Hirn erst wesentlich später stattfindet: Die Zellen bauen einen Teil der CRF-Rezeptoren ab, wodurch die Stressreaktion deutlich schwächer wird. „Pharmakologen, die CRF-Antagonisten als medikamentöse Behandlungsmöglichkeit bei Depressionen untersuchen, sollten diese geschlechtsspezifischen Unterschiede berücksichtigen”, empfiehlt Rita Valentino.

Prinzipiell sind Stressreaktionen ein sinnvoller Überlebensmechanismus. In gefährlichen Situationen versetzen sie den Körper innerhalb kürzester Zeit in einen Zustand höchster Anspannung: Die Herzfrequenz erhöht sich, die Atmung geht schneller, die Muskeln sind angespannt. Dadurch kann der Mensch oder das Tier sofort zum Angriff übergehen, erstarren oder die Flucht ergreifen - je nachdem, was die Situation erfordert.
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