Forscher finden die Ursache für stressbedingte Vergesslichkeit

Von: dapd
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Buffalo. Dauerstress kann nicht nur krank machen, er beeinträchtigt auch das Gedächtnis. Wie, das haben US-amerikanische Forscher jetzt herausgefunden.

Bei jungen Ratten beobachteten sie, dass das wiederholte Bombardement mit Stresshormonen die Anzahl wichtiger Andockstellen im sogenannten präfrontalen Kortex verringerte, im Zentrum des Kurzzeitgedächtnisses.

Dieser Teil des Gehirns wurde durch den Dauerstress unempfindlicher für Glutamat, einen anregenden Hirnbotenstoff. Die Abstumpfung verursache Gedächtnisstörungen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Neuron”. (doi: 10.1016/j.neuron.2011.12.033)

Schon seit längerem ist bekannt, dass chronischer Stress die geistige Flexibilität, die Aufmerksamkeit und auch das kurzzeitige Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Zuständig für diese Funktionen ist ein hinter der Stirn liegendes Gehirnareal, der präfrontale Kortex. Welche Veränderungen der Stress dort auf molekularer und physiologischer Ebene bewirkt, haben Eunice Yuen von der State University of New York in Buffalo und ihre Kollegen jetzt aufgeklärt.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wiederholter Stress die Empfänglichkeit des präfrontalen Kortex für den Botenstoff Glutamat senkt”, schreiben die Forscher. Diese Veränderung führe dazu, dass diese Gehirnregion wichtige Funktionen wie das Kurzzeitgedächtnis nur noch eingeschränkt ausführen könne.

Das Gehirn Heranwachsender reagiert den Forschern zufolge besonders sensibel auf kontinuierlich hohe Stresspegel. Denn in der Jugend und Pubertät ist der präfrontale Kortex noch mitten in der Entwicklung. Prägende Stresserfahrungen in dieser Lebensphase könnten daher die Weichen für spätere psychische Probleme stellen.

„Störungen der Glutamat-Übertragung gelten als eines der Kernmerkmale und grundlegenden Ursachen für psychische Krankheiten”, sagen die Wissenschaftler. Sie hoffen, durch ihre neuen Erkenntnisse künftig besser zu verstehen, wie sich psychische Krankheiten entwickeln und welche Rolle der Stress dabei spielt.

Für ihre Studie hatten die Forscher vier Wochen alte männliche Ratten verschiedenen Stressformen ausgesetzt: Einige wurden nur einmalig für zwei Stunden in einen engen Behälter gesetzt, andere wurden auf diese Weise jeden Tag zur gleichen Zeit gestresst. Eine weitere Rattengruppe wurde unberechenbarem Stress ausgesetzt: Sie wurden zu jeweils unterschiedlichen Zeiten aus ihren Käfigen geholt, durch Licht geblendet, mussten schwimmen oder wurden anderen Stress verursachenden Erfahrungen ausgesetzt.

In anschließenden Tests prüften die Forscher das Kurzzeitgedächtnis der Ratten. Außerdem analysierten sie die Funktionen und die Physiologie des präfrontalen Kortex durch verschiedene Messungen und Proben. Wie die Wissenschaftler berichten, entwickelten nur die Ratten unter Dauerstress ein schlechteres Kurzzeitgedächtnis und eine verringerte Anzahl von Glutamat-Rezeptoren im Gehirn. Einmaliger, kurzzeitiger Stress hatte dagegen diese Wirkung nicht.

In einem ergänzenden Versuch blockierten die Forscher den neu entdeckten molekularen Stressmechanismus. Durch Verabreichung eines Blockade-Wirkstoffs konnten sie so verhindern, dass die Menge der Glutamat-Rezeptoren im präfrontalen Kortex der Tiere abnahm. Die Gedächtnisleistung der Ratten blieb stabil.
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