Forscher finden bei Mäusen Hinweise auf Nervenzellen für Juckreiz

Von: ddp
Letzte Aktualisierung:

London. Der Juckreiz wird bei Mäusen und möglicherweise auch bei Menschen über eigene, vom Schmerzempfinden unabhängige Nervenbahnen übertragen.

Das schließen Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams aus Experimenten mit Mäusen, denen sie gezielt bestimmte Nervenzellen abtöteten.

Die Tiere zeigten daraufhin ein unverändertes Schmerzempfinden, reagierten jedoch nicht mehr auf Stoffe, die sonst einen starken Juckreiz auslösen.

Von den Ergebnissen erhoffen sich die Wissenschaftler neue Ansätze für die Behandlung von Allergien und anderen Erkrankungen, die mit starkem Juckreiz verbunden sind. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher um Zhou-Feng Chen von der Washington University in St. Louis im Fachmagazin „Science” vor (doi: 10.1126/science.1174868).

Lange Zeit vermuteten Wissenschaftler, der Schmerz- und Juckreiz werde auf identischen Nervensträngen übertragen. Die Forscher um Chen stießen jedoch bei ihren Tests mit Mäusen im Jahr 2007 auf ein eigenes Gen, das eng mit der Übertragung von Juckreiz verknüpft zu sein schien: Schalteten sie bei den Mäusen dieses GRPR genannte Gen aus, reagierten diese deutlich weniger auf Juckreiz stimulierende Substanzen.

Damit hatten die Forscher gezeigt, dass das Gen einen Einfluss auf die Übermittlung von Juckreizsignalen hat.

In den nächsten, nun in „Science” vorgestellten Experimenten gingen die Wissenschaftler einen Schritt weiter und wiesen nach, dass diese Übertragung von Juckreizsignalen tatsächlich eigenen Nervenbahnen vorbehalten ist.

Dazu injizierten sie den Tieren ein starkes Nervengift, das an ein bestimmtes Eiweiß gekoppelt war. Dieses Eiweiß passt wie der Schlüssel zum Schloss in einen Rezeptor, dessen Bauplan das GRPR-Gen enthält.

Dadurch konnten die Wissenschaftler ganz gezielt nur die Nervenzellen abtöten, bei denen auch das GRPR-Gen aktiv war.

Die so behandelten Mäuse zeigten daraufhin einen um rund 80 Prozent reduzierten Juckreiz. Diese Behandlung funktionierte dabei sowohl bei Juckreiz, wie er beispielsweise durch Allergien und Insektenstiche entsteht und der durch sogenannte Antihistaminika gelindert werden kann, als auch bei Juckreiz, der nicht auf diese Medikamente anspricht und daher besonders schwierig zu behandeln ist.

Bei der Schmerzübertragung so wie auch in den motorischen Fähigkeiten zeigten die Tiere jedoch keinerlei Defizite, wie die Wissenschaftler beobachteten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert