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Forscher behandeln Multiple Sklerose mit eigenen Stammzellen

Von: ddp
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London. Körpereigene Stammzellen scheinen Multiple Sklerose bremsen zu können - vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt in einem frühen Stadium.

Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer kleinen Studie mit 21 MS-Patienten hin, deren hyperaktives Immunsystem zerstört und anschließend mit ihren eigenen blutbildenden Stammzellen neu aufgebaut wurde.

Allen Teilnehmern ging es nach der etwa dreijährigen Studiendauer genauso gut oder sogar besser als zuvor, berichten die zuständigen Forscher.

Es handele sich hier zwar lediglich um eine vorläufige Studie ohne Kontrollgruppe, sie zeige jedoch, dass das Zurücksetzen des Immunsystems mit Hilfe der Stammzellen vor allem in den ersten Jahren der Krankheit eine vielversprechende Option sei.

Über ihre Arbeit berichten Richard Burt von der Northwestern University in Chicago und sein Team im Fachmagazin „The Lancet Neurology” (DOI: 10.1016/S1474-4422(09)70017-1).

Multiple Sklerose gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem eigenes Gewebe angreift. Im Fall von MS attackiert es die isolierende Schicht, die die Fortsätze der Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark umgibt. Fehlt sie, können die Neuronen nicht mehr korrekt arbeiten, und es treten diverse neurologische Symptome wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehprobleme auf.

Da das Problem das hyperaktive Immunsystem ist, versuchen Forscher bereits seit Jahren, die Körperabwehr umzuprogrammieren oder zumindest die fehlerhafte Programmierung zu löschen - allerdings mit sehr durchwachsenen Ergebnissen: Zwar ließen sich in früheren Studien bereits Effekte auf das Immunsystem nachweisen, eine merkliche Besserung der Symptome trat jedoch nur in den seltensten Fällen auf.

Im Gegensatz zu den meisten bisherigen Ansätzen konzentrierten sich Burt und sein Team nun jedoch nicht auf Fälle, in denen die Nervenzellen bereits irreversibel geschädigt waren, sondern auf relativ junge Patienten in sehr frühen Stadien der Krankheit.

In dieser sogenannten remittierenden Phase treten die Symptome schubförmig auf und bilden sich anschließend ganz oder teilweise wieder zurück. Zudem wählten die Forscher auch eine deutlich weniger aggressive Chemotherapie als Vorbereitung für die Stammzelltransplantation.

Die Ergebnisse waren insgesamt positiv. So ging es 17 der 21 Teilnehmer noch drei Jahre nach der Transplantation messbar besser als vorher, lediglich bei zweien war keine Besserung aufgetreten. Fortgeschritten war die Krankheit bei niemandem - abgesehen von kurzen Rückfällen, die sich unter medikamentöser Behandlung vollständig zurückbildeten.

Zwar seien Nebenwirkungen wie Infektionen aufgetreten, im Vergleich zu den zum Teil schweren Komplikationen früherer Studien waren diese jedoch leichter Natur.

Die Forscher wollen als nächstes größere Patientengruppen mit besseren Kontrollsystemen untersuchen, halten ihren Ansatz jedoch bereits jetzt für sehr vielversprechend. Multiple Sklerose gilt bis heute als unheilbar, aktuelle Immuntherapien können den Verlauf lediglich verzögern.
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