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Experte: Lympherkrankungen oft zu spät erkannt

Von: dpa
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Ochtrup. Lympherkrankungen werden nach Expertenmeinung sehr häufig zu spät erkannt.

Mehr als 1,5 Millionen Menschen seien Schätzungen zufolge erkrankt, sagte der Chefarzt des Gefäß- und Lymphzentrums Nord-West, Gerd Lulay, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Über eine Million Menschen sind akut behandlungsbedürftig.” Für verspätete Diagnosen sieht Lulay mehrere Ursachen. „Die Patienten gehen zu spät zum Hausarzt.” Dieser würde oft unzureichend diagnostizieren oder falsch behandeln. „Hier gibt es großen Aufklärungsbedarf”, so der Gefäßchirurg. Er leitet in Ochtrup im Münsterland die bundesweit erste Akutklinik für Lympherkrankungen.

Bei diesem Leiden schwellen die Extremitäten an, oft bilden sich chronische Wunden oder Wundrosen. Grund hierfür ist das nur noch mangelhaft funktionierende Lymphsystem der Patienten. Auch nach Krebserkrankungen gibt es ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Die Lymphe kann dann nicht mehr durch den Körper gepumpt werden, sondern setzt sich in Armen, Beinen, oder auch am Bauch ab. Sie ist für den Stoffaustausch der Gewebe wichtig und hat auch eine Schutzfunktion.

„Die Diagnose von Lympherkrankungen ist eigentlich nicht so schwierig”, sagte Lulay. Das Thema stehe aber erst seit wenigen Jahren auf der Agenda der Mediziner. „An den Universitäten kümmert man sich um diese Erkrankungen nur sehr wenig.” Dementsprechend sei auch die Forschung nicht hinreichend. Nach seinen Angaben entstehen momentan verschiedene ambulante Zentren für Lympherkrankungen.

Lulay sieht die Tendenz zu einer neuen Volkskrankheit. „Nur zehn Prozent sind angeboren.” Der Lebenswandel in den westlichen Industrienationen spiele hier eine große Rolle. Er zog den Vergleich zum Altersdiabetes. „Diese Krankheit ist auch lange Zeit nicht ernst genommen worden.” Bei Lympherkrankungen sei ein ähnlicher Prozess zu sehen. „Wir haben es hier mit einer Krankheit zu tun, die auf den Markt drängt und auf die wir noch nicht richtig vorbereitet sind.”

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