Essstörungen erkennen und richtig reagieren

Von: dapd
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Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Fressattacken, Nulldiäten - gestörtes Essverhalten hat viele Gesichter. Vor allem junge Mädchen, aber auch zunehmend Jungen erkrankten daran, sagt der Psychologe Andreas Schnebel, Vorsitzender des Bundes Fachverbands für Essstörungen in München. Foto: dpa

München. Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Fressattacken, Nulldiäten - gestörtes Essverhalten hat viele Gesichter. Vor allem junge Mädchen, aber auch zunehmend Jungen erkrankten daran, sagt der Psychologe Andreas Schnebel, Vorsitzender des Bundes Fachverbands für Essstörungen in München.

Als therapeutischer Leiter der Beratungsstelle Anad hilft er Kindern und Eltern, Gefahren zu erkennen und zu gesunder Ernährung zurück zu finden.

„Bei Essstörungen kommt es oft vor, dass die Kinder plötzlich nicht mehr mitessen wollen”, sagt Andreas Schnebel. Viele behaupteten zu Hause, schon bei Freunden oder in der Schule genug gegessen zu haben. „Wenn das gehäuft vorkommt, ist das ein Warnsignal.”

Magersucht, eine der häufigsten Essstörungen, fange oft schon in der Pubertät an, sagt der Psychologe. „Dann geht es ja meistens los mit Diäten - und Diäten sind die Einstiegsdroge in die Essstörung.”

Bulimie, auch Ess-Brech-Sucht genannt, beginne oft erst am Ende der Pubertät. Wer darunter leidet, müsse nicht auffallend dünn sein. Bulimiker hielten ihr Gewicht oft, indem sie das anfallartig verschlungene Essen wieder erbrächen oder Abführmittel missbrauchten, sagt Andreas Schnebel.

Das sogenannte Binge-Eating hingegen, Fressattacken ohne anschließende Gegenmaßnahmen, betreffe oft Menschen zwischen 20 und 30 Jahren - etwa ein Drittel davon Männer.

Eltern, die dieses Verhalten bei ihren Kindern erkennen, sollten zunächst gelassen reagieren, sagt Andreas Schnebel. „Ich rate dazu, erst einmal nachzufragen: Du hast so stark abgenommen, du siehst schlecht aus - wenn da direkt eine Abfuhr kommt, sollte man es erst einmal wieder lassen.

Wer völlig uneinsichtig ist, auf den kann man als Außenstehender nicht einwirken.” Jugendliche mit Essstörung seien oft leistungsorientiert und ehrgeizig, sagt der Experte.

Wenn sie merkten, dass sie sich schlechter konzentrieren können oder beim Sport nachlassen, seien sie oft eher bereit, das Problem anzuerkennen. „Das kann auch ein guter Anlass zum Gespräch sein.”

Zudem empfiehlt der Psychologe Eltern, mit ihren Kindern zu verhandeln - etwa den Konzertbesuch nur dann zu erlauben, wenn das Kind bereit ist, zum Arzt zu gehen.

Erst wenn die Betroffenen sich ihre Krankheit selbst eingestehen, sollten sie eine Beratungsstelle aufsuchen. Hilfe böten auch Internetseiten wie die von Anad, dem Frankfurter Zentrum für Essstörungen oder dem Bundes Fachverband.
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