Eine Angststörung kann nicht nur „Weichlinge” treffen

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Dr. Norbert Weißig, Chefarzt an der LVR-Klinik Düren.

Düren. Über Angst spricht man nicht, denn sie gilt in unserer hektischen Macher-Gesellschaft als Schwäche. Wer Angst im Übermaß erlebt, der, so lautet die Botschaft, möge sich am Riemen reißen, und dann wird sie schon irgendwie verschwinden. Wird sie nicht!

Eine Angststörung ist keineswegs eine Domäne der so genannten „Weichlinge”, vielmehr verbirgt sich hinter diesem häufig anzutreffenden Leid eine Erkrankung, der mit gleicher Ernsthaftigkeit begegnet werden muss wie zum Beispiel einem Herzinfarkt.

Rein statistisch gesehen haben immerhin rund 12.000 Einwohner Dürens in ihrem Leben schon einmal Angst in einem solchen Ausmaß erlebt, das sie behandlungsbedürftig war. Dr. Norbert Weißig, Chefarzt an der LVR-Klinik Düren, referierte vor 65 Interessierten und fand klare, aber auch beruhigende Worte. Die Krankenkasse DAK und der Klinikvorstand hatten zu diesem Abend eingeladen.

Der erfahrene Psychiater und Diplompsychologe weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er schon Hunderten von Angsterkrankten helfen können. So kennt er die Schicksale derer, die aus Angst vor dem Fliegen beruflich mit dem Auto in ganz Deutschland und Europa unterwegs sind, die in geschlossenen Räumen oder auf großen Plätzen nach Luft ringen, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen oder die beim Anblick von Hunden oder Spinnen glauben, tot umzufallen.

Vielfach rennen sie von Arzt zu Arzt und lassen eine Fülle von Untersuchungen über sich ergehen, weil es die Symptome wie Anspannung und Herzrasen sind, die sie glauben lassen, an einer schweren körperlichen Erkrankung zu leiden.

Die Ursachen für Angststörungen sind vielschichtig: Betroffene hatten in ihrer Entwicklung keine ausreichenden Möglichkeiten, bestimmte Ängste zu überwinden, sie lernten angstbesetztes Verhalten bereits von ihren Bezugspersonen, oder aber sie standen unter enormen Belastungen.

Maßgeblich entscheidend ist auch die Biologie, denn es gibt einfach Menschen, in deren Gehirn die Dämpfung von Erregungen nicht so funktioniert wie bei vermeintlich coolen Typen, die so schnell nichts aus der Bahn wirft. „Ein Gehirn wie Schumi oder Vettel haben eben nicht alle”, sagte der Referent. Dies aber bedeute, dass Angst jeden treffen kann und keineswegs immer mit gutem Willen aus der Welt zu schaffen ist.

„Angst gehört zum Leben wie jedes andere Gefühl. Wer aber Angst in einem solchen Ausmaß verspürt, dass die Lebensqualität darunter leidet, der sollte das Heft in die Hand nehmen und sich helfen lassen”, rät Weißig.

Angst- und Panikstörungen kann man mit erprobten psychotherapeutischen Methoden so gut in den Griff bekommen, dass etwa 80 Prozent keine Beeinträchtigungen mehr verspüren. Zudem ist es wichtig, dass die Betroffenen Entspannungstechniken erlernen und moderat Sport treiben - zum Beispiel Nordic Walking.

Der Experte begrüßte auch, dass sich in der vergangenen Zeit das Klima geändert hat: „In der Gesellschaft wird offener über psychische Erkrankungen gesprochen. Wir sind also auf dem Weg zu mehr Normalität.”
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