Hamburg - Die innere Einstellung kann Schmerzen lindern

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Die innere Einstellung kann Schmerzen lindern

Von: dpa
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Hamburg. Mit einer Verhaltenstherapie vor einer Operation lassen sich Experten zufolge Schmerzen und die anschließend benötigte Medikamentenmenge verringern.

Denn auch Patienten mit akuten Schmerzen laufen Gefahr, dass ihr Nervensystem Schmerzreize dauerhaft speichert. Um zu verhindern, dass solche Beschwerden nach einer OP chronisch werden, müssten Patienten das Gefühl bekommen, Schmerzen vorhersehen und kontrollieren zu können, sagte Prof. Herta Flor vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit der Universität Mannheim am Freitag bei einer Schmerztherapeuten-Tagung in Hamburg.

„Wir müssen das Aggressive am Schmerz kleiner machen”, erläuterte Flor. Das beuge dem Aufbau eines sogenannten Schmerzgedächtnisses vor. Akute Schmerzen werden laut der Expertin vor allem dann chronisch, wenn sie mit negativen Gefühlen verknüpft sind. Betroffene bekommen Ängste und fühlen sich hilflos, weil sie scheinbar die Kontrolle über ihren Körper verloren haben.

Diese psychologischen Prozesse verstärken wie auch Stress oder Depressionen den akuten Schmerz und führen dazu, dass das Zentrale Nervensystem den ankommenden Reiz stärker verarbeitet. „Schmerzhemmende Systeme funktionieren dann nicht mehr richtig”, erläuterte Flor bei der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie und -forschung (DGPSF).

Erwartet der Patient von vornherein einen positiven Krankheitsverlauf, ist das der Wissenschaftlerin zufolge weitaus hilfreicher. Es helfe auch, durch eine Therapie gezielt Reize zu senken oder abzustellen, die als Schmerzverstärker gelten. Der Schmerz werde damit „verlernt”. Eine Längsschnittstudie habe gezeigt, dass 40 Prozent der nach einer Amputation auftretenden Phantomschmerzen aus der Depression und dem Katastrophendenken vor der OP sowie aus den vorher erlebten Schmerzen vorhersagbar waren.

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