Die Gefahr lauert im Unterholz: Richtig vor Zecken schützen

Von: Nina C. Zimmermann, dpa
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Jeden Sommer befallen die kleinen Blutsauger Menschen und Tiere und rauben ihnen oft nicht nur ein wenig Lebenssaft. Zecken übertragen in vielen Fällen den Borreliose-Erreger - ein Bakterium, das Wissenschaftlern noch immer Kopfzerbrechen bereitet. Foto: dpa

Düsseldorf/Marburg. Sie sind klein und gemein: Zecken sitzen im Gebüsch oder auf Wiesen mit hohen Gräsern und lauern ihren Opfern auf. Wen sie erwischen, der läuft Gefahr, durch ihren Stich gefährliche Krankheiten zu bekommen.

Gegen die eine, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), kann man sich mit einer Impfung schützen. Gegen die andere, die Lyme-Borreliose, hilft nur, Zeckenstiche zu vermeiden - oder nachher die Einstichstelle genau zu beobachten und bei bestimmten Anzeichen umgehend einen Arzt aufzusuchen.

Allerdings weist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) darauf hin, dass in Deutschland von 100 Menschen, die von einer Zecke gestochen werden, schätzungsweise 1 an Borreliose erkrankt. Die meisten Zeckenstiche bleiben demnach glücklicherweise folgenlos.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind 137 der 440 Stadt- und Landkreise in Deutschland FSME-Risikogebiete. Die weitaus meisten Erkrankungsfälle gibt es in Bayern und Baden-Württemberg, aber auch in Hessen oder Thüringen liegen Risikogebiete.

Wer ins europäische Ausland wie Tschechien, die baltischen Staaten, Finnland, die Schweiz oder Österreich reist, muss ebenfalls mit den zu den Spinnentieren gehörenden Zecken rechnen.

Allerdings übernehmen die gesetzlichen Kassen nur für Aufenthalte in deutschen Risikogebieten die Kosten für eine Impfung gegen FSME, wie Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf erläutert. Wer etwa in gefährdete Gebiete in Sibirien reist, muss die Schutzimpfung selbst bezahlen.

Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) in Marburg rät jedem, der campt, wandert, Beeren sammelt oder sonst wie im Grünen aktiv ist, sich zu erkundigen, ob die Gegend zu einem Risikogebiet gehört und sich gegebenenfalls impfen zu lassen. Einfache Verhaltensregeln bieten einen gewissen Schutz.

„Je mehr man macht, desto besser”, sagt die Ärztin Sigrid Ley-Köllstadt vom DGK. Dazu zählt zum Beispiel, im Wald auf den Wegen zu bleiben und nicht durch dichtes Unterholz zu gehen, weil sich Zecken dort gern aufhalten. Die Kleidung sollte lange Ärmel und lange Hosenbeine haben und an den Enden so anliegen, das Zecken nicht reinkriechen können. Die Schuhe sollten geschlossen sein.

Auch das Einreiben mit Mitteln, die Insekten abwehren, empfiehlt sich. Je nachdem, wie lange diese Repellents wirken, könne es sinnvoll sein, sie unterwegs wiederholt aufzutragen, sagt Ley-Köllstadt. „Man kann in der Apotheke nach speziellen Zeckenschutzmitteln fragen.”

Und spätestens nach dem Aufenthalt im Freien sollte man Kleidung und Körper systematisch nach den kleinen Krabblern absuchen. Helle Bekleidung macht es einfacher, welche zu entdecken. Da sich Zecken gern am Haaransatz, in der Leistenbeuge, den Kniekehlen oder der Ellenbeuge festsaugen, muss dort besonders genau kontrolliert werden. „Wer Repellents angewendet hat, darf deswegen das Nachsuchen nicht vergessen”, warnt die Ärztin.

Wer einen kleinen Blutsauger am Körper entdeckt, sollte ihn sofort entfernen. So lässt sich laut Tomas Jelinek bis zu einem gewissen Grad eine Infektion mit Borrelien verhindern. „Borrelien sitzen nicht im Stechapparat, sondern am anderen Ende, im Hintern der Zecke, und es kann zehn Stunden dauern, bis die Erreger auf den Menschen übergehen.”

FSME wird sofort nach dem Stich übertragen, der Keim befindet sich im Zeckenspeichel. Die Zecke darf aber nicht einfach mit den Fingern herausgezogen werden. Denn dabei besteht die Gefahr, dass man ihren Hinterleib quetscht, sie sich deswegen in den Menschen erbricht und dadurch noch mehr Krankheitserreger übertragen werden.

„Bitte deshalb auch nicht versuchen, die Zecke mit Klebstoff, einem Feuerzeug oder sonst einem Hausmittel zu erledigen”, sagt Jelinek. Geeignet sind spezielle Zeckenzangen und -karten.

Anschließend ist es ratsam, die Stichstelle zu desinfizieren und noch etwa acht Wochen lang zu beobachten. Zeigt sich eine flächige Hautrötung, die sich später ringförmig ausbreitet - eine sogenannte Wanderrötung -, ist dies ein Anzeichen für eine Borreliose. Behandelt wird mit Antibiotika.

Oft heile sie dann folgenlos ab, so das CRM. Es könne aber auch sein, dass es aufgrund einer Nervenentzündung zu Lähmungen und brennenden Schmerzen kommt. Bei Erwachsenen in Europa seltener, bei Kindern häufiger sei eine Hirnhautentzündung.

Damit es nicht zum Schlimmsten kommt, sollte ein Arzt aufgesucht und er vor allem dann über den Zeckenbiss informiert werden, wenn keine Wanderröte, sondern andere Anzeichen wie Fieber oder geschwollene Lymphknoten auftreten.

FSME macht sich dem CRM zufolge nach ein bis zwei Wochen mit grippeähnlichen Symptomen bemerkbar. Bei etwa 70 von 100 Infizierten bleibt es auch dabei, so das IQWiG. Es kann aber nach einer kurzen Phase ohne Beschwerden auch noch zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung kommen.

Sie zeigt sich durch starke Kopfschmerzen, einen steifen Nacken, Verwirrheit und gelegentlich Koma. Dem IQWiG zufolge stirbt schätzungsweise einer von 100 Patienten, bei denen es zu einer Gehirnentzündung kommt. Antibiotika helfen bei FSME nicht, nur die Beschwerden lassen sich lindern.

Eine Impfung ist kurzfristig möglich, wie Jelinek erklärt. Im Prinzip reiche es, vier Wochen vor einer Reise zu beginnen, um einen optimalen Impfschutz zu haben. 14 Tage nach der ersten Spritze folge die zweite. Für dauerhaften Schutz ist eine dritte Spritze wichtig und Auffrischungen nach drei bis fünf Jahren. Jelinek ist allerdings der Ansicht, Auffrischungen alle fünf bis zehn Jahren reichen. „Das kann man kritisch diskutieren.”
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