Mönchengladbach/Ulm - Der Herbst ist die beste Zeit für eine Pollenimmunisierung

Der Herbst ist die beste Zeit für eine Pollenimmunisierung

Von: Barbara Erbe, dapd
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Der Sommer neigt sich dem Ende zu, viele Pollenallergiker können im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen. Doch das nächste Frühjahr kommt bestimmt und der Herbst ist genau die richtige Jahreszeit, um eine sogenannte Hyposensibilisierung zu starten. Sie kann allergische Reaktionen deutlich herabsetzen, erläutert die Biologin Anja Schwalfenberg, Expertin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund. Foto: Michael Zapf, dapd

Mönchengladbach/Ulm. Der Sommer neigt sich dem Ende zu, viele Pollenallergiker können im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen. Doch das nächste Frühjahr kommt bestimmt und der Herbst ist genau die richtige Jahreszeit, um eine sogenannte Hyposensibilisierung zu starten.

Sie kann allergische Reaktionen deutlich herabsetzen, erläutert die Biologin Anja Schwalfenberg, Expertin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund. „Frühblüher wie Haselnuss oder Erle sind je nach Witterung schon ab Dezember/Januar wieder aktiv, die Hauptblütezeit der Birke folgt dann zwischen Ende März und Anfang Mai.”

Es gilt also, die Ruhezeit auszunutzen. Durch die Hyposensibilisierung bekommt der Patient genau den Stoff, der seine Allergie auslöst. Bei der klassischen Langzeittherapie wird die Dosierung allmählich gesteigert, bis ein Niveau erreicht ist, das es dem Körper erlaubt, die Allergene zu tolerieren.

Diese Dosierung wird dann alle vier bis acht Wochen gespritzt. Durch den kontrollierten und wiederholten Kontakt mit dem Allergen soll der Patient sich schonend daran gewöhnen. „Im Idealfall lindert das die Beschwerden gut und senkt das Risiko, dass sich aus der Pollenallergie ein allergischen Asthma entwickelt”, erläutert Schwalfenberg.

Meist spritzt die Ärztin oder der Arzt die Allergenextrakte unter die Haut. Sie können aber auch in Tropfen- oder (bei Gräserpollenallergien) Tablettenform über die Mundschleimhaut aufgenommen werden, berichtet Allergieexpertin Schwalfenberg: „Das hat den Vorteil, dass man die Therapie auch zu Hause durchführen kann, wenn beispielsweise eine Spritzentherapie mangels Zeit für die Arzttermine nicht möglich ist.”

Unterschiede gibt es nicht nur in den Darreichungsformen sondern auch im zeitlichen Rhythmus. Eine Hyposensibilisierung ist immer auf einen Zeitraum von drei Jahren angelegt. Welche Therapieform gewählt wird, hängt entscheidend vom Allergieauslöser, den zur Verfügung stehenden Präparaten und auch von der jeweiligen Lebenssituation und dem Startzeitpunkt ab.

Hat ein Birkenpollenallergiker etwa die optimale Zeit für den Beginn einer Langzeittherapie verpasst, kann einige Wochen vor dem Beginn der Pollensaison noch eine Kurzzeittherapie gestartet werden, die dann aber auch in drei aufeinanderfolgenden Jahren fortgesetzt werden muss. Nebenwirkungen oder schlimmstenfalls ein allergischer Schock sind dabei selten, aber möglich. Deshalb sollte der Patient nach der Behandlung noch 30 Minuten in der Praxis bleiben.

Den Nutzen der Immuntherapie schätzt auch der Lungenfacharzt und Allergologe Michael Barczok vom Lungenzentrum Ulm hoch ein: „Dadurch sinkt nicht nur das Risiko, dass sich aus einer Pollenallergie Asthma entwickelt, sondern auch das weiterer Allergien.” Mit etwas Glück wirke eine erfolgreiche Hyposensibilisierung ein Leben lang. Auf alle Fälle aber verkleinere sie den nötigen Medikamentenkonsum beträchtlich.

Die Chancen seien vor allem dann gut, wenn nur eine Allergie bestehe. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen Patienten unter mehreren Allergien leiden oder sich im Zusammenhang mit der Pollenallergie auch noch Nahrungsmittelallergien (Kreuzallergien) entwickelt hat. Dann sei die Behandlung nur dann sinnvoll, wenn es gelinge, für die Behandlung die Substanz herauszufinden, welche die stärksten Beschwerden verursache, sagt der Allergologe.

Welche Haupt- und Nebenallergien bestehen und ob eine Hyposensibilisierung erfolgversprechend wäre, darüber könne ein relativ einfacher Bluttest Aufschluss geben: „Allergologen machen das routinemäßig, denn das Immunisierungsverfahren - das übrigens von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird - ist schließlich aufwendig und auch teuer.”
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