Wuppertal - Der Garten heilt: Einpflanzen wirkt auf Körper und Seele

Der Garten heilt: Einpflanzen wirkt auf Körper und Seele

Von: Sabine Maurer, dpa
Letzte Aktualisierung:
Der Garten heilt: Buddeln wirkt auf Körper und Seele
Im Grünen entspannen und zu Kräften kommen: Bei der Gartentherapie lernen zum Beispiel Schlaganfallpatienten, ihre geschwächten Hände wieder einzusetzen. Foto: Kai Remmers/dpa/tmn

Wuppertal. Eine Gartentherapie ist für Körper und Seele gut. Eingesetzt wird sie vor allem in psychiatrischen Einrichtungen. Bei der Arbeit im Grünen erlebt sich der Mensch als nützlich, der Garten hilft beim Erkennen und Akzeptieren der Krankheit. Auch der Körper wird gestärkt.

Ein Garten tut gut. Hier ist der Mensch in der Natur, hier kann er säen und ernten, sein Umfeld selbst gestalten, zur Ruhe kommen oder einfach die Schönheit des Ortes genießen. Die vielen positiven Seiten des Gartens werden auch bei der Behandlung von kranken Menschen genutzt.

Nach einem Schlaganfall lernen sie dort zum Beispiel beim Zerkrümeln von Erde oder dem Anfassen von Blumentöpfen, ihre geschwächten Hände wieder einzusetzen. Menschen mit psychischen Erkrankungen entspannen im Garten und werden sich etwa beim Unkraut rupfen der Symbolhaftigkeit bewusst: Ich entscheide, was ich will und kann Dinge auch auf die Seite legen. So können Schwierigkeiten erkannt und gelöst werden.

„Gartentherapie gibt es in Deutschland seit etwa 20 Jahren. Aber die Idee ist schon viel älter”, sagt Konrad Neuberger, Vorsitzender der Gesellschaft für Gartenbau und Therapie in Wuppertal. Schon vor mehr als 300 Jahren stellten Psychiater fest, dass die Arbeit in der Natur eine heilsame Wirkung hat.

Heute setzen mehrere hundert Einrichtungen in Deutschland bei der Therapie auch auf den Garten, meistens im psychiatrischen Bereich. Zu ihnen gehört auch die Helios-Klinik in Hattingen an der Ruhr, einer Fachklinik für neurochirurgische und neurologische Rehabilitation. Hier leben Menschen zum Beispiel mit Schädel-Hirn-Traumata, nach Hirnblutungen oder Tumorbehandlungen.

Seit 18 Jahren wird hier auch eine Therapie im Garten angeboten. „Es sind häufig Momente im Garten, in denen sich diese Menschen wieder als fähig erleben”, sagt der dortige Therapeut Andreas Niepel. Er ist auch der Präsident der internationalen Gesellschaft GartenTherapie.

Die Liste der Vorteile einer Therapie im Grünen ist lang. Da ist zum einen die körperliche Seite. Bei der Gartenarbeit trainieren die geschwächten Menschen ihren Körper. Anders als in der Krankengymnastik hat ihre Tätigkeit im Garten auch noch den Sinn, dass sie mit ihrer Bewegung etwas erschaffen oder verändern. „Sie können zum Beispiel Blumentöpfe wegräumen und dabei ihre Greiffähigkeit verbessern”, sagt Neuberger.

Das Spektrum der Arbeiten in einem Garten ist groß. Es reicht von einfachen Tätigkeiten wie Erde zerkrümeln bis hin zu anspruchsvolleren Aufgaben wie dem Zurückschneiden einer Hecke. Für jeden Menschen mit seinen Fähigkeiten ist etwas dabei. Manche Patienten können im Garten auch ihre überschüssigen Kräfte loswerden.

Doch vor allem tut der Garten der Seele gut. Die Menschen, die sonst gepflegt werden, erleben sich hier als Pflegende. Sie werden gebraucht und haben eine Aufgabe. Manche freuen sich schon auf die Arbeit im Garten und die Pflege „ihrer” Pflanzen, die ohne sie verdursten würden.

„Die Menschen werden aktiv und erleben sich als nützlich. Das ist gut für das Selbstbewusstsein”, sagt der Psychologe Andreas Lindner, der im Therapiezentrum Münzesheim bei Karlsruhe, einem Fachkrankenhaus für suchtkranke Männer, arbeitet. Dort werden vor allem Alkoholiker und Spielsüchtige behandelt. Zur Therapie gehört bei einigen auch die Arbeit in dem asiatischen Garten der Klinik.

„Der Garten hilft ihnen beim Bewältigen und Akzeptieren der Krankheit”, sagt Lindner. Suchtkranke leben in einer Art Tunnel. Sie haben nur ihre Sucht, ansonsten denken sie an nichts anderes. Der Garten hilft ihnen, sich für die Welt zu öffnen. Zum ersten Mal seit langem nehmen sie ihre Umwelt wieder wahr. Sie riechen zum Beispiel bewusst den Duft einer Rose oder sehen den Flug eines Vogels.

„Wenn der Patient etwas genießt, ist das sehr positiv für die Therapie”, sagt Niepel. Zum Genießen gehört auch, dass hier nicht - wie bei vielen anderen Therapien - die Defizite eines Menschen im Vordergrund stehen, sondern sein Können. Hinzu kommt, dass er mit Wasser und Erde - also Naturelementen - arbeitet. Außerdem ist er im Freien, was die Stimmung aufhellt. Die Menschen fühlen den Sonnenschein und den Regen, Hitze und Kälte, sie sehen den blauen Himmel und Wolken. Die Sinne werden aktiviert. Nebenbei verbessert sich auch ihre körperliche Verfassung, denn die Arbeit wirkt auch auf Herz und Kreislauf.

Bei der Tätigkeit im Garten ist immer ein Therapeut dabei. Er spricht mit den Menschen, bringt sie zum Nachdenken und gibt Anregungen. Was siehst Du? Was fühlst Du? Schau mal, wie das aussieht. Zum Beispiel kann der Therapeut darauf aufmerksam machen, wie aufrecht ein Baum wächst. „Dann richten sich die Menschen unwillkürlich auf und erinnern sich daran, dass ja auch sie gerade stehen”, sagt Neuberger.

Wie sehen Pflanzen aus und wie präsentiert man sich selbst? Will man wie ein Kaktus sein und damit weniger angreifbar? Oder wie eine leuchtende Rose mit einigen Dornen?. Oder vielleicht wie eine fröhliche Sonnenblume? „Ein Blick auf die Pflanzen setzt uns in Beziehung zu unseren eigenen Entwicklungsmöglichkeiten”, erklärt Neuberger.

Was bei der Gartengestaltung wichtig ist

Es gibt einige Anhaltspunkte, wie ein Therapiegarten gestaltet werden sollte. Sauberkeit und klare Formen sind sehr wichtig. Grundformen müssen erkennbar sein, auch auf die Farben der Pflanzen muss geachtet werden. So sollten im Ruhebereich Blau- und Grüntöne vorherrschen. Mehrere Pflanzen einer Art sollten zusammenstehen, damit der Blick ruhen kann und nicht hin- und her schweift.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert