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Darmkrankheit: Nur ein Fall in der Städteregion

Von: dapd
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Ungewaschenes Obst und Gemüse
Ungewaschenes Obst und Gemüse könnte nach Ansicht von Experten die Quelle für die Erreger sein - auch rohes Fleisch oder Rohmilch komme infrage. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. Mit dem lebensgefährlichen Durchfall-Keim EHEC haben sich mehrere Menschen in Nordrhein-Westfalen infiziert. Im Kreis Paderborn wurden am Montag auf Intensivstationen fünf Frauen und ein Mann wegen schwerer Durchfälle behandelt.

„Ihr Zustand ist ernst”, teilte der Kreis über die Patienten im Alter zwischen 30 und 50 Jahren mit. Bei zwei Frauen seien die EHEC-Bakterien nachgewiesen worden. Das Gesundheitsamt des Kreises geht davon aus, dass auch bei den anderen vier Patienten die Erreger gefunden werden.

Auch in der Städteregion treten immer wieder Erkrankungen infolge des Darmkeims EHEC auf. Grund zur Hysterie besteht jedoch vorerst nicht: Zwar sind in den vergangenen sechs Monaten bereits vier gesicherte Fälle an EHEC-Erkrankungen gemeldet worden, doch auch im Jahr 2010 erkrankten in der Region fünf Personen.

Einen aktuellen Fall hat Detlef Funken von der Städteregion Aachen allerdings doch zu vermelden: In der vergangenen Woche ist ein 53 Jahre alter Mann erkrankt. Inzwischen befindet er sich auf dem Wege der Besserung. Dr. Verena Bochat, Leiterin der Infektionsschutz-Abteilung im Gesundheitsamt der Städteregion Aachen, betont die Risikominimierung durch häufiges Händewaschen - das gelte insbesondere auch für Menschen, die in der Kinder- und Altenpflege tätig sind. „Durch effektive Händehygiene lässt sich eine Übertragung und damit eine Erkrankung in den meisten Fällen verhindern”, erklärt die Medizinerin.

Bundesweit haben sich zahlreiche Menschen mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) angesteckt. Das Durchfall-Bakterium ruft zurzeit ungewöhnlich schwere Krankheitsfälle hervor. Die Zahl der wegen des Keims behandelten Menschen lag bis zum Montagnachmittag allein in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen bei insgesamt knapp 200.

Alle Patienten aus dem Kreis Paderborn sind seit der vergangenen Woche im Krankenhaus. Sie stammen aus unterschiedlichen Orten. Im vorigen Jahr wurden in NRW 177 Fälle von Erkrankungen durch den EHEC-Erreger dokumentiert, die meisten verliefen laut Ministerium aber ohne größere Komplikationen.

Die Erreger der EHEC-Infektion sind besondere Stämme der Escherichia coli-Bakterien. Sie leben vor allem im Darm von Wiederkäuern, insbesondere Rindern. Sie können über nicht erhitzte Lebensmittel oder direkt über Gülle-Düngung von Feldern in den Nahrungskreislauf gelangen - zum Beispiel durch staubige Erde auf Gemüse und Salat. „Das dürfte gerade in diesen Tagen bei den staubtrockenen Feldern häufiger der Fall sein”, erklärte der Kreis Paderborn.

Das Düsseldorfer Gesundheitsministerium rief am Montag angesichts der Meldungen über Durchfallerkrankungen vorsorglich zur Beachtung von Hygieneregeln wie regelmäßigem Händewaschen sowie zu besonderer Sorgfalt im Umgang mit Lebensmitteln auf. Gemüse und Obst sollten, wenn sie roh gegessen werden, gründlich saubergemacht werden. Auch alle Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Ärzte und Apotheken in NRW wurden vom Ministerium informiert.

Wissenschaftler fahnden fieberhaft nach der Herkunft des lebensgefährlichen Darmkeims.

„Die Ursachenforschung steht im Mittelpunkt”, sagte am Montag eine Sprecherin des Sozialministeriums in Wiesbaden. Dazu würden unter anderem die Kranken befragt, um festzustellen, ob der Erreger möglicherweise aus der gleichen Quelle stamme. Neben ungewaschenem Obst und Gemüse kämen auch rohes Fleisch oder Rohmilch infrage.

Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) sieht Hinweise dafür, dass sich die Keime über rohes, ungewaschenes Gemüse ausgebreitet haben. Das Durchfall-Bakterium (Enterohämorrhagische Escherichia coli) ruft zurzeit außergewöhnlich schwere Krankheitsfälle hervor und kann Nierenversagen verursachen. Empfohlen wird, auch bei der Verarbeitung von Gemüse auf gute Küchenhygiene zu achten sowie Bretter und Messer gründlich zu reinigen. Bislang haben sich bundesweit mehr als 80 Menschen mit den Keimen angesteckt; Frauen sind besonders betroffen.

In hessischen Krankenhäusern müssen 16 Menschen behandelt werden, je acht in Darmstadt und Frankfurt. In Mecklenburg-Vorpommern ist bislang ein Fall der schweren EHEC-Erkrankung bestätigt worden. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Rostock mitteilte, gibt es drei weitere Verdachtsfälle, zum Teil mit schweren Verläufen. Alle vier Patienten werden im Universitätsklinikum Rostock behandelt. Mehrere Bundesländer wollen am Nachmittag neueste Zahlen nennen.

Verdachtsfälle waren am Wochenende auch aus Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg gemeldet worden. „Alle Menschen, die blutigen Durchfall haben, sollten schnellstmöglich zu einem Arzt gehen”, sagte Holger Scharlach vom Landesgesundheitsamt in Hannover.

EHEC-Keime treten in Deutschland immer wieder auf. Das RKI hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 bundesweit jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen registriert, die aber oft einen leichteren Verlauf nahmen. Besonders verwundert die Experten auch, dass diesmal vor allem Erwachsene schwer erkranken, normalerweise haben eher Kinder starke Symptome. Am Samstag hatten sich Vertreter des RKI mit Experten aus den betroffenen norddeutschen Ländern zu einem Krisentreffen in Hamburg zusammengesetzt.
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