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Cornelia Konteye: „Oftmals harmloser als die normale Grippe”

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
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Rät zur Impfung: Cornelia Konteye vom Gesundheitsamt der Städteregion Aachen.

Aachen. Während am Donnerstag in Aachen bei einer Schwangeren das H1N1-Virus nachgewiesen wurde und sich die Schweinegrippe nicht nur in der Region weiter ausbreitet, warnen Experten vor Panikmache.

„Die Schweinegrippe war oftmals noch harmloser als die saisonale Grippe”, sagt Cornelia Konteye vom Gesundheitsamt der Städteregion Aachen mit Blick auf das vergangene Jahr. Ihr Ratschlag lautet dennoch: „Auf jeden Fall impfen lassen.”

Im August 2010 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Schweinegrippe-Pandemie für beendet. Hat Sie die Rückkehr des Erregers überrascht?

Konteye: Na ja, die Pandemie konnte für beendet erklärt werden, weil zu diesem Zeitpunkt endlich genügend Impfstoff vorhanden war. Das Virus traf bei seinem ersten Auftreten im Jahr 2009 auf eine vollkommen unvorbereitete Bevölkerung. Jetzt können wir davon ausgehen, dass zumindest ein Teil der Menschen immunisiert ist - entweder durch eine entsprechende Erkrankung in den vergangenen Monaten oder durch eine Impfung. Das heißt: Der Erreger ist nicht zurückgekehrt, sondern war die ganze Zeit unter uns. Und jetzt zur kalten Jahreszeit kann er sich leichter ausbreiten, sodass wieder mehr Menschen an Influenza erkranken.

In der vergangenen Grippesaison starben bundesweit 258 Menschen an der Schweinegrippe, auch in diesem Jahr gibt es bereits Todesfälle. Müssen wir uns sorgen?

Konteye: Nehmen wir doch erst einmal die Zahl der Todesfälle bei der saisonalen Grippe. Denn die schwankt erheblich, zwischen 100 und 15.000 je Saison. Bei der Schweinegrippe war es so, dass sich viele Menschen infizierten, doch die Verläufe fast durchweg sehr mild waren. Die Schweinegrippe war oftmals noch harmloser als die saisonale Grippe.

Das Robert-Koch-Institut spricht vom Beginn einer Welle und bestätigt, dass es sich bei etwa zwei Drittel aller gegenwärtigen Grippefälle um Schweinegrippe-Erkrankungen handelt - das beunruhigt Sie also nicht?

Konteye: In der Tat gehen die meisten Erkrankungen auch in unserer Region auf den H1N1-Virus zurück, sind also Schweinegrippe-Fälle. Und weil wir Impfstoffe zur Verfügung haben, beunruhigt mich dieser mögliche Beginn einer Welle erst recht nicht. Panik oder Hysterie wären völlig unangebracht.

Das heißt: Sie empfehlen trotz der kontroversen Diskussion im Vorjahr Impfungen?

Konteye: Mein Ratschlag lautet: Auf jeden Fall impfen lassen.

Welche Menschen sollten sich denn nach den Erfahrungen des Vorjahres impfen lassen?

Konteye: Insbesondere die Risikogruppen - dazu zählen alle Personen über 60, Schwangere und alle Menschen mit chronischen Grunderkrankungen. Bei diesen Personen übernimmt die Krankenkasse auf jeden Fall die Kosten, in anderen Fällen ist die Kostenfrage vorab zu klären. Aber natürlich sollte sich jeder impfen lassen, der nicht erkranken will oder der nicht erkranken sollte. Damit spreche ich vor allem auch das medizinische Personal an, das bislang leider mit knapp über 20 Prozent nur eine sehr geringe Durchimpfungsrate vorweist. Bei Personen über 60 verzeichnen wir mit über 50 Prozent die höchste Rate, wobei 75 Prozent optimal wären.

Wo kann man sich impfen lassen?

Konteye: Die wichtigsten Anlaufstationen sind die Praxen von Haus- und Kinderärzten sowie die von Internisten.

Wann wirkt die Impfung?

Konteye: Der Impfschutz steigt kontinuierlich. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nach etwa zwei bis drei Wochen. Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Gibt es denn in der Region genügend Impfstoff?

Konteye: Bisher besteht kein Engpass bei der Impfstoffversorgung. Weil die Saison erst vor einigen Wochen begonnen hat, dürfte aktuell genügend vorhanden da.

Welche Empfehlungen zur Vorbeugung geben Sie?

Konteye: Neben der Impfung gibt es bestimmte Verhaltensweisen, um die Tröpfcheninfektion zu vermeiden, etwa regelmäßiges Händewaschen und regelmäßiges Lüften der Wohnung, drei- bis viermal am Tag jeweils zehn Minuten. Zudem sollte man auf hygienisches Husten achten, also in den Ärmel und nicht in die Hand husten. Ansonsten sollten Menschen, die eine Infektion vermuten, schnellstens zum Arzt.
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