Berlin - Bundesbürger gehen immer öfter zum Arzt

Bundesbürger gehen immer öfter zum Arzt

Von: dpa
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Ärzte untersuchen einen Patienten. Foto: ddp

Berlin. Die Bundesbürger gehen immer häufiger zum Arzt, werden aber oft in wenigen Minuten abgefertigt.

Im Schnitt suchte jeder gesetzlich Versicherte 18,1 Mal im Jahr einen niedergelassenen Arzt auf, Zahnärzte nicht eingerechnet, wie aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Barmer GEK Arztreport hervorgeht. Der Report beruht auf jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2008. Im Jahr zuvor waren es noch 17,7 Arztbesuche.

„Natürlich betrachten wir die Arztrennerei als problematisch”, sagte der Barmer GEK-Vizechef Rolf-Ulrich Schlenker. Deutschland nehme international eine Spitzenposition ein. Angesichts der hohen Zahl blieben jeweils nur acht Minuten Beratungs- und Behandlungszeit. Jeder der knapp 150.000 niedergelassenen Ärzte hatte im Schnitt 45 Patienten pro Werktag im Sprechzimmer.

„Die Patienten hätten lieber längere Kontaktzeiten”, sagte der Sozialmediziner Friedrich-Wilhelm Schwartz, dessen hannoversches Forschungsinstitut ISEG den Bericht erstellte. Viele Arztbesuche seien nicht auf einen schlechten Gesundheitszustand zurückzuführen. So gingen in Bayern die Menschen bundesweit am häufigsten zum Arzt. Dort sei die Lebenserwartung aber besonders hoch, sagte Schwartz.

Bei rund der Hälfte der Bevölkerung diagnostizierten Ärzte Muskel- Skelett-Leiden sowie Atemwegserkrankungen. Eine deutliche Zunahme um neun Prozent gab es bei diagnostizierten Depressionen.

In anderen Ländern gehen die Menschen weit seltener zum Arzt, werden aber viel eingehender behandelt, wie Schwartz erläuterte. In Schweden sei es knapp dreimal im Jahr, in Belgien, Dänemark, Frankreich, Österreich und Polen rund siebenmal. Allerdings seien die Zahlen aus statistischen Gründen nur eingeschränkt vergleichbar.

Schlenker wertete die häufigen Arztbesuche auch teils positiv: „Wir haben eine gute ambulante ärztliche Versorgung in Deutschland.” Dennoch sollten die Arztbesuche stärker gesteuert werden. Da die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal ihre anfängliche Lenkungswirkung verloren habe, bewertete Schlenker es als positiv, dass die Koalition die Gebühr auf den Prüfstand stelle. Allerdings müsse im Fall einer Streichung der Ertrag von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr anders hereinkommen.

Schlenker sprach sich dafür aus, dass mehr Versicherte künftig öfter immer zuerst zu ihrem Hausarzt gehen und die Allgemeinmediziner die Arztbesuche insgesamt stärker steuern. Zugleich forderte er aber eine Abschaffung der gesetzlichen Pflicht der Kassen zum Abschluss von entsprechenden Hausarztverträgen mit dem Hausärzteverband. „Wir wollen es freiwillig machen.”

Die Zahlen, auf denen der Report beruht, sind repräsentative Hochrechnungen der Daten von 1,7 Millionen Versicherten der Kasse GEK, die zum Jahresbeginn mit der Barmer fusionierte. Bei der Zahl der Arztbesuche waren die Forscher wegen einer Änderung der Abrechnungspraxis auf Schätzungen angewiesen.

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