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Bürowüste oder grüne Oase: Pflanzen verbessern Arbeits- und Raumklima

Von: Eva Neumann, dpa
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Grün am Arbeitsplatz baut Stress ab, schluckt den Schall und wirkt als Luftbefeuchter. Foto: dpa

Dortmund/Marl. An einem tristen, uniformen Arbeitsplatz arbeiten Angestellte weniger konzentriert und weniger produktiv als in einer freundlichen Umgebung. Das haben auch immer mehr Arbeitgeber erkannt.

Grünpflanzen helfen, das Klima im Büro zu verbessern - und zwar im doppelten Sinne. „Pflanzen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich Mitarbeiter mit ihrem beruflichen Umfeld und mit ihrer Arbeit stärker identifizieren”, sagt Jörg Feldmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) in Dortmund. Und sie sorgen für bessere Luft.

In einem Alltag voller Termin- und Leistungsdruck sind Grünlilie, Efeutute und Birkenfeige fast schon Ruhepoole. Die Farbe Grün beruhigt und bildet einen wohltuenden Kontrast zu den grellen Bildschirmfarben. Und die Pflanzengruppen gliedern Großraumbüros in Nischen. „Diese psychologischen Faktoren sind weit wichtiger als alle Auswirkungen, welche die Pflanzen auf das Raumklima haben”, so Feldmann.

Hinzu kommen die Stoffwechselleistungen der Pflanzen. Sie verbrauchen Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Außerdem erhöhen sie die Luftfeuchte in den meist sehr trockenen Büroräumen. Dadurch binden sie Schadstoffe. Einige Pflanzen filtern sie sogar, sagt Peter Menke, Vorstand der Stiftung der internationalen Initiative „Plants for People” in Düsseldorf. Außerdem mildern Pflanzen den Lärmpegel ein wenig.

Egal, ob es ums Arbeitsklima oder ums Raumklima geht: Pflanzen können nur dann positiv wirken, wenn sie gesund sind. Die erste Voraussetzung dafür ist, dass nur geeignete Pflanzen für den jeweiligen Standort ausgewählt werden. „Im Idealfall wird bereits beim Bau eines Bürogebäudes die Raumbegrünung mit bedacht, also Licht, vielleicht sogar Bewässerung entsprechend eingeplant”, sagt Menke. „In einer schon vorhandenen Struktur hingegen ist es unter Umständen nicht ganz einfach, eine passende Pflanze zu finden.”

Dann kann sich der Einsatz eines sogenannten Innenraumbegrüners lohnen. Er wird als erstes die Standortbedingungen unter die Lupe nehmen. In vielen Büros erweist sich die Beleuchtung als Hauptproblem: „Wenn vor einem Fenster eine Beleuchtungsstärke von 30.000 Lux gemessen wird, sind es dahinter nur noch 3000 Lux. Und wenn ich zwei bis drei Meter tief in den Raum gehe, verliere ich weitere 80 Prozent”, rechnet Andreas Beckmann, Inhaber der Raumbegrünungsfirma Pflanzenart in Marl (Nordrhein-Westfalen) vor.

Ein Philodendron kann dort dennoch überleben, eine Bergpalme oder ein Drachenbaum ebenfalls. Für eine Licht suchende Lorbeerfeige oder eine Flamingoblume hingegen ist eine Beleuchtungsstärke von weniger als 1000 Lux der Tod. „Natürlich kann gezielt Pflanzenlicht gesetzt werden. Doch das wird oft von den Mitarbeitern als unangenehm empfunden”, sagt Beckmann. „Unserer Erfahrung nach bringen Büro-Leuchtstoffröhren, die in Reflektoren sitzen, auch schon viel.”

Ist die richtige Pflanze gefunden, stellt sich die Frage nach dem Substrat. Pflanzenerde wird in Büroräumen so gut wie gar nicht verwendet. Stattdessen kommen anorganische Materialien wie Hydrokultur, Semi-Hydro-Kultur, Kalkstein- oder Lavagesteinsubstrate oder Gemische zum Einsatz. Bei letzteren muss allerdings das Gewicht berücksichtigt werden: Nicht jedes Bürogebäude ist auf einen zentnerschweren Dschungel in der fünften Etage ausgelegt.

Ist das Büro begrünt, müssen die Pflanzen aber auch gepflegt werden. Dass sie ab und zu gegossen werden müssen, versteht sich von selbst. Greifen jedoch alle Mitarbeiter ohne Absprache zur Gießkanne, ist die Gefahr groß, dass die Pflanzen überwässert werden. „Außerdem lassen sich auf feuchtem Substrat und fauligen Pflanzenteilen gerne Schimmelpilze, Parasiten oder Mikroorganismen nieder, die ernsthafte Gesundheitsbeschwerden verursachen können”, warnt Feldmann.

Um das zu vermeiden, gehört die Pflege am besten in eine Hand. „In der Königsklasse wird ein Dienstleister mit der Pflege beauftragt”, so Menke. Der Dienstleister sollte nicht nur über einen grünen Daumen, sondern auch über eine gärtnerische Ausbildung verfügen. Dann erkennt er rechtzeitig Krankheiten und Schädlinge und kann sie bekämpfen. „Die Kosten für einen Pflegeauftrag sind regional sehr unterschiedlich. Von zwei bis drei Euro pro Pflanze und Monat sollte man ausgehen”, sagt Beckmann. Viele Innenraumbegrüner verkaufen Büropflanzen auch zusammen mit einem Pflege- oder Garantiepaket.

Verbündete im Kampf gegen Erkältungen

Pflanzen, die viel Feuchtigkeit abgeben, beugen Erkältungen vor - weil die Luftfeuchtigkeit höher ist. Zu den Spitzenreitern unter den pflanzlichen Luftbefeuchtern zählen nach Angaben der Initiative Plants for People die Papyrus-Arten. Viel Feuchtigkeit geben aber auch das Scheidenblatt, die Gerbera und vor allem der Schwertfarn ab.
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