Bei Reizdarm erst mal andere Erkrankungen ausschließen

Von: Christiane Löll, dpa
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Reizdarm: Antibiotikum kann langfristig Linderung verschaffen
Die Einnahme eines Antibiotikums kann die Symptome des Reizdarmsyndroms zumindest bei einigen Betroffenen effektiv und vor allem dauerhaft linder. US-amerikanische Mediziner haben nun nachgewiesen, dass es den Patienten auch nach mehreren Wochen, nach Beendigung der Therapie, deutlich besser als vor der Behandlung geht. Foto: dpa

Köln/Hannover. Stress und andere Belastungen schlagen manchen Menschen buchstäblich auf den Magen. Ihr Verdauungssystem reagiert dann zum Beispiel mit Blähungen, Durchfall oder Verstopfungen. Ein solcher Reizdarm lässt sich aber oft schon mit einfachen Mitteln lindern.

Völlegefühl, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, Schmerzen und ein brennendes Gefühl im Bauch: Das sind typische Beschwerden bei Menschen mit einem Reizdarm. Sie treten über Wochen und Monate auf. Da diese Symptome aber auch bei einer Reihe anderer Erkrankungen auftreten können, achten Mediziner darauf, diese gegebenenfalls auszuschließen. Um die Beschwerden zu lindern, gibt es etliche Wege: angefangen bei Hausmitteln aus der Drogerie bis hin zu Medikamenten aus der Apotheke.

„Meistens sind Menschen zwischen 25 und 50 Jahren von einem Reizdarm betroffen”, sagt Prof. Wolfgang Kruis vom Evangelischen Krankenhaus Köln-Kalk. Die Ursache der Erkrankung, die bei Patienten zu einem hohen Leidensdruck führen kann, sei noch nicht endgültig geklärt. „In den vergangenen Jahren zeichnet sich jedoch ab, dass bestimmte körperliche Voraussetzungen - wie eine bakterielle Infektion und psychische Belastungen - zu den häufigen Beschwerden führen.” Frauen litten öfter als Männer an einem Reizdarm, außerdem Menschen mit psychischen Störungen wie Depressionen oder Ängsten.

Zu einer hohen Wahrscheinlichkeit könnten Ärzte schon aufgrund der Krankheitsgeschichte der Patienten die Diagnose Reizdarm stellen, sagt Kruis. „Es fällt auf, dass die Beschwerden in Abhängigkeit von belastenden Lebensereignissen stehen. In der Regel gehen sie weg, wenn der Mensch sich beispielsweise im Urlaub entspannt.” Dennoch empfehlen Mediziner eine Untersuchung des Bluts auf Entzündungsmarker und die Zusammensetzung der Blutkörperchen. Darüber hinaus wird zu einer Ultraschalluntersuchung des Bauches und einer Spiegelung des Dick- und Dünndarms geraten.

„Bei jüngeren Patienten geht es zum Beispiel darum, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie den Morbus Crohn auszuschließen”, sagt Prof. Irmtraut Koop, Vorsitzende der Norddeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie in Hannover. Bei einem älteren Patienten mit kurzfristig aufgetretener oder zunehmender Verstopfung müsse man gegebenenfalls an Dickdarmkrebs denken - dieser gehört mit rund 70.000 Neuerkrankungen im Jahr zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Starker Durchfall über Wochen könnte ein Hinweis auf eine verschleppte Infektion sein, so dass auch die Stuhlproben des Patienten untersucht werden sollten, fügt Koop hinzu. Auch eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) könne die Ursache sein.

Laut Kruis zeigen sich bei einem Reizdarm häufig keine Auffälligkeiten bei den gängigen Untersuchungen. Neueste Forschungsergebnisse wiesen jedoch darauf hin, dass die Nervenzellen des Darms anders funktionieren als normal und die Reaktion des Immunsystems gestört ist.

Pfefferminzöl-Kapseln, Artischockenextrakt, Kleie und Flohsamen, krampflösende Mittel: Die Liste der Wirkstoffe, mit denen die Patienten ihre Verdauung und damit den Grad ihrer Beschwerden beeinflussen können, ist lang. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln hat Studien ausgewertet, die sich mit der Behandlung des Reizdarmes befassen. Unter anderem wird die Wirkung von Ballaststoffen wie Kleie oder Flohsamen unter die Lupe genommen.

Kleie gehört zu den unlöslichen, Flohsamen gehören zu den löslichen Ballaststoffen, die Wasser im Darm binden. Laut IQWiG lassen sich die Reizdarmbeschwerden mit Flohsamen besser lindern als mit Kleie. Bleiben die Verstopfungsprobleme länger bestehen, so kann laut Koop beim Reizdarm zu bestimmten Abführmitteln aus der Apotheke gegriffen werden. „Man kann es aber auch mit bewährten Nahrungsmitteln wie Buttermilch oder Backpflaumen versuchen.”

Bei Blähungen empfiehlt Koop beispielsweise Pfefferminzöl-Kapseln. Studien haben laut IQWiG die Wirkung dieser Kapseln bei einem Teil der Patienten belegt. Andere Formen wie Pfefferminzöl-Tropfen oder -Lösungen sind demnach nicht untersucht worden. Auch krampflösende Medikamente können einigen Patienten Linderung verschaffen. Zu diesen gehört der Wirkstoff Butylscopolamin, der in Apotheken zu haben ist.

Auch über die Ernährung können Patienten die Beschwerden steuern, sagt Kruis. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine bestimmte Ernährungsweise, aber der Patient muss in sich gehen und überlegen, was er nicht verträgt, und diese Nahrung dann weglassen.” Eine sogenannte Ausschlussdiät könne in besonders schweren Fällen helfen. Dabei isst man zunächst nur Reis und Kartoffeln und ergänzt nach und nach weitere Lebensmittel, um herauszufinden, wann die Beschwerden wieder anfangen.

Stress vermeiden

Bei einem Reizdarm kann auch helfen, Stress zu vermeiden. „Das mit dem Stress ist so eine Sache, oft kann man ihn gar nicht so einfach ausschalten, zum Beispiel im Beruf”, sagt die Gastroenterologin Irmtraut Koop. „Wichtig ist aber, dass der Patient sich bewusst macht, dass vielleicht eine Überforderung im Leben vorliegt und dass er sich Ausgleich durch Entspannung oder Sport verschafft.”
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