Auch von Gorillas könnte HIV ausgehen

Von: ddp
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Aidsvirus
Modell des Virus, das die Immunschwäche Aids auslöst.

London. Französische Forscher haben einen neuen HIV-Stamm entdeckt. Das Virus, das die Forscher bei einer afrikanischen Frau gefunden haben, ist nahe verwandt zum HIV-ähnlichen SI-Virus von Gorillas. Bisher galten nur Schimpansen als Quelle der HIV-Pandemie des Menschen.

Möglicherweise hat sich das Virus aber auch über Gorillas auf den Menschen übertragen, wie die Studie zeigt. Im Fachmagazin „Nature” (doi:10.1038/nm.2016) berichten die Forscher um Jean-Christophe Plantier von der Universität in Rouen über ihre Ergebnisse.

Ein französisches Netzwerk von Laboratorien verfolgt seit 2001 die genetische Diversität des HI-Virus. Im Verlauf dieser Überwachung wurden die Forscher auf eine 62-jährige Frau aufmerksam, die kurz vor der Diagnose mit dem HI-Virus aus Kamerun nach Paris gereist war. In ihrem Blut fanden die Forscher Antikörper, die eindeutig auf eine HIV-Infektion hinwiesen. Der Nachweis von Proteinen zur Bestimmung des HIV-Stamms fiel bei dieser Patientin jedoch negativ aus. Bisher sind drei Stämme des HI-Virus beim Menschen bekannt, M, N und O. Die Viren der afrikanischen Frau schienen sich aber deutlich von all diesen Stämmen zu unterscheiden. Erst als die Forscher schließlich das ganze Erbgut des Virus analysierten, fanden sie eine hohe Ähnlichkeit zum SI-Virenstamm von Gorillas.

Mit größter Wahrscheinlichkeit habe sich das HI-Virus dieser neuen Gruppe „P” von Gorillas auf den Menschen übertragen, folgern die Forscher aus den Untersuchungen. Die Frau sei vermutlich kein Einzelfall, sagen die Forscher, denn sie selbst sei weder mit Menschenaffen in Kontakt gewesen noch habe sie infiziertes Fleisch gegessen, bevor sie nach Paris gekommen sei. Bisher hat die Patientin keine Symptome von Aids und die Zahl ihrer Abwehrzellen, den sogenannten CD4-Zellen, ist stabil.

Im Verlauf einer HIV-Infektion sinkt normalerweise die Zahl dieser CD4-Zellen und die körpereigene Abwehr wird immer schwächer, bis schließlich die Krankheit Aids ausbricht. Trotz einer konstant hohen Virenzahl benötigt die Frau deshalb bislang keine Medikamente. Dennoch müsse besonders in West- und Zentralafrika, wo die bekannten HIV-Stämme herkommen, die Entstehung neuer HIV-Varianten besser überwacht werden, sagen die Forscher.
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