AntiGravity-Yoga: Schwebende Übungen für Hobbyakrobaten

Von: ddp-Korrespondentin Christine Amrhein
Letzte Aktualisierung:
Anti Gravity Yoga
Gegen die Schwerkraft: Anti-Gravity-Yoga vereint akrobatische Elemente mit der uralten philosophischen Lehre. Foto: ddp

Schwetzingen. Kopfüber liegen die Übenden in dreieckigen, von der Decke hängenden Tüchern, die Arme gestreckt, den Kopf nach hinten gebogen. Leicht und elegant sieht das aus - und vermittelt ein Gefühl der Schwerelosigkeit, wie Teilnehmer eines AntiGravity-Yoga-Kurses berichten.

Tatsächlich wurde die Sportart von einem Artisten erfunden, und zwar von Christopher Harrison, der 1990 die Akrobatikgruppe „AntiGravity” gründete. Doch welche Vorteile soll es bringen, Yoga- und Gymnastikübungen einen Meter über dem Boden schwebend durchzuführen?

„AntiGravity-Yoga bietet eine Mischung aus Anspannung und Entspannung, Workout und Dehnung. Vor allem aber macht es richtig Spaß”, berichtet Georg Busch, Ausbildungsleiter an der Internationalen Fitness- und Aerobic-Akademie (IFAA) in Schwetzingen. „Eine Besonderheit sind die Kopfüber-Übungen, bei denen die Gelenke entstaucht und Verkrampfungen in Rücken und Nacken spielerisch gelöst werden.” Weitere Übungen, die stehend, sitzend oder in der Luft schwebend ausgeführt werden, stärkten vor allem die Arm- und Bauchmuskulatur.

„Mit Yoga ist die neue Sportart zwar nur entfernt verwandt”, gibt Busch zu, „dafür enthält sie aber auch Elemente aus Pilates, Gymnastik und Body Art, was sie besonders vielseitig macht. Zusätzlich bietet AntiGravity-Yoga eine Reihe einzigartiger Übungen, bei denen der Körper im Tuch hin und her geschwungen, gerollt oder gedehnt wird.”

Bei der „Schwalbe” hängt der Übende beispielsweise mit beiden Schultern im Tuch und lehnt sich dabei kräftig nach vorn. Auf diese Weise sollen Rücken-, Bauch- und Pomuskulatur gestärkt werden. Beim „Tänzer” stehen die Teilnehmer auf einem Bein, während das andere nach hinten in das Trapez eingehängt wird. Die Arme sind dabei nach oben gestreckt. Ein Übung zur Stärkung des Gleichgewichts, die zugleich den Schulter- und Leistenbereich dehnen soll.

Ursprünglich wurde die Sportart in den USA entwickelt. Die IFAA hat AntiGravity-Yoga im Mai 2009 auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeführt und bietet für das markenrechtlich geschützte Konzept Trainerausbildungen an. Bisher wird das Schwebe-Yoga in Fitnessstudios in Berlin, Augsburg und Schwetzingen angeboten - laut IFAA haben jedoch über 200 weitere Studios bereits Interesse angemeldet.

Etwas weniger euphorisch fällt die Beurteilung des Deutschen Wellness Verbandes aus: „Das AntiGravity-Yoga ist schön anzusehen, aber unserer Meinung nach nur für wirklich fitte, eher junge Leute mit Interesse an Akrobatik geeignet”, kommentiert der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Lutz Hertel. Die Befürchtung der Experten: Die schwebenden Übungen könnten ein gewisses Sturz- und Verletzungsrisiko bergen.

Auch sollte man nicht davon ausgehen, die neue Variante könnte ein Ersatz für die täglichen Yoga-Übungen zu Hause werden. Hertel: „Ein gravierender Nachteil dieses Systems besteht darin, dass man geeignete Räumlichkeiten und Equipment zur Ausübung braucht.” Er bezweifelt daher, dass sich AntiGravity-Yoga in Deutschland tatsächlich ausbreiten wird.

Dennoch: Es gebe derzeit etwa 260 unterschiedliche Yoga-Stile, und neue Varianten wie das AntiGravity-Yoga hätten durchaus ihre Berechtigung - schließlich sorgten sie für eine Art Frische-Kick und polierten das etwas verstaubte Image der uralten philosophischen Lehre auf.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert