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Alzheimerplaques sind möglicherweise Bestandteile der Immunabwehr

Von: ddp
Letzte Aktualisierung:

San Francisco. Viele Alzheimersymptome gehen möglicherweise auf eine starke Immunreaktion innerhalb des Gehirns zurück.

Zu diesem Schluss sind US-amerikanische Forscher gekommen, nachdem sie bei den für die Krankheit charakteristischen Eiweißablagerungen eine antimikrobielle Wirkung festgestellt hatten.

Die auch als Plaques bezeichneten Ablagerungen bilden sich in der grauen Hirnsubstanz und gelten als Früherkennungszeichen für Alzheimer. Die Hauptbestandteile dieser Plaques, die sogenannten beta-Amyloid-Proteine, wirkten in Laborversuchen als effektive Barriere gegen diverse Krankheitserreger, berichten Rudolph Tanzi von der Harvard Medical School in Boston und seine Kollegen im Fachmagazin „PloS ONE” (Onlineveröffentlichung vom 3. März).

Beta-Amyloid-Proteine werden auch bei gesunden Menschen produziert, Iagern sich jedoch nicht in der grauen Hirnsubstanz ab, wie es bei Alzheimer-Patienten der Fall ist. Diese Ablagerungen wirken toxisch auf die Nervenzellen, weshalb sie als Auslöser vieler Alzheimer-Symptome gelten. Rudolph Tanzi und seinen Kollegen waren zunächst Ähnlichkeiten zwischen den Beta-Amyloid-Proteinen und einigen bekannten Proteinen des menschlichen Immunsystems aufgefallen. Das brachte sie auf die Idee, auch die Plaques-Proteine auf antimikrobielle Eigenschaften zu überprüfen.

Zunächst testeten sie künstlich erzeugte Beta-Amyloid-Proteine gegen 15 standardmäßig verwendete Krankheitserreger. Die Beta-Amyloid-Proteine zeigten in acht Fällen eine starke antimikrobielle Wirkung, in sieben davon begrenzten sie das Wachstum der Erreger sogar stärker als das für seine antimikrobielle Wirkung bekannte menschliche Protein LL-37. Im Folgeversuch überprüften die Wissenschaftler ihre Ergebnisse anhand von Gewebeproben aus den Gehirnen von Alzheimer-Patienten und gesunden Menschen: Lediglich die Proben der Alzheimer-Patienten wiesen antimikrobielle Eigenschaften auf.

„Jahrelang haben wir gedacht, beta-Amyloid-Proteine seien lediglich Stoffwechselendprodukte, die bei anderen Hirnprozessen anfallen. Die neuen Daten suggerieren nun aber vielmehr, dass es sich um ganz normale Bestandteile des hirninternen Immunsystems handelt”, beurteilt Rudolph Tanzi die Ergebnisse. Nun gelte es herauszufinden, welche Erreger die Plaques-Produktion besonders stark ankurbeln. Dann könne dem entgegengewirkt werden, etwa im Rahmen einer Immunisierung.
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