Aids-Impfstoff: Natürliche HIV-Immunität könnte Ansatzpunkt sein

Von: ddp
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Hoffnung für einen möglichen Aids-Impfstoff: Menschen mit dem Gen HLA B57 sind immun gegen eine HIV-Infektion. Nun hat ein US-Forscherteam herausgefunden, welchem Mechanismus sie diesen natürlichen Schutz verdanken. Die natürliche HIV-Immunität könnte Ansatzpunkt für einen Aids-Impfstoff sein. Foto: dpa

London. Menschen mit dem Gen HLA B57 sind immun gegen eine HIV-Infektion. Nun hat ein US-Forscherteam herausgefunden, welchem Mechanismus sie diesen natürlichen Schutz verdanken.

Durch das Gen produziert der Körper Abwehrzellen, die deutlich potenter sind als die von Menschen ohne das spezielle Gen. Diese T-Killerzellen, eine Gruppe der weißen Blutkörperchen, spüren Viren und Bakterien auf und sorgen für ihre Beseitigung.

Die besonders leistungsfähigen Abfangjäger haben die Fähigkeit, sich an eine größere Vielfalt körperfremder Proteine anzuheften. Außerdem erkennen sie sogar Mutationen von Viren. Das Forschungsergebnis könnte zu einem Impfstoff führen, der die Abwehrreaktion gegen gefährliche Viren wie HIV und Hepatitis C auch bei Menschen ohne das Gen HLA B57 hervorruft. Ihre Studie stellen die Wissenschaftler um Arup Chakraborty vom Massachusetts Institute of Technology aus Cambridge im Fachmagazin „Nature” vor (doi 10.1038/nature08997).

Ohne eine Therapie erkranken die meisten HIV-infizierten Menschen an der Immunschwächekrankheit Aids. Doch es gibt Ausnahmen: Bei einem von 200 Patienten bleibt die Anzahl der Viren im Blut so gering, dass die Krankheit erst viel später oder überhaupt nicht ausbricht. Wie Wissenschaftler Ende der 90er-Jahre herausgefunden haben, besitzt ein hoher Prozentsatz der geschützten Personen das Gen HLA B57. Die Wissenschaftler haben nun entdeckt, dass Menschen mit diesem Gen eine weitaus größere Anzahl an T-Killerzellen besitzen, die eine bessere Bindungsfähigkeit an HIV-infizierte Zellen haben.

T-Killerzellen erkennen Körperzellen, die mit Viren oder Bakterien infiziert sind: Sie besitzen einen Rezeptor, der sich an körperfremde Proteine auf der Zelloberfläche anbindet. Die Abwehrzellen töten den Erreger und patrouillieren anschließend unermüdlich durch den Körper auf der Suche nach weiteren befallenen Zellen. Als zusätzliche Gegenmaßnahme klonen sich T-Killerzellen selbst und erhöhen so die Abwehrkraft.

Doch bevor die T-Killerzellen eine aktive Rolle in der Verteidigung des Körpers spielen können, müssen sie einen Selektionsprozess überstehen: Wenn sie nämlich körpereigene Proteine, sogenannte Selbstproteine, erkennen, werden sie beseitigt - sonst greifen sie später gesundes Gewebe an.

Bei Menschen mit dem Gen HLA B57 werden den T-Zellen weniger Selbstproteine gezeigt und entsprechend schlüpfen mehr Killerzellen durch den Auswahlprozess, die eine größere Vielfalt an Proteinen erkennen. Außerdem sind diese T-Zellen in der Lage, einen wichtigen Verteidigungsmechanismus der HI-Viren zu umgehen: Ihnen entgehen auch Mutationen von Viren nicht, die gewöhnliche Killerzellen nicht mehr erkennen.

Doch die Medaille besitzt auch eine Kehrseite: Menschen mit dem Gen HLA B57 sind anfälliger für Autoimmunerkrankungen, weil ihre T-Zellen auch stark an körpereigene Proteine binden und somit eine Reaktion gegen den eigenen Organismus auslösen. Dennoch stellen die Ergebnisse einen wichtigen Erfolg im Kampf gegen Aids dar, schreiben die Wissenschaftler.

Für Chakraborty öffnen sich im Hinblick auf einen potenziellen Impfstoff vielversprechende Perspektiven: Jeder Mensch besitze kreuzreaktive T-Killerzellen, sie seien nur äußerst rar. Mit dem richtigen Impfstoff könnten sie jedoch aktiviert werden, um ihre Fähigkeiten in den Dienst der Kontrolle über HIV und andere Viren zu stellen.
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