Ärzte: Weniger Fruchtwasseruntersuchungen für ältere Mütter

Von: dpa
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Die Geburt des ersten gemeinsamen Kindes ist für die Eltern ein unvergleichlicher Glücksmoment. Ob ein Junge oder ein Mädchen das Licht der Welt erblickt, ist nebensächlich - zumindest beim ersten Kind. Prinzipiell jedoch hätten laut Umfragen viele Paare gern sowohl einen Sohn als auch eine Tochter. Darum gehört es zu den vieldiskutierten Fragen, ob sich das Geschlecht des Kindes planen lässt. Foto: dpa

Berlin. Weil Frauen in Deutschland immer später Mütter werden, fordern Ärzte einen Ausbau der schonenden Schwangerschaftsvorsorge. „Mittlerweile ist ein Viertel der Schwangeren bei uns 35 Jahre oder älter. Ihnen allen wird eine Fruchtwasseruntersuchung angeboten, um genetische Erkrankungen beim Kind auszuschließen.

Dabei kann ein nicht-invasives Screening diesen Eingriff oft überflüssig machen”, sagte Prof. Eberhard Menz (Frauenklinik Nordwest, Frankfurt/M) am Dienstag in Berlin. Eine Kombination aus detailliertem Ultraschall und zweier Blutwerte könne das Risiko für bestimmte Erkrankungen einschätzen, so die Fetal Medicine Foundation Deutschland (FMF), deren Vorsitzender Merz ist.

Von den über 700.000 Frauen, die jährlich in Deutschland schwanger werden, sind mittlerweile 24 Prozent mindestens 35 Jahre alt, während es Anfang der 70er Jahre nur fünf Prozent waren. Auch der Anteil der Erstgebärenden über 40 steigt stetig, in den letzten Jahren unter anderem durch die Reproduktionsmedizin sogar sprunghaft. Und damit erhöht sich das Risiko für Chromosomenstörungen beim Kind, wie das Down-Syndrom (Trisomie 21).

Derzeit nehmen schätzungsweise 70.000 Schwangere ein invasives Verfahren wahr, um eine mögliche Erkrankung des Kindes zu erkennen. „Die Zahl dieser Fruchtwasseruntersuchungen und Gewebeentnahmen aus dem Mutterkuchen sollte aber nicht unnötig steigen”, sagt der Humangenetiker Christian Thode. Denn ein solches Verfahren ziehe in 0,5 bis einem Prozent der Eingriffe eine Fehlgeburt durch Blasensprung oder Blutung nach sich.

Das Ersttrimester-Screening zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche sei jedoch ungefährlich, betonen die FMF-Ärzte: Es besteht aus einer Ultraschalluntersuchung, bei der unter anderem die Nackentransparenz des Kindes gemessen wird, kombiniert mit zwei aussagekräftigen Hormonwerten der Mutter. „Damit können wir zwar keine konkrete Diagnose stellen, aber ein Risiko berechnen und dann der Frau gegebenenfalls empfehlen, doch noch eine Fruchtwasseruntersuchung machen zu lassen”, sagte Merz. Durch das kombinierte Screening liege die Erkennungsrate für eine Erkrankung bei 90 Prozent.

Ärzte müssen sich für das Screening fortbilden und jedes Jahr neu zertifizieren lassen. Rund 4000 Mediziner in Deutschland bieten es bereits an. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der invasiven Eingriffe dadurch bereits halbiert”, sagte Prof. Bernd Eiben (Essen). Das an ein britisches Modell angelehnte FMF-Verfahren wurde mittlerweile so verfeinert, dass bei erhöhtem Risiko nach dem Basisscreening in einem zweiten Schritt weitere Details untersucht werden können. Eine weitere Reduzierung der invasiven Verfahren um die Hälfte könne erreicht werden, wenn das Ersttrimesterscreening verbindlich in die Schwangerenvorsorge für alle Frauen aufgenommen werde, so die FMF.

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