Essen - Zwei Räder aus zweiter Hand: Tipps für den Motorrad-Gebrauchtkauf

Zwei Räder aus zweiter Hand: Tipps für den Motorrad-Gebrauchtkauf

Von: Heiko Haupt, dpa
Letzte Aktualisierung:
Motorrad-Gebrauchtkauf
Der erste Eindruck zählt: Schon auf den ersten Blick zeigt sich, ob ein gebrauchtes Motorrad gut gepflegt oder von seinem Besitzer rücksichtslos heruntergeritten wurde. Foto: dpa

Essen. Das Motorrad gilt längst nicht mehr als Alltagsgefährt, sondern vielmehr als Sportgerät oder Hobby. Der Haken an der Sache zeigt sich allerdings dann, wenn es ums Geld geht.

Denn nicht jeder kann für sein Freizeitvergnügen jene oft fünfstelligen Summen ausgeben, die heute für viele fabrikneue Motorräder verlangt werden. Die Alternative lautet dann Gebrauchtkauf. Gerade in diesem Zusammenhang ist jedoch höchste Aufmerksamkeit gefordert - immerhin ist ein Motorrad ein komplexes technisches Gerät, in dessen vielen Einzelteilen sich mancher Mangel verbergen kann. Das gilt auch für eventuelle Unfallschäden, die nicht immer sofort erkennbar sind.

Einer der wichtigsten Tipps für den Gebrauchtkauf ist auch der eigentlich naheliegendste: „Der erste Eindruck ist auf jeden Fall wichtig”, sagt Achim Kuppinger, Motorrad-Fachmann der Sachverständigen-Organisation Dekra in Stuttgart. Denn schon auf den ersten Blick lässt sich einiges erkennen. Zum Beispiel, ob es sich um ein gut gepflegtes Exemplar handelt oder um eines, das starke Gebrauchs- und Verbrauchsspuren aufweist.

Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen rät dazu, auch bei einem vermeintlich gepflegten Motorrad genauer hinzuschauen: Dann zeigt sich nämlich, ob die Maschine nur oberflächlich für den Betrachter „aufpoliert” wurde oder einen dauerhaft gepflegte Eindruck macht.

Bei gebrauchten Autos gilt der Kilometerstand als wichtiges Verkaufsargument. Bei Motorrädern jedoch ist dieses Thema nach Ansicht der Experten nicht so einfach einzuschätzen. „Es gibt Maschinen, die wurden innerhalb von mehreren Jahren kaum bewegt. Andere haben in kürzester Zeit eine hohe Laufleistung zusammenbekommen”, so Kuppinger. Im Endeffekt kann aber das Exemplar mit höheren Laufleistung sogar die bessere Wahl sein, wenn dafür eine lückenlose Wartung durch die Werkstatt nachgewiesen werden kann - während das kaum gefahrene Motorrad, bei dem über viele Jahre zum Beispiel auch nie ein Ölwechsel vorgenommen wurde, vielleicht doch nicht so toll ist. Der Interessent muss das Für und Wider abwägen.

Sicher ist, dass gerade Motorräder jüngerer Baujahre heute Laufleistungen erreichen, von denen einst nicht einmal geträumt werden konnte. „Wenn so ein Motor normal behandelt wird, dann sind durchaus Laufleistungen von 80.000 bis 150.000 Kilometern damit erreichbar”, sagt Motorrad-Experte Ruprecht Müller vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern).

Immer ein Thema sind Unfall- und Sturzschäden. Das ifz rät grundsätzlich dazu, auf Kratzer an Bauteilen wie Blinkern, Zylindern, Lenkerenden, Hebeln, Spiegeln oder Verkleidungsteilen zu achten. Teilweise sind aber nicht nur die Kratzer, sondern auch das Fehlen derselben ein Hinweis: Wenn zum Beispiel einige Anbauteile typische Kratzer aufweisen, ein hervorstehendes seitliches Motorteil aber brandneu wirkt. Dann kann das ein Hinweis darauf sein, dass hier ein Teil wegen eines größeren Schadens ausgetauscht wurde.

Auch der erste Eindruck sollte in diesem Zusammenhang hinterfragt werden: Eine Speziallackierung von Teilen oder am ganzen Motorrad, kann laut Kuppinger natürlich auf Individualisierungswünsche des bisherigen Eigners zurückzuführen sein - sie kann aber auch dazu dienen, Schäden zu verdecken.

Als besonders kritisch gelten Sturzschäden im Zusammenhang mit modernen Aluminiumrahmen der Motorräder. „Bei einem Alu-Rahmen kann ein Sturzschaden schnell auch ein Totalschaden sein”, warnt Ruprecht Müller. Denn an einem beschädigten Alu-Rahmen lässt sich kaum etwas machen. Er müsste vielmehr ausgetauscht werden. Und zu einer schwerwiegenden Rahmenbeschädigung kann es mit viel Pech schon dann kommen, wenn das Motorrad nur einmal unglücklich umgefallen ist.

Bestehen Zweifel an der Unfallfreiheit oder werden Schäden am Rahmen vermutet, kann es laut Achim Kuppinger ratsam sein, den Rahmen von Fachleuten vermessen zu lassen. So eine Aktion kann zwar 150 bis 250 Euro kosten, schützt allerdings vor einer noch teureren Fehlinvestition oder gar vor einem Sturz mit einem Motorrad, dessen veränderte Rahmengeometrie zu verändertem Fahrverhalten geführt hat.

Apropos Fahrverhalten: Alle Experten raten vor dem Kauf zu einer ausgiebigen Probefahrt. Nur auf der Straße lässt sich erkennen, ob das Wunschmotorrad wirklich „passt”. Außerdem zeigt sich erst im Fahrbetrieb, ob der Motor rund läuft, oder ob sich das Motorrad unangenehm verhält und unschöne Geräusche macht.

Abgasuntersuchung bei Motorrädern

Seit 2006 müssen alle nach dem 1. Januar 1989 zugelassenen Motorräder alle zwei Jahre eine Abgasuntersuchung absolvieren. Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen rät dazu, vor einem Gebrauchtkauf zu klären, ob das Zweirad eine eventuell anstehende Prüfung auch wirklich erfolgreich absolvieren kann.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert