Mainz/Berlin - Zusatzversicherungen für Elektrogeräte sind für die meisten unnötig

Zusatzversicherungen für Elektrogeräte sind für die meisten unnötig

Von: Jan Kluczniok, dpa
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Objekt der Begierde: Flachbildschirme liegen im Trend, aber eine Zusatzversicherung rechnet sich nicht unbedingt. Foto: dpa

Mainz/Berlin. Die Slogans der Händler hören sich gut an: „Fünf Jahre Sicherheit für einen kleinen Betrag”, „Für diesen Artikel bieten wir Ihnen mit der 48-Monate-Langzeitgarantie noch mehr Sicherheit”, „Rundum-Schutz für Ihre elektronischen Geräte.”

Verbraucherschützer raten jedoch von sogenannten Reparaturversicherungen oder Garantieverlängerungen für Elektrogeräte ab. „Sie haben ohnehin zwei Jahre eine gesetzliche Gewährleistung auf alle elektronischen Geräte”, sagt Carmen Gahmig von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz.

Zumindest bei hochwertigen Elektrogeräten könnten Käufer ohnehin von einer längeren Lebensdauer ausgehen. „Defekte im Garantiezeitraum sind die Ausnahme”, sagt Gahmig. Unnötig und teuer lautete daher auch das Urteil der Stiftung Warentest in Berlin. Die Redaktion der Zeitschrift „Finanztest” (Ausgabe 10/2009) hatte die Angebote vier großer Elektromarktketten und mehrerer kleiner Händler verglichen. Das Problem sei, dass viele Verbraucher von diesen Versicherungen Leistungen erwarten, die nicht vorgesehen sind.

„Der Kunde denkt, wenn sein Gerät kaputt ist, kann er in den Laden gehen und erhält ein neues. Dem ist aber nicht so”, sagt Michael Sittig von „Finanztest”. So zahlen zwei große Ketten zum Beispiel lediglich den Zeitwert des Gerätes, wenn die Reparatur teurer ist als der aktuelle Wert. „Das kann dann nur noch ein Bruchteil des Kaufpreises sein.” Schließlich ändern sich die technischen Standards im Elektronikbereich schnell. „Hier wird Sicherheit suggeriert, in Wirklichkeit umfassen diese Versicherungen aber oftmals weniger Leistungen als die gesetzliche Gewährleistung”, sagt Gahmig.

Auch die Ausgabe von Ersatzgeräten müsse ausdrücklich im Vertrag geregelt sein, warnt „Finanztest”. Kunden sollten daher die Vertragsbedingungen vor Abschluss einer Versicherung genau lesen. Viele übersehen, dass nicht alle Reparaturen bezahlt werden. Im Kleingedrucktem finden sich Ausschlusslisten und teilweise auch Höchstsummen für die Übernahme von Reparaturkosten, warnt die Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt/Main.

Viele Verbraucher verließen sich jedoch blind auf die Aussagen des Händlers, ohne einen Blick in die Verträge zu werfen. Diese seien mitunter sehr komplex und unübersichtlich. Günter Hirsch, Ombudsmann für Versicherungen in Berlin, kennt die Problematik. Zwar sei die Zahl der Beschwerden in diesem Bereich sehr gering. 2008 gingen rund 150 Anträge beim Ombudsmann ein, 2007 waren es 178. Dennoch widmete er sich in seinem aktuellen Jahresbericht erstmals dem Thema. Er stellte dabei fest, dass es sich in den meisten Fällen um sehr komplizierte Verträge handelte, die für den Laien schwer verständlich sind. In den meisten Fällen habe er aber zu Ungunsten der Verbraucher entscheiden müssen.

Unnötig sei auch eine zusätzliche Versicherung gegen Diebstahl, die zum Teil gegen einen geringen Aufpreis angeboten wird. „Wenn Sie eine Hausratversicherung haben, sind Sie in der Regel gegen Einbruch und Raub geschützt und brauchen eine solche Zusatzversicherung nicht”, erklärt Gahmig. Zudem gelten auch hier zahlreiche Ausnahmebedingungen, bei denen der Versicherungsschutz nicht greift. Dem Jahresbericht von Günter Hirsch zufolge ist der Diebstahl üblicherweise nur dann versichert, wenn der Versicherungsnehmer zum Zeitpunkt der Tat das Gerät im gesicherten Gewahrsam hatte. Das kann bedeuten, dass die Geräte praktisch ständig am Körper getragen und im Blick behalten werden müssen.

Wer dennoch eine Versicherung abschließen möchte, sollte sich zunächst überlegen, für welche Geräte sie überhaupt Sinn macht. Schließlich gewährt das Gesetz Kunden die Möglichkeit, zwei Jahre lang Mängel zu reklamieren. „Geht ein günstiges Gerät nach diesem Zeitraum kaputt, ist das zwar ärgerlich, aber in den meisten Fällen kann ich es schnell durch ein neueres Modell ersetzen, ohne dass mich das existenziell gefährdet”, sagt Sittig. Bei teuren Geräten, die man sich nicht ohne weiteres wieder anschafft, etwa einem Plasmafernseher, kann ein Schutzbrief dagegen hilfreich sein. Praktisch ist es auch, wenn die Versicherung Verschleißteile wie Notebookakkus oder DVD-Laufwerke ersetzt.
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