Wirksamer Insektenschutz für Haus und Wohnung

Von: Thomas Voigt, ddp
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Insekten
Im Sommer helfen Fliegengitter gegen Insekten. Foto: ddp

<b>Berlin/Heidelberg. </B>Die langersehnte warme Jahreszeit hat auch Schattenseiten: Insekten in Wohn- und Schlafräumen oder in der Küche können zur Plage werden. „Am besten lassen Sie solche Schädlinge gar nicht erst ins Haus”, sagt Annegret Jende, Projektleiterin für Umwelt und Gesundheit der Stiftung Warentest in Berlin.

Wer ein paar Regeln beachte, könne sich viel Arbeit und Ärger sparen: „Überprüfen Sie Ihre Einkäufe auf Insektenbefall. Dichten Sie Fugen und Löcher im Mauerwerk ab. Und bringen Sie Fliegengitter an.” „Fliegengitter für die Fenster sind waschbar und sehr leicht zu montieren”, empfiehlt auch Dominik Hammerschmidt, Redaktionsleiter des Infodienstes „Insektenschutz im Haus” in Heidelberg.

Ebenso einfach lasse sich das Gitter in den Wintermonaten wieder entfernen. Es wird am Fensterrahmen mit einem selbstklebenden Klettband befestigt. Fliegengitter und Klettband sind so dünn, dass das Fenster ohne Probleme geöffnet und geschlossen werden kann. Weil die Fenster bei der Montage unbeschädigt blieben, eigneten sich Fliegengitter auch als Insektenschutz in Mietwohnungen, sagt Hammerschmidt.

„Das Netz ist engmaschig genug, so dass keine Schnaken, Bienen, Wespen oder Spinnen in die Wohnung kommen können”, so der Experte weiter. „Erhältlich sind diese Gitter meist im Baumarkt oder zum Saisonbeginn auch schon mal bei einem Lebensmitteldiscounter.” Annegret Jende rät außerdem, zur wirksamen Vorbeugung die Abfalleimer geschlossen zu halten und schmutziges Geschirr nicht stehen zu lassen.

„Lagern Sie Lebensmittel kühl, trocken und in Behältern mit Gummidichtungen”, empfiehlt die Fachfrau: „Und stellen Sie ältere Vorräte nach vorn, um sie besser kontrollieren zu können.” Kleidungsstücke sollten nach Jendes Angaben möglichst häufig gelüftet, Wintersachen während des Sommers in dicht schließenden Beuteln aufbewahrt werden.

Auch Sauberkeit und Frischluft seien stets empfehlenswert: „Saugen Sie regelmäßig Staub, auch hinter Schränken. Säubern Sie Vorratsschränke. Lüften Sie mehrmals täglich etwa fünf Minuten auf Durchzug. Wenn Sie abends lüften, machen Sie das Licht aus.”

Vor dem Einsatz chemischer Insektenmittel warnen Hammerschmidt und Jende einvernehmlich. „Diese Gifte sind oftmals gesundheitsschädlich und nicht nebenwirkungsfrei”, mahnt Experte Hammerschmidt. „Viele Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen enthalten die gleichen Wirkstoffe wie in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzte Pflanzenschutzmittel”, ergänzt Annegret Jende. In Händen von Laien seien sie um ein Vielfaches gefährlicher.

„Zudem sind Chemikalien, die grundsätzlich ein Risiko für die Gesundheit bergen, in geschlossenen Räumen sehr viel schädlicher sind als im Freien”, erklärt die Wissenschaftlerin. Die Wirkstoffe lagerten sich auf Oberflächen von Wänden, Böden und Möbeln ab und gelangten von hier wieder in die Raumluft. Auch würden sie in Innenräumen wesentlich langsamer abgebaut als im Freien, wo die UV-Strahlung den Abbau beschleunigt. Deshalb können sie nach Jendes Worten noch Monate oder Jahre nach der Anwendung die Gesundheit der Bewohner gefährden.

Ihr Ratschlag lautet deshalb: „Wenn Sie absolut nicht auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten wollen, sollten Sie sie gezielt und sparsam einsetzen. Dazu ungeeignet sind Sprays, Spritz- und Stäubemittel sowie Elektroverdampfer. Am günstigsten sind noch Köderdosen.” Deutlich weniger gefährlich und dennoch effektiv seien mechanische Mittel wie der traditionelle Fliegenfänger an der Zimmerdecke. Denn auch Schädlinge haben Schwächen, schildert Jende: Sie mögen bestimmte Gerüche oder Farben. Im Handel erhältliche Fallen ködern die Insekten deshalb mit Fraß- oder Sexuallockstoffen. Sobald sich die Tiere niederlassen, kleben sie fest. Zwar können derlei mechanische Methoden die Plage nicht komplett beseitigen. Aber sie zeigen einen Befall frühzeitig an und halten die Population klein.

Zur Bekämpfung von Ameisen genügen laut Dominik Hammerschmidt oftmals schon doppelseitige Klebebänder an Fenstern oder Terrassentüren. Ebenso bewährt habe sich eine Mischung aus Borax, Zucker und Wasser oder das gezielte Verstreuen von Backpulver, um ganze Ameisennester langfristig zu zerstören. Auch Kakerlaken, so Hammerschmidt, ließen sich auf diese Weise chemiefrei bekämpfen.

Zwei Schädlingsarten befallen die Wohnungen im Frühling besonders oft, so die Erfahrung der Stiftung-Warentest-Expertin: Die Dörrobstmotte lebt als Larve beispielsweise gern in längst vergessenen Zutaten der Weihnachtsbäckerei. Im Frühjahr suchen die Falter nach Eiablageplätzen in anderen Lebensmitteln oder auch in Hunde- oder Kleintierfutter. Der Wollkrautblütenkäfer ist meist im Herbst zum Überwintern in die Wohnung eingezogen.

Die Larven fressen gern Haustierfutter, Federn, Pelze oder Wolle. Im Frühling wollen die Käfer hinaus ins Freie und werden dabei leicht entdeckt. Jende empfiehlt, die Tierchen am besten mit dem Staubsauger zu entfernen, befallene Lebensmittel oder Textilien zu entsorgen oder einige Tage bei -18 Grad einzufrieren. Müsli, Nüsse und Tierfutter sollten in dicht schließende Behälter umgefüllt werden.

Motten und Silberfische sind nach Dominik Hammerschmidts Erfahrung nicht ganz so einfach zu bekämpfen: ”Sind sie erst einmal in der Wohnung, wird man sie nur schwer wieder los.” Lavendelsträuße seien ein guter Tipp gegen die Tiere. Motten könnten auch mit Pheromonfallen bekämpft werden: Die Männchen werden von ihnen angelockt und bleiben am Köder kleben.

Die Stiftung Warentest in Berlin bietet für 18,00 Euro die Bestimmung im Haus gefundener Insekten an und empfiehlt gleichzeitig wirksame chemiefreie Vorbeugungs- und Bekämpfungsmethoden. Teilnahmecoupons gibt es im Internet unter test.de/themen/haus-garten/analyse. Das Insekt oder die Larve sollte in einem verschließbaren Behälter gefangen und durch Zugabe eines in 70-prozentigen Alkohol oder Brennspiritus getränkten Wattebausches getötet werden. Das tote Insekt legt man dann in eine Filmdose, verschließt diese fest und sendet sie samt Teilnahmecoupon an: Stiftung Warentest, Umweltanalyse „Schädlinge”, Lützowplatz 11-13, 10785 Berlin.
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