Winzer stellen pro Jahr über 800 Azubis ein

Von: Felix Rehwald, dpa
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Handarbeit gehört zum Beruf. In der Ausbildung lernen angehende Winzer aber auch, Trauben maschinell zu lesen. Foto: dpa

Bonn. Wein aus deutschen Landen ist beliebt. 9,2 Millionen Hektoliter wurden laut dem Deutschen Weininstitut im vergangenen Jahr in den 13 Anbaugebieten erzeugt - fast die Hälfte der von Verbrauchern in Deutschland insgesamt getrunkenen 20,3 Millionen Hektoliter.

Ohne Winzer gäbe es keinen einzigen Tropfen: Sie tragen dafür Sorge, dass jedes Jahr Spätburgunder-, Riesling- oder Müller-Thurgau-Trauben in der Sonne reifen. Und sie kümmern sich darum, dass sie Trauben gelesen, gekeltert, zu Wein vergoren, in Flaschen gefüllt und verkauft werden.

Die Winzerausbildung dauert drei Jahre, wie Klaus Rückrich vom Deutschen Weinbauverband (DWV) in Bonn erläutert. Azubis lernen im Betrieb und in der Berufsschule. Die Ausbildung begleite den Prozess vom Anbau der Traube bis zur Vermarktung. Azubis lernen den Weinberg mit den Arbeiten am Rebstock ebenso kennen wie die Kellerwirtschaft und Vermarktung der Weinerzeugnisse.

Jungpflanzen setzen, Weinstöcke beschneiden, Unkraut und Schädlinge bekämpfen sowie die Traubenlese von Hand oder mit Maschinen gehören zu den Ausbildungsinhalten im Weinberg. Spaß an körperlicher Arbeit im Freien sei daher eine der Voraussetzungen, die Azubis mitbringen sollten, erläutert die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn.

Auch Interesse für das Herstellen und Verarbeiten von Lebensmitteln sei wichtig. Und Lehrlinge brauchen einen guten Geschmacks- und Geruchssinn.

Azubis sollen im Ausbildungsbetrieb ebenfalls das Keltern und die Steuerung und Überwachung des Gärprozesses lernen. Dazu gehört, mit welchen Methoden sich die Weinqualität verbessern lässt. Um die Gärprozesse zu verstehen und Mostgewichte, Anreicherungen und Entsäuerungen zu berechnen, ist laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) Interesse an Biologie und Mathematik nötig. Außerdem wird Sorgfalt großgeschrieben, da die Weinreben auf besondere Art anzuzüchten, zu veredeln und zu pflegen sind.

Ein größter Irrtum von Azubis sei, „dass die Winzerausbildung eine rein weinselige Angelegenheit ist”, sagt DWV-Präsident Norbert Weber. Er ist Winzer bei einer Genossenschaft in Bischoffingen am Kaiserstuhl. „Es sind viel Engagement und präzises Arbeiten notwendig, bis aus den Trauben Wein geworden ist. Es geht darum, die im Weinberg gewachsene Qualität der Trauben möglichst verlustfrei in die Flasche zu überführen.”

Etwa 800 bis 900 Auszubildende stellen die Betriebe jährlich ein, sagt Rückrich, der das Thema Ausbildung im DWV betreut. Die meisten Ausbildungsbetriebe befänden sich in den Anbaugebieten entlang des Rheins. Auffällig sei, dass unter den Kandidaten für eine Lehrstelle auch viele Bewerber sind, die keinen „Weinbau-Background” mitbringen. Als Richtwerte für die Ausbildungsvergütung nennt die BA im ersten Jahr 506 Euro, im zweiten 558 Euro und im dritten 644 Euro.

Nach der Lehre fänden Fachkräfte Jobs in allen Bereichen, die sie zuvor als Azubi kennengelernt haben, erklärt Klaus Rückrich. Die Aussichten sind laut DWV-Präsident Weber gut - sowohl im Weinbau, in der Kellerwirtschaft, der Vermarktung als auch im Vertrieb. „Auch im Weinsektor geht man davon aus, dass der Bedarf an Fachkräften noch zunehmen wird.”

Als mögliche Arbeitgeber kommen neben Weingütern und Winzergenossenschaften auch Handelsfirmen in Betracht. Die Grundvergütung für Winzer kann nach BA-Angaben von 1588 Euro bis 1942 Euro brutto im Monat reichen.

Nach der Lehre können Winzer sich Weber zufolge zum Meister oder staatlich geprüften Techniker fortbilden. Oder sie satteln ein weiterführendes Studium drauf. Einige Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland bieten dafür die Studiengänge Weinbau, Oenologie oder Weinbauwirtschaft mit den Abschlüssen Bachelor, Master oder Diplom-Ingenieur an.

Die Fachhochschule RheinMain bietet in Geisenheim zum Beispiel den Studiengang „Weinbau und Oenologie” an. Ein Hochschulabschluss mache Winzern heute weitere Karriereschritte erst möglich, erläutert Prof. Otmar Löhnertz von der Hochschule. „Überall, wo es um gehobenere Stellen geht, wird heute ein Studium verlangt.” Früher reichte dazu noch der Winzermeister aus. Heute seien die Anforderungen in Stellenausschreibungen meist so hoch, dass praktisch nur noch Hochschulabsolventen zum Zuge kämen.

Rund die Hälfte der Absolventen geht Löhnertz zufolge zurück in den Familienbetrieb. Andere arbeiten als Betriebsleiter in Weingütern und Winzergenossenschaften, als Spezialist in der Zulieferindustrie und Gastronomie oder in der Vermarktung - zum Beispiel als Chefeinkäufer eines Lebensmittelkonzerns.
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