Radarfallen Blitzen Freisteller

Wie der Fiskus sich am Hobby beteiligt

Von: Michael Schreiber
Letzte Aktualisierung:
reiten pferde
Teures Hobby: Das Wochenende im Reitstall wirft auch Steuern ab. Foto: dpa

Aachen. Der Reitstall am Wochenende, die Kunstsammlung oder das Weingut - auch Hobbys können Gewinn abwerfen. Kosten in diesem Zusammenhang können sich daher günstig auf die Steuer auswirken.

Wer ein Hobby betreibt, kann die Allgemeinheit unter Umständen an den Kosten beteiligen. Angesichts leerer Staatskassen schaut der Finanzbeamte aber kritischer als früher auf die Eintragungen im Steuerbogen. Beliebte Konstruktionen zum Steuersparen geraten immer häufiger ins Visier der Prüfer. Von der pensionierten Beamtin, die sich ihren Ruhestand als Reiseschriftstellerin versucht und die Kosten für Flug und Hotel vom Fiskus zurückerhalten will. Oder die Modedesignerin, die in ihrer Freizeit ein Kunsthandwerk betreibt. Die Sportjacht etwa, die zwar überwiegend in der Freizeit selbst genutzt wird, der Oldtimer, der guten Freunden auch mal für Hochzeitsfeiern vermietet wird und das eigene Weingut. All diesen Betätigungen haben eines gemeinsam. Sie werden in der Regel privat genutzt und nicht zum Zweck der Gewinnmaximierung. An den entstandenen Verlusten soll sich das Finanzamt dennoch beteiligen. Das macht zum Beispiel dann Sinn, wenn man über weitere positive Einnahmequellen verfügt und die roten Zahlen aus der Betreibung des Hobbys damit Steuersparend verrechnen will.

Liebhaberei oder Geschäftsmodell

Wie viel Verluste sind erlaubt, wann wird es gefährlich und wie können sich Steuerzahler wehren, wenn der Finanzbeamte die Verluste nicht anerkennen, sondern streichen will? Drücken die Finanzbeamten dem Sparmodell erst den Stempel der im Fachjargon genannten "Liebhaberei" auf, werden sämtliche Steuerersparnisse gestrichen. Wurden bereits Vorteile gewährt, müssen diese gnadenlos zurückgezahlt werden.

Der Fiskus muss also davon überzeugt werden, dass man mit der Tätigkeit tatsächlich Profit erzielen will. Im Mittelpunkt jeder Prüfung steht daher die Gewinnerzielungsabsicht. Übersteigen die zu erwartenden Erträge aus der Betreibung des Hobbys langfristig die damit verbundenen Kosten? Finanzbeamte sprechen in diesem Fall vom Totalgewinn. Um dies dem Finanzamt glaubhaft darzustellen, eignen sich zum Beispiel Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit, Untersuchungen des Marktes und der Plan B, wie man auf entstandene Verluste reagieren will. Wer natürlich zudem in dem Fach eine Ausbildung vorweisen kann, punktet bei der Prüfung.

Gewinne spätestens nach 5 Jahren

Wer Angehörige begünstigt und offenkundig private Motive verfolgt, wird meist keinen Erfolg beim Finanzamt erzielen. Denn es ist nur ein sehr schmaler Grat, zwischen An- und Aberkennung. Oftmals wird ein Bescheid auch nur vorläufig rausgegeben und die Beamten warten ab, wie sich das Modell entwickelt. Wie lange diese Zeitspanne der Geduld andauert, hängt immer vom Einzelfall ab.

Der Bundesfinanzhof in München hat entschieden, dass jedem Unternehmer eine Anlaufphase von mindestens fünf Jahren zugebilligt werden muss. Erst danach werden die Beamten zunehmend ungemütlicher, wenn noch keine Gewinne in Aussicht sind. Dann muss ein schlüssiges Betriebskonzept vorgelegt werden, um die Verluste einzudämmen, um innerhalb kurzer Zeit in die schwarzen Zahlen zu kommen. Ob Pferdestall, Weingut, oder Restaurant -; der Betrieb muss nachweislich professionell geführt werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert