Wer zahlt noch drei Prozent Zinsen?

Von: Max Geißler
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Wenn Krisenstimmung herrscht:
Mini-Zinsen, die deutlich unterhalb der Inflationsrate liegen: Wer sich damit nicht anfreunden kann, sollte den Vergleich nicht scheuen. Foto: imago/Emil Umdorf

Aachen. Sparer lechzen nach Rendite. Eine Besserung ist derzeit allerdings nicht in Sicht. Welche Auswege gibt es für Anleger?

Sparer leben derzeit auf schmalem Fuß und müssen sich bei einjährigem Festgeld mit 0,60 Prozent Zinsen begnügen - Tendenz: fallend. Das zumindest geht aus dem Biallo-Festgeld-Index hervor. Wer sich mit diesen Mini-Zinsen, die deutlich unterhalb der Inflationsrate liegen, nicht anfreunden kann, der sollte den Vergleich nicht scheuen.

Spitzenanbieter bezahlen mehr als doppelt so hohe Zinsen wie der Durchschnitt, so zum Beispiel die schwedische Klarna Bank mit 1,70 Prozent oder die VTB Bank gar mit 1,75 Prozent. Unangefochten auf Platz eins ist derzeit die bulgarische Fibank. Die Osteuropäer vergüten zwölfmonatiges Festgeld mit 2,9 Prozent. Besonders interessant auch: Als EU-Mitglied sind Einlagen in Bulgarien bis zu 100.000 Euro pro Anleger per Gesetz geschützt. Davon können Anleger, die Genussscheine besitzen, nur Träumen, wie man aktuell im Fall Prokon sieht.

Wem ausländisches Festgeld nicht zusagt, dem bieten sich auch hierzulande Anlagemöglichkeiten. Hier haben gerade Direktbanken die Nase vorne. Für einjähriges Festgeld bezahlen beispielsweise die Deutsche Pfandbriefbank (Pbb direkt) und die Merkur Bank 1,5 Prozent Zinsen, dicht gefolgt von der SWK Bank, die 1,3 Prozent ausschüttet. Allerdings erzielt man selbst mit den Top-Konditionen keinen echten Vermögenszuwachs, denn der Zinsertrag bewegt sich auf Augenhöhe der Inflation.

Lange Laufzeit - hohe Zinsen

Damit das Ersparte also nicht der Teuerung zum Opfer fällt, müssen höhere Zinsen her. Das Schlüsselwort lautet hierbei Laufzeit. Im Einzelfall sind dann sogar drei Prozent drin. So honoriert die Pbb direkt ein zehnjähriges Engagement mit drei Prozent pro Jahr. Mit der Option Wiederanlage können sich Sparer zudem den Zinseszinseffekt zu Nutze machen. Bei einer Anlage von 10.000 Euro summiert sich so der Ertrag auf 3.439 Euro -; 439 Euro mehr als bei jährlicher Auszahlung. Die niederländische NIBC Bank überbietet dieses Angebot um 0,1 Prozentpunkte, es gilt allerdings schnell zu sein, denn dieses Zinsversprechen gilt nur noch bis zum 26. Februar. Daneben haben andere Institute vergleichbare Produkte in ihren Verkaufsprospekten. Kunden der Credit Europe Bank erhalten 2,9 Prozent, die Von Essen Bankgesellschaft bietet 2,85 Prozent und die Bausparkasse Mainz (BKM) überweist 2,81 Prozent der eingelegten Summe an Zinsen.

Vorsicht vor zu langen Laufzeiten

Eine Zinsbindung von zehn Jahren geht allerdings mit Risiken einher, denn niemand kann die Inflations- und Zinsentwicklung vorhersagen. Steigen also die Zinsen in wenigen Jahren deutlich an, laueren Verluste, da die Festgeldzinsen nicht mitsteigen. Diesem Risiko lässt sich mit kürzeren Laufzeiten Herr werden. Ein geeigneter Mittelweg ist, fünfjähriges Festgeld zu wählen. Zwar liegen dann die Zinsen etwas um einen halben Prozentpunkt unter dem Niveau von zehnjährigen Bindungsfristen, dafür ist aber das Anlagerisiko auch nur halb so hoch. Auch in diesem Segment zählt Pbb direkt mit 2,4 Prozent zur Spitzengruppe. Einen Hauch dahinter folgt die Renault Bank direkt mit 2,35 Prozent, sowie das Dreiergespann bestehend aus Deniz Bank, Bigbank und Ziraat Bank mit jeweils 2,3 Prozent. Letztere schüttet den Ertrag aber am Laufzeitende ohne Zinseszinsen aus. Die übrigen Institute zahlen jährlich Zinsen, so können Sparer bei Wiederanlage ihren Ertrag steigern.

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