Berlin/Nürnberg - Wenn der Lehrbetrieb pleitegeht: Kammern helfen den Azubis

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Wenn der Lehrbetrieb pleitegeht: Kammern helfen den Azubis

Von: Sebastian Knoppik, dpa
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Wenn ein Unternehmen Insolvenz anmeldet, ist das für die gesamte Belegschaft bitter, auch für die Azubis. Foto: Bernd Wüstneck, dpa

Berlin/Nürnberg. Wenn ein Ausbildungsbetrieb pleitegeht, haben die Lehrlinge oft das Nachsehen. Wird ihnen gekündigt, sollten sie sich schnell um eine neue Stelle kümmern. Arbeitsagentur und Kammern helfen dabei.

In der Wirtschaftskrise sind mehr Jugendliche vom unfreiwilligen Ende ihrer Ausbildung betroffen als sonst. Für Arbeitgeber gibt es daher leichter Zuschüsse, wenn sie einen Azubi aus einem Insolvenzbetrieb übernehmen.

„In den letzten Wochen und Monaten registrieren wir verstärkt Anfragen von Jugendlichen, deren Ausbildungsvertrag wegen der Insolvenz des Betriebs gekündigt wurde”, sagt Dirk Neumann, der beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) unter anderem für den Bereich Berufliche Bildung zuständig ist.

Geht ein Ausbildungsbetrieb in die Insolvenz, ändert sich für Auszubildende ähnlich wie für die anderen Arbeitnehmer meist aber zunächst nichts, erklärt Esther Hartwich, Expertin für Bildungsrecht beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK): „In der Regel geht der Betrieb ganz normal weiter. Der Auszubildende erhält weiter seine Vergütung und ist auch weiterhin verpflichtet, seinen Arbeitspflichten nachzukommen.”

Ernst wird es für den Lehrling, wenn ihm im Zuge einer Insolvenz die Kündigung ausgesprochen wird. „Die wichtigste Regel ist, dass man als Auszubildender keine Dokumente im Zusammenhang mit der Kündigung unterschreiben sollte, bevor man sich nicht fachlichen Rat geholt hat.” Es komme immer wieder vor, das Arbeitgeber oder Insolvenzverwalter versuchen, durch Aufhebungsverträge oder ähnliche Vereinbarungen einen Vorteil zu erlangen, sagt Neumann.

Beliebig feuern kann der Chef selbst im Falle einer Pleite nicht. „Auch bei einer Insolvenz des Ausbildungsbetriebs ist die Kündigung nur bei einem wichtigen Grund möglich”, sagt Esther Hartwich. Vor Eröffnung des Insolvenzverfahren sei das nur bei einer Stilllegung des Betriebs möglich: „In diesem Fall kann der Auszubildende auch fristlos entlassen werden.” Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei die Kündigung auch dann möglich, wenn ein Ausbildungsbetrieb nicht mehr möglich ist. In diesem Fall gelte dann eine dreimonatige Kündigungsfrist.

Erste Ansprechpartner nach der Kündigung sind die Kammern und die Arbeitsagentur. Sie helfen nicht nur bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz. Insbesondere die Arbeitsagentur kann auch Überbrückungsmaßnahmen vermitteln. Der Azubi sollte aber möglichst auch seinen bisherigen Chef in die Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz einspannen.

Der Ausbildungsbetrieb sei zwar im Fall einer Insolvenz rechtlich nicht verpflichtet, bei der Suche nach einer neuen Ausbildungsstätte zu helfen, erklärt Esther Hartwich vom DIHK: „Aber natürlich sollte auch der Arbeitgeber seinem bisherigen Azubi im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen.” Ihren Erfahrungen nach gelingt es Azubis durch die Vermittlung der Kammern in der Regel recht schnell, nach der Insolvenz einen neuen Ausbildungsplatz zu finden.

„Die Chancen, umgehend in eine Anschlussausbildung einzumünden, hängen nicht unerheblich von der Anzahl der potenziellen Übernahmebetriebe ab”, sagt Kurt Eikemeier, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. Außerdem sei es leichter für Azubis, die eher am Beginn ihrer Ausbildung stehen.

Um einen neuen Ausbildungsbetrieb für einen durch eine Insolvenz „gestrandeten” Auszubildenden zu gewinnen, kann die Arbeitsagentur einen Ausbildungsbonus bewilligen. Dieser Zuschuss kann über die gesamte Ausbildungszeit bis zu 6000 Euro betragen.

Normalerweise wird diese Förderung nur gezahlt, wenn dadurch ein zusätzlicher Ausbildungsplatz geschaffen wurde. Im Zuge der Wirtschaftskrise wurde die Regelung aber geändert: „Auf das Kriterium kann bei Einstellung von Jugendlichen, die ihren Ausbildungsplatz wegen Insolvenz, Stilllegung oder Schließung des Ausbildungsbetriebes verloren haben, verzichtet werden”, erklärt Eikemeier.

Neben dem Ausbildungsbonus des Bundesarbeitsministeriums gibt es nach Esther Hartwichs Angaben ähnliche Förderprogramme der Länder. Ob ein Auszubildender nach der Kündigung weiter die Berufsschule besuchen kann, sei von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
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