Frankfurt/Main/Bonn - Wasser richtig sparen: Weniger Fleisch essen und regional einkaufen

Wasser richtig sparen: Weniger Fleisch essen und regional einkaufen

Von: Florian Sanktjohanser, dpa
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erdbeeranbau
Besser regional einkaufen: In Südeuropa ist die Bewässerung laut WWF oft ineffizient - oder es wird sogar illegal gezapft, wie hier für den Erdbeeranbau in Spanien. Foto: dpa

Frankfurt/Main/Bonn. Im Wassersparen macht den Deutschen so schnell keiner etwas vor. Nur noch 122 Liter verbraucht jeder Bundesbürger laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden pro Tag für Duschen, Waschen oder Zähneputzen - also 22 Liter weniger als 1991.

Einen sehr guten Durchschnittswert nennt das sogar die Umweltschutzorganisation WWF in Frankfurt. Das ist die helle Seite der Medaille, die sichtbare. Die dunkle Seite ist gut versteckt - es ist das sogenannte virtuelle Wasser, das die Deutschen Tag für Tag verbrauchen in Form von Fleisch, Kaffee, T-Shirts, Autos.

Auf 5288 Liter schnellt der persönliche Wasser-Fußabdruck hoch, wenn die Menge an sauberem Frischwasser einberechnet wird, die bei der Herstellung aller Verbrauchsgüter verdunstet, verbraucht oder verschmutzt wird. Die Zahl stammt aus der WWF-Studie „Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands”. Andere Berechnungen kommen auf etwas mehr als 4000 Liter. Das große Problem ist, dass rund die Hälfte davon in Ländern versickert, in denen sauberes Wasser ohnehin knapp ist.

Was können Verbraucher also tun? Bisher wenig, sagt WWF-Sprecher Roland Gramling. Denn so lange auf den Verpackungen nicht angegeben sei, wie viel Wasser für die Herstellung von Produkten verbraucht wurde, sei wasserschonendes Einkaufen schwierig. Ein paar Faustregeln gibt es aber doch. Mit ihrer Hilfe lässt sich der individuelle Wasser-Fußabdruck um einige Nummern verkleinern.

Weniger Fleisch essen

Den größten Teil des in Verbrauchsgütern steckenden Wassers schluckt die Landwirtschaft - laut WWF rund 3900 Liter des täglichen Pro-Kopf-Verbrauchs. Deshalb sind die Ernährungsgewohnheiten ein starker Hebel für Veränderungen. Wer seinen Speiseplan wasserfreundlich umstellen will, sollte laut Rainer Berg vor allem weniger Fleisch essen. Denn für ein Kilo Weizen werden 1300 Liter Wasser benötigt, für ein Kilo Rindfleisch mehr als 15.000 Liter, rechnet der Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz in Bonn vor.

Es gehe nicht darum, strikter Vegetarier zu werden. Sondern um das weniger, aber besser. „Wir sollten wieder auf den Sonntagsbraten zurückkommen, statt jeden Tag Berge von Fleisch zu essen. Dann würde man das Fleisch auch wieder als etwas besonderes wertschätzen”, sagt Berg.

Regional und saisonal einkaufen

Die beste Wasserbilanz habe heimisches Fleisch aus Freilandhaltung, sagt Berg: „Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft beim Hofladen oder beim Biometzger.” Auch bei Gemüse orientieren sich Verbraucher am besten an der bekannten Nachhaltigkeitsregel, regional und saisonal einzukaufen. Denn wer zum Beispiel Erdbeeren außerhalb der Saison kauft, müsse damit rechnen, dass sie von bewässerten Feldern aus Südeuropa stammen. Der WWF fasst in seiner Studie zusammen, dass „die aus dem Mittelmeerraum, Nordafrika, Israel und der Türkei importierten Produkte derzeit nur in den wenigsten Fällen den Anforderungen an eine effiziente Bewässerung genügen”.

Wer darüber hinaus auf das Bio-Siegel achtet, spart noch mehr virtuelles Wasser. Denn in der biologischen Landwirtschaft kämen in der Regel weniger Pestizide zum Einsatz, die das Wasser verschmutzen, erklärt Jörg Rechenberg vom Umweltbundesamt in Dessau.

Bei Kaffee und Schokolade Fair-Trade-Produkte wählen

Viele Pflanzen wachsen aber nun mal nicht im wasserreichen Mitteleuropa, mag mancher einwenden. Und genau sie liegen beim Wasser-Fußabdruck des Durchschnitts-Deutschen an der Spitze. Besonders Kaffee und Kakao ziehen enorm viel Wasser aus dem Boden. Am meisten virtuelles Wasser importiert Deutschland deshalb aus Brasilien, verborgen in riesigen Mengen Kaffee und Soja. Nummer zwei ist die Elfenbeinküste, der große Kakaolieferant der Deutschen.

Sabine Letz von Utopia, dem Internetportal für strategischen Konsum, empfiehlt Verbrauchern deshalb, den Konsum von Kaffee und Kakao „extrem einzuschränken”. So weit möchte Gramling nicht gehen. „Wir wollen nicht, dass die Leute aufhören, Kaffee zu trinken.” Schließlich sei Kaffee eine wichtige Einnahmequelle für einige Entwicklungsländer. Auch Berg hält es für sinnvoller, fair gehandelten Kaffee oder Kakao zu kaufen, statt ganz zu verzichten. Dadurch würden Kleinbauern gefördert, die in der Regel nachhaltiger anbauen.

Bei Geräten und Kleidung auf Qualität achten

Noch weniger nahe ist vielen Käufern der Gedanke, dass auch in Industrieprodukten wie Autos oder T-Shirts virtuelles Wasser steckt. Doch bei der Herstellung von Stahl werden laut Gramling riesige Mengen verbraucht. Und Baumwolle sei so durstig wie kaum eine andere Kulturpflanze. Viele Felder liegen dennoch in trockenen Ländern wie Indien, der Türkei oder Pakistan und werden einfach geflutet, 41 Prozent des Wassers verdunsten dabei laut WWF. Zwar gibt es bereits Baumwolle mit Öko-Siegel, für deren Anbau weniger Wasser mit Pestiziden verschmutzt wird.

Der beste Rat fürs Shoppen ist laut Berg aber, qualitativ hochwertige und damit langlebige Waren zu kaufen. Wer sein Handy erst nach drei statt nach zwei Jahren austausche, spare ein Drittel des virtuellen Wassers - und kann sich zur Belohnung locker ein Steak vom Biometzger leisten.
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