Warme Füße und wohlige Raumtemperatur mit Fußbodenheizung

Von: Sascha Rettig, dpa
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Fußbodenheizung
Hoch effektiv: Moderne Heizsysteme im Fußboden werden mit Wasser betrieben, das durch Schläuche im Fundament läuft. Foto: dpa

Hagen/Berlin. Barfuß-Laufen ist gesund und angenehm. Es sei denn, man friert auf dem kalten Boden. Fußbodenheizungen beugen dem vor. Nur der nachträgliche Einbau in Altbauten ist nicht ganz so einfach.

Schon die alten Römer wussten eine Fußbodenheizung zu schätzen: Sie sorgt für angenehme Behaglichkeit und ein kuschelig-warmes Gefühl an den Füßen. Heute ist das nicht anders. Es gibt mittlerweile diverse Systeme, die die Wohnung oder das Haus ganzjährig zur Barfußzone machen. Und meist spart man damit sogar noch Geld, denn eine Fußbodenheizung verbraucht weniger als eine gewöhnliche Radiatorheizung mit Wärmekörpern an der Wand.

„Ein Radiator benötigt höhere Temperaturen und Vorlauftemperaturen von etwa 50 bis 60 Grad”, sagt Joachim Plate vom Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen in Hagen. „Fußbodenheizungen brauchen im Vergleich dazu nur etwa 35 Grad.” Somit sei nicht nur die Wärmeerzeugung effektiver, sondern auch der Verteilverlust geringer. Zudem ist das Wärme-Empfinden der Menschen über eine Fußbodenheizung selbst bei niedrigerer Lufttemperatur angenehmer, sagt Plate: „Die Energieeinsparmöglichkeit liegt daher zwischen acht und zwölf Prozent.”

Moderne Fußbodenheizungen werden obendrein nur noch selten mit Strom betrieben. „Die sind nicht mehr zeitgemäß, weil der Strom viel zu teuer ist”, sagt Michael Pommer von der DIY-Academy in Köln. Die neuen Systeme sind wasserführend und werden mit Niedertemperatur betrieben. Das sei eine der effektivsten Heizmöglichkeiten, die es derzeit gibt: „Weil die gleichmäßig nach oben abstrahlt, liegt die gefühlte Temperatur beispielsweise bei 21 bis 22 Grad - obwohl die Heizung nur auf 19 Grad eingestellt ist.”

Verlegesystem hängt von den Möglichkeiten auf der Baustelle ab

Für welches Verlegesystem einer Fußbodenheizung man sich entscheidet, hängt von den Möglichkeiten auf der Baustelle ab. Prinzipiell raten Experten zum Einbau einer Fußbodenheizung beim Neubau. „Nachträglicher Einbau - etwa bei einer Renovierung - bringt oft größeren Aufwand und höhere Kosten mit sich”, sagt Bertram Abert, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Estrich und Belag im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes in Berlin.

So kommt etwa das aufwendige, nassverlegende System nur für einen Neubau oder im Rahmen einer Kernsanierung eines Altbaus infrage. „Dann hat man alle Freiheiten zum Einbau einer Fußbodenheizung”, sagt Plate. Voraussetzung beim Altbau ist allerdings, dass der Fußboden-Aufbau entfernt wird und es eine Rohbaudecke wie in einem Neubau gibt. Aufgrund der langen Trockenzeiten des Estrichs dauert der Einbau dieses Systems zwischen 7 und 21 Tagen. „Zunächst werden ein Wärmeschutz und eine Trittschalldämmung eingebaut, dann werden die Heizungsrohre befestigt, und schließlich wird der Estrich eingebaut”, erläutert Plate.

Für einen weniger aufwendigen Umbau eignet sich das sogenannte Dünnschichtsystem. Dieses sei schnell nachrüstbar, sagt Plate. „Dafür wird auf den Bodenbelag, etwa ein Estrich oder Fliesen, eine Noppenplatte geklebt, die eine feste Verbindung mit dem Untergrund eingeht.”

Vorteile eines solchen Dünnschichtsystems seien eine sehr kurze Einbauzeit und die niedrige Aufbauhöhe von etwa zwei Zentimeter. „Es kann allerdings Wärme verloren gehen, wenn kein ausreichender Wärmeschutz des vorhandenen Fußbodenaufbaus besteht”, erläutert Plate. Denn hierbei wird nicht wie bei anderen Systemen eine zusätzliche Dämmschicht eingebaut.

Ebenfalls zum Nachrüsten eignen sich laut Plate Systeme, die trocken verlegt werden. Diese sind auch vorteilhaft in Altbauten mit Holzbalkendecken, die eine geringere Traglast haben. „Dafür werden kombinierte Wärme- und Trittschalldämmplatten benötigt und in die vorhandenen Nuten der Platten die Rohre verlegt.” Der Einbau dauere nur zwei bis drei Tage.

Allerdings sei der Aufbau mit etwa fünf Zentimetern auch höher als bei den Dünnschichtsystemen. Das muss bei der Nachrüstung einer Fußbodenheizung auf jeden Fall einkalkuliert werden, sagt Pommer. „Der Fußbodenaufbau kann schließlich zu hoch werden. Normal liegt der bei vier Zentimetern, mit Bodenheizung allerdings bei sechs bis zehn Zentimetern.” Das führe dann dazu, dass die Fenster niedriger und die Türen kleiner werden.

Angesichts dieser Tücken sollte bei der Planung eines nachträglichen Einbaus einer Fußbodenheizung auf jeden Fall ein Fachmann zurate gezogen werden. „Die können die Planung kompetent durchführen und eine Wärmebedarfsrechnung machen”, sagt Abert. Sie prüfen darüber hinaus die Möglichkeiten für die jeweiligen baulichen Gegebenheiten, etwa unter Berücksichtigung der Tragfähigkeiten des Fußbodens oder der vorhandenen Wärmedämmung.

Fußbodenheizung vor Urlaubsreise nicht ausschalten

Eine nachgerüstete Fußbodenheizung reagiert meist langsamer als eine Radiatorenheizung. „Die Aufheizung der Räume dauert mit einem nassverlegten System länger als bei einer Radiatorheizung”, sagt Joachim Plate, Geschäftsführer des Bundesverbandes Flächenheizungen und Flächenkühlungen aus Hagen. „Wenn jemand beispielsweise in den Winterurlaub fährt, sollte die Heizung daher nicht vollständig ausgeschaltet, sondern nur abgesenkt werden.” Dünnschichtsysteme und trockenverlegte Systeme hingegen heizen die Räume ähnlich schnell auf.
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