Vor Erdgasbetrieb mit spitzem Bleistift rechnen

Von: Norbert Michulsky, ddp
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alternativbild Erdgas als kraftstoff
Umweltfreundlich: Erdgas als Energielieferant kommt immer mehr in Mode. In anderen Städten, zum Beispiel im französischen Lille, fährt bereits die gesamte Bus-Flotte des ÖPNV auf Erdgas. Foto: Michael Jaspers

Berlin. Die Bereitschaft vieler Autofahrer wächst, angesichts hoher Betriebskosten auf ein mit Erdgas angetriebenes Fahrzeug umzusteigen. Die Palette der serienmäßig angebotenen Fahrzeuge bietet adäquate Modelle für wohl jeden Bedarf.

Doch wie wirtschaftlich sind Erdgasautos tatsächlich, und ab wann lohnt sich der Umstieg?

Die Mehrkosten bei der Anschaffung eines Erdgasautos belaufen sich gegenüber einem Dieselfahrzeug auf zirka 1000 Euro. Das allerdings ist ein Durchschnittswert, sagt Timm Kehler, Geschäftsführer der erdgas mobil in Berlin.

Sein Unternehmen promotet im Auftrag der deutschen Gaswirtschaft den Einsatz von Erdgas als Kraftstoff für Autos. Angesichts der Mehrausgaben sollte sich jeder Gas-Interessent seine individuelle Rechnung aufmachen und vor allem seine eigene Fahrleistung berücksichtigen.

Grundsätzlich gilt: Wer nicht viel unterwegs ist, fährt mit einem Benziner unter dem Strich wahrscheinlich günstiger.

Auf der anderen Seite gibt es neben den reinen Anschaffungskosten eine Reihe weiterer Faktoren, die den höheren Anschaffungspreis für das Gas-Auto relativieren können.

Beispielsweise belohnen viele Stadtwerke die Entscheidung für ein Erdgasfahrzeug mit Bargeld oder mit Tankgutscheinen. Da können durchaus 500 Euro und mehr zusammenkommen.

Für Gewerbetreibende hält Kehler einen weiteren Tipp parat: „Die Anschaffung von Erdgasfahrzeugen im Profibereich wird von der KfW-Bank mit besonders günstigen Krediten gefördert.” Hier lohne sich ein Gespräch mit der Hausbank.

Je nach Autohersteller, erläutert Kehler weiter, gebe es deutliche Abweichungen vom durchschnittlichen Mehrpreis. Ein Opel Zafira CNG ecoFlex zum Beispiel sei im Kauf sogar etwas günstiger als das vergleichbare Dieselmodell.

Oder: Der VW Passat TSI EcoFuel (Limousine mit Doppelkupplungsgetriebe) koste bei der Anschaffung 32.625 Euro. Für den Passat Blue TDI mit Dieselmotor müssten 31.750 Euro investiert werden. „Doch die Mehrkosten von 875 Euro sind relativ schnell wieder eingefahren”, meint Kehler und rechnet vor: „Der Passat TSI EcoFuel verbraucht im Schnitt 4,4 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometer. Das Dieselmodell verbraucht auf derselben Strecke 5,8 Liter Kraftstoff. Bei einem Preis von 95 Cent pro Kilogramm Erdgas und 1,09 Euro pro Liter Diesel entsteht so allein bei den Treibstoffkosten eine Ersparnis von 2,14 Euro pro 100 Kilometer beim Erdgasfahrzeug.”

Hinzu kommt eine erhebliche Steuerersparnis. Seit 1. Juli 2009 gilt für Neuwagen die reformierte Kfz-Steuer, die neben dem Hubraum nun auch den CO2-Ausstoß berücksichtigt.

Durch die geringen Emissionen kostet der Passat TSI EcoFuel nur 28 Euro Steuern jährlich, sagt Kehler. Die Steuer für das vergleichbare Dieselmodell betrage dagegen 266 Euro pro Jahr.

Ziehe man die Steuerersparnis von 238 Euro ab, habe man dank der geringeren Kraftstoffkosten die Mehrkosten beim Kauf nach knapp 30 000 Kilometern wieder eingespielt. Allerdings fährt der durchschnittliche Privateigentümer eines Pkw in Deutschland laut ADAC jährlich nur rund 13.000 Kilometer.
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