Berlin - Vom Architekten oder aus dem Katalog: Hausbau ist eine Typfrage

Vom Architekten oder aus dem Katalog: Hausbau ist eine Typfrage

Von: Stephanie Hoenig, dpa
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Hausbau
Während des Hausbaus haben Kinder auf der Baustelle nichts zu suchen.

Berlin. Vom Eigenheim mit Garten träumen viele. Doch dafür muss nicht nur die Finanzierung stimmen - man braucht auch einen zuverlässigen Partner, der den Bau plant und die Ausführung überwacht.

Neben Architektenhäusern werden heute oft schlüsselfertige Häuser von Bauträgern und Fertighausunternehmen angeboten. Jedes dieser Angebote hat seine Vorzüge, birgt aber auch typische Risiken. Wer davor die Augen verschließt, handelt sich oft Ärger, Stress und finanzielle Probleme ein.

Klassisch werden Häuser von Architekten gebaut. Bei dieser Bauweise entwirft der Architekt ein Eigenheim entsprechend den Vorgaben und Wünschen des Bauherrn. Für die notwendigen Arbeiten werden Handwerksbetriebe mittels Ausschreibung engagiert. Auch wenn ein Architekt maßgeblich an diesen Ausschreibungen beteiligt ist, bleibt - so die Stiftung Warentest in Berlin - der Bauherr in jeder Phase des Baus rechtlich Vertragspartner für alle Beteiligten.

Das Architektenhaus bietet dem Bauherrn die Möglichkeit individueller Gestaltung. „Bauherren sollten beim individuell vom Architekten geplanten Haus auf keinen Fall aus Kostengründen auf eine Baubegleitung verzichten”, rät Thomas Drexel, Architekt und Fachbuchautor aus Augsburg. Die Baubegleitung verursache zwar zusätzliche Kosten. Dafür könne der Architekt bei Problemen am Bau sofort einschreiten und Fragen der Handwerker fachkundig beantworten.

Viele Bauherren befürchten, dass bei einem Architektenhaus die Kosten nur schwer zu überblicken sind und sich erst während der Bauphase die wirkliche Summe herauskristallisiert. „Dies muss aber nicht sein”, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband der Privaten Bauherren (VPB) in Berlin. „Es gibt sehr viele Architekten, die sich darauf verstehen, die Kosten am Bau gering zu halten.”

Wichtig sei es, zu Beginn der Planungsphase den finanziellen Rahmen festzulegen. Die Preise in die Höhe treiben würden oft die Bauherren, die bei der Auswahl der Ausstattungsvarianten etwa für Bäder oder die Küche wenig auf die Kosten achten.

Viele angehende Eigenheimbesitzer kaufen sich wegen der vermeintlichen Sicherheit ein schlüsselfertiges Haus mit Grundstück vom Bauträger. Dank des garantierten Festpreises scheinen hier die Kosten unter Kontrolle und das finanzielle Engagement überschaubar zu sein. „Doch in der Praxis sieht das ganz anders aus, da in vielen Bauverträgen Fallen für die Bauherren lauern”, warnt Reinhold-Postina.

So fehlten oft für angeblich schlüsselfertige Häuser wichtige Leistungen. Häufig tauchten auch Bauleistungen nicht auf, die für die Fertigstellung des Hauses nötig seien, etwa der Anschluss an das Kanalnetz oder eine ausreichende Dachdämmung.

„Beim Hausbau kennt das Vertrauen mancher Bauherren in Bauträger keine Grenzen”, wundert sich Reinhold-Postina. „Obwohl der Hausbau meist das größte finanzielle Vorhaben einer Familie ist, wird mancher Handy-Kontrakt besser geprüft als ein Bauvertrag.”

Der VPB rate wegen des hohen finanziellen Risikos, vor Abschluss den Vertrag von einem unabhängigen Sachverständigen prüfen zu lassen. Der Berater analysiert und vergleicht Angebote, er lässt Leistungsbeschreibungen nachbessern, kontrolliert Kostenpläne und sorgt für die Einhaltung des gesetzlich vorgeschriebenen und vertraglich vereinbarten Qualitätsstandards auf der Baustelle. Keine echte Hilfe könne der Käufer vom Architekten eines Bauträgers erwarten. Denn in diesen Fällen stehe der Architekt nicht auf der Seite des Bauherrn, sondern der des Unternehmers.

Das Bauen eines schlüsselfertigen Fertighauses mit Festpreis und garantiertem Fertigstellungstermin ist eine weitere Alternative. Beim Bau ist, wie die Stiftung Warentest betont, der künftige Eigner zugleich Käufer und Bauherr. Denn das gekaufte Haus werde in der Regel auf dem eigenen Grund erstellt. Sei ein Keller oder eine Bodenplatte nicht im Lieferumfang des Hauses enthalten, werde der Fertighauskäufer vollends zum Bauherrn, denn er müsse sich um diesen Teil des Bauvorhabens selbst kümmern.

Vor Vertragsabschluss sollte immer auch die Bemusterung - also etwa das Aussuchen von Fliesen und Sanitärobjekten - mit dem Fertighausanbieter abgeschlossen sein. Ein vorzeitiger Vertragsabschluss schwäche die Verhandlungsposition.

Fertighäuser sind heute meist nicht mehr Typenhäuser von der Stange. „Gegen dieses falsche Image kämpft die Fertigbau-Branche immer noch an”, räumt Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau ein. Fertighauser würden heute in vielen Fällen individuell nach Kundenwunsch gestaltet. Der Trend gehe zum „Architektenhaus in Fertigbauweise”.


Baustellen-Besuche vertraglich festlegen

Wer ein schlüsselfertiges Haus kauft, wird in der Regel erst Eigentümer, wenn das Haus fertig gebaut, bezahlt und offiziell übergeben ist, warnt der Verband der privaten Bauherren (VPB) in Berlin. Vorher sei er lediglich Erwerber, aber nicht Bauherr. Bauherr bleibe bis zur Übergabe der Bauträger.
Daraus ergeben sich unter Umständen Probleme: Will der Erwerber „sein” Grundstück oder „seinen„ Rohbau besichtigen, benötige er dazu formal die Zustimmung des Bauträgers. Damit es nicht zu unliebsamen Überraschungen kommt, sollte sich der Käufer schon im Vertrag schriftlich das Recht zusichern lassen, die Baustelle jederzeit und mit einem Sachverständigen seiner Wahl betreten zu dürfen.

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