Viele Autoversicherer erhöhen die Preise

Von: Andreas Hoenig und Thomas Strünkelnberg, dpa
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Berlin. Der Termin kommt so unweigerlich wie Weihnachten: Ende November wechselt der Deutsche seine Autoversicherung, um Beiträge zu sparen. Doch die vom Preiskampf gebeutelte Branche scheint vor einem Umbruch zu stehen - die Preise ziehen bei vielen Versicherern an.<br />

Bei Autoversicherern deutet sich eine Trendwende an: Jahrelang konnten sich Deutschlands Autofahrer darauf verlassen, beim Versicherungswechsel zum Stichtag Ende November deutlich sparen zu können. Doch viele unter dem unerbittlichen Preiskampf ächzende Versicherer erhöhen die Tarife - sparen kann man zwar immer noch, aber lange nicht mehr so viel wie bisher.

Auto-Fachmann Stefan Bratzel geht für die nächsten Jahre sogar von einem Preisanstieg von durchschnittlich 10 bis 15 Prozent aus. Experte Ferdinand Dudenhöffer ist dagegen skeptisch: „Ein Ende des Preiskampfes ist sicher mehr Wunsch als Wirklichkeit.”

Allerdings steigen die Preise im Neugeschäft, also für Autofahrer, die ihre Versicherung und das Fahrzeug wechseln. Erstmals seit 2005 habe das Vergleichsportal Check24 bis Anfang November einen Prämienanstieg festgestellt - und zwar um vier Prozent im Vergleich zu 2009, sagte Check24-Sprecher Daniel Friedheim.

Reine Versicherungswechsler werden dagegen weiter umworben: Die Durchschnittsprämie in der Kfz-Haftpflicht sei seit August um etwa 29 Prozent gesunken - immer noch deutlich, aber wesentlich schwächer als im Vorjahr mit einem Rückgang um 40 Prozent. Das bedeutet, Autofahrer sparen inzwischen beim Wechsel weniger.

Hintergrund sind hohe Verluste der Autoversicherer in den vergangenen Jahren - Experte Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach spricht deswegen gar von einer „Zeitenwende”, vor der die Branche stehe.

Nach Schätzungen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben die Autoversicherer im vergangenen Jahr im eigentlichen Geschäft einen - sogenannten versicherungstechnischen - Verlust von 700 Millionen Euro gemacht. Für 2010 sei sogar ein Minus von 1,1 Milliarden Euro zu erwarten.

„Kaum ein Kraftfahrtversicherer schreibt derzeit versicherungstechnische Gewinne. Bei vielen Unternehmen setzt daher jetzt ein Umdenken und Gegensteuern ein”, sagte GDV-Präsident Rolf- Peter Hoenen. „Die große Mehrheit der Kfz-Versicherer hat ihre Tarife zuletzt angehoben.”

1980 habe der Durchschnittsbeitrag in der Kfz- Haftpflichtversicherung bei 210 Euro gelegen - bei knapp 27 Millionen versicherten Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr waren rund 55,5 Millionen Autos versichert - und der Durchschnittsbeitrag lag bei 219 Euro. Bessere Margen sind so kaum zu erwarten. Die Folge: Mit dem niederländischen Unternehmen Ineas und LadyCarOnline ging erstmals seit Kriegsende ein in Deutschland tätiger Kfz-Versicherer in die Insolvenz.

Was also tun? „Im Kraftfahrzeug-Versicherungsmarkt gibt es einfach zu viele Anbieter, um langfristig mit guten Gewinnen arbeiten zu können”, urteilte Experte Dudenhöffer von der Universität Duisburg- Essen. „Und die Krux ist, dass jeder eben auch Kraftfahrzeugversicherungen verkaufen will.”

Und der Preiskampf ist nach Dudenhöffers Einschätzung im Flottengeschäft sogar noch schärfer als bei Privatkunden - die Schäden pro Fahrzeug seien bei Firmenwagen deutlich höher. „Gleichzeitig träumen aber viele Versicherer von den schönen Marktanteilen des Flottengeschäfts und „kaufen” sich die Marktanteile.”

Auch nach Einschätzung des ADAC, der ebenfalls Geschäfte mit Versicherungen macht, ist der Preiskampf keineswegs zu Ende. ADAC- Sprecher Jochen Oesterle sagte: „Es wird weiter mit harten Bandagen gekämpft, mit Rabatten und neuen Leistungen.”

Viele Versicherer hätten mehr für Schaden und Verwaltung ausgegeben als sie eingenommen haben. In der Branche herrsche ein Verdrängungswettbewerb, die Marktbereinigung sei in vollem Gange. „Diejenigen, die gezockt haben, müssen nun büßen”, sagte er. Der ADAC habe seine Preise „moderat” angehoben.

Auch die HUK-Coburg geht davon aus, dass der Preiskampf weitergeht. Die Zahl der Autos steige nur geringfügig, sagte Sprecher Alois Schnitzer. „Wenn aber die Wachstumsmöglichkeiten begrenzt und die Verbraucher preissensibel sind, dann führt dies zu Verdrängungswettbewerb.” An sich nötigen Preiserhöhungen seien damit Grenzen gesetzt.

Allerdings steige die Zahl der Schäden seit Jahren stärker als der Bestand, dies treibe die Preise eher nach oben. Der Tarif zum 1. Januar 2011 sei etwas günstiger als der aktuelle, liege aber über dem Tarif von Januar 2010. Die Allianz hat ihre Preise im Herbst nach eigenen Angaben „leicht angepasst”.

Gleichzeitig versuchen die Autobauer, auch einen Teil vom Versicherungskuchen abzubekommen. Mit Komplettpaketen oder Flatrates wollten die Hersteller die Kunden an die Marke binden, erläutert Dudenhöffer: „Man verkauft nicht nur das Auto, sondern eben auch gleich den Kredit, die Versicherung, die Garantie und die Ersatzteile.” Das müsse für den Kunden kein Nachteil sein - „aber man muss nachrechnen”.
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