Viel heiße Luft: Lüfter vor dem Computerkauf testen

Von: Andreas Thieme, dpa
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Der Dreck muss weg: Staub stört den Lüfter bei seiner Arbeit. Foto: dpa

Frankfurt/Main. Laute PC-Lüfter nerven. Die Ursache für einen lärmenden Lüfter können zum Beispiel verdreckte Lüftungsschlitze sein. Oder der Lüfter ist zu klein und muss ständig auf vollen Touren laufen, um die Wärme aus dem Computergehäuse abzuführen.

Gute Belüftungsmöglichkeiten zu schaffen, ist der erste Schritt, dem nervigen Surren des Lüfters zu entgehen, erklärt Patrick Weiß, Produktmanager bei Samsung. Der Computer sollte so stehen, dass eine Luftzirkulation im Gehäuse möglich ist. Besonders leicht lassen sich die Lüftungsschlitze eines Notebooks blockieren: zum Beispiel wenn das Gerät auf einem weichen Sofa steht.

„Ist das Gitter zugesetzt, entstehen zunächst Schleifgeräusche”, sagt Markus Schütz vom PC-Hersteller Dell in Frankfurt. Die Temperatur im Prozessorkern steige - bis zu 105 Grad Celsius, wenn das Notebook etwa in ein Kissen einsinkt. Der Lüfter drehe dann hörbar schneller, durch die nicht mehr vorhandene Kühlung laufe schließlich auch das Gehäuse heiß. Im Extremfall schalte sich das Gerät aus.

Langfristig können sich derartige Belastungen auf die Lebensdauer des Lüfters auswirken, sagt Sven Schlicker, Entwicklungsingenieur für Lüftertechnik in Radevormwald. Nicht nur extreme Hitze, starke Temperaturschwankungen oder eine staubig und feuchte Umgebung machen den filigranen Lagersystem im Innern zu schaffen - auch Flusen und Fusseln von Wollpullis oder Decken setzen dem Luftansaugkanal zu. Es ist daher ratsam, stets eine feste Unterlage zu nutzen.

Bei Desktop-PCs können auch veraltete Lüfter-Komponenten, die Prozessor, Grafikkarte oder Gehäuse kühlen, Ursache für Störgeräusche sein. Einen Standardlüfter für das Gehäuse kann Schlicker zufolge jeder Anwender problemlos selbst einbauen. Besitzt das Gerät einen Standard-Netzteil-Anschluss könne dabei nichts schief gehen.

Im Anschluss kann die PC-Temperatur durch sogenannte Monitoring-Software überprüft werden. Schwieriger ist es dagegen, passenden Ersatz für die Prozessor- oder Grafikkarten-Kühlung zu finden: Einerseits sei die Auswahl an Prozessoren sehr groß, andererseits müsse der Lüfter exakt auf das Mainboard passen. Laien sei der nachträgliche Einbau daher nicht zu empfehlen.

Bei Notebooks können Anwender überhaupt nicht nachrüsten, erklärt Arnt Kugler vom Computerportal chip.de. Da das System geschlossen ist, müssten beim Austausch wichtige Bauteile wie das Mainboard mit ausgebaut werden. Wer selbst herumschraubt, kann nicht nur Schaden im Gerät anrichten, sondern verliert auch die Herstellergarantie. Das sollte aber vermieden werden: Denn sind unrhythmische Geräusche oder ein Rattern deutlich hörbar oder arbeitet der Lüfter gar nicht mehr, kann das Notebook eingeschickt und vom Hersteller repariert werden.

Abregeln oder leiser stellen, wie viele Nutzer glauben, lässt sich der Notebook-Lüfter dagegen prinzipiell nicht. Zwar können Anwender die Systemleistung über die Energiesparoptionen, die Lüftersteuerung bei Windows 7 oder Einstellungen im BIOS geringfügig drosseln, wodurch die Abwärme leicht reduziert wird und der Lüfter weniger arbeiten muss. „Physikalisch ist da nichts zu machen”, so Schütz.

Am besten wird daher schon beim Kauf auf einen leisen Computer geachtet: In jedem Fall sollten Anwender die Erfahrungen anderer Käufer zu Kenntnis nehmen und sich das Gerät im Fachgeschäft vorführen lassen, rät Schütz. „Durch Handauflegen am Lüfterausgang können Lautstärke und Wärmeabfuhr überprüft werden”, ergänzt Weiß. Bedacht werden müsse dabei aber, dass der Prozessor im Alltag auch durch arbeitende Programme beansprucht wird - bei den ausgestellten Notebooks sei das oft nicht so.

Wer unbedingt hohe Leistung möchte und dabei etwa auf einen Prozessor des Intel-Typs Core i7 setzt, sollte hingegen mit geräuschvoller Kühlung rechnen, so Schütz. Ohnehin nicht gerade leise seien High-End-Notebooks für Gamer: „Ein Porsche hat auch lautere Motorengeräusche.” Viel heiße Luft gebe es zudem bei Schnäppchen-Angeboten: Werden Notebooks in der Werbung als sehr flach und besonders leicht angepriesen, verfügen aber über neueste Prozessoren und Grafikkarten, können das Hinweise auf eine quälende Geräuschkulisse sein. Notebook-Ständer mit eigener Kühlung können den Lüfter Kugler zufolge aber entlasten und Materialermüdung hinauszögern.

Lüfter nur vorsichtig reinigen
Ist der Ansaugbereich des Computers verschmutzt, können Flusen mit einer Pinzette oder Zahnbürste entfernt werden. Sitzt der Staub hinter dem Gitter fest, können Anwender auch vorsichtig das Staubsauger-Rohr an die Lüftungsschlitze setzen. „Da das Gebläse aber wesentlich stärker als der Motor des Lüfters ist, kann dessen Lagerbereich durch die zu hohe Drehzahl Schaden nehmen”, warnt Lüfter-Entwickler Sven Schlicker. Der Lüfter sollte deshalb mit einem Holz-Zahnstocher blockiert werden.
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