Unternehmer zur Probe: Strategien für arbeitslose Existenzgründer

Von: Hendrik Roggenkamp, ddp
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Berlin. Krisenzeiten sind in Deutschland auch Gründerzeiten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) berichtet in seinem jüngsten „Gründerreport” von einem deutlich gestiegenen Interesse an Existenzgründungen.

Die Freude über den wachsenden Unternehmergeist ist beim Verband allerdings getrübt: Allzu viele Gründer würden sich nicht mit einer guten Geschäftsidee und aus Überzeugung, sondern bloß „aus der Not” heraus selbstständig machen, beklagt der DIHK. Damit drohe bereits die nächste Pleitewelle.

Arbeitslose, die über eine Existenzgründung nachdenken, sollten sich von solchen Aussagen nicht abschrecken lassen. Wer eine Kleingründung mit geringem Kapitalbedarf plant, kann durchaus probeweise als Unternehmer beginnen. So lange die - grundsätzlich anmeldepflichtige - Unternehmertätigkeit nicht mehr als 15 Wochenstunden in Anspruch nimmt, können Kleinunternehmer sogar weiterhin Arbeitslosengeld (ALG I) beziehen. Allerdings kürzt die Arbeitsagentur die Leistung, wenn der Gewinn 165 Euro pro Monat übersteigt.

Läuft das Geschäft gut, können sich Arbeitslose hauptberuflich selbstständig machen und dazu den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur beantragen. Den gibt es aber nur dann, wenn eine „fachkundige Stelle” (beispielsweise eine IHK) die Tragfähigkeit der Gründung bescheinigt. Außerdem müssen Gründer noch Anspruch auf ALG I für mindestens 90 Tage haben. Als Stichtag gilt dabei das Datum, an dem Selbstständige tatsächlich ihre Arbeit aufnehmen: Wer vor Ablauf der Frist einen Mietvertrag für eine Gaststätte unterschreibt, diese aber erst kurz vor Ende des ALG-I-Anspruchs tatsächlich eröffnet, kann den Zuschuss nicht bekommen.

Die Arbeitsagentur kann den Gründungszuschuss für zwei Phasen bewilligen. Für zunächst neun Monate erhalten Gründer einen Zuschuss in Höhe ihres bezogenen Arbeitslosengeldes sowie zusätzlich 300 Euro zur sozialen Absicherung. Sind die neun Monate vorbei, zahlt die Arbeitsagentur unter Umständen für weitere sechs Monate den Absicherungszuschuss von 300 Euro. Das gilt aber nur dann, wenn eine „intensive Geschäftstätigkeit und hauptberufliche unternehmerische Aktivität” nachgewiesen wird.

Unbedingt beachten sollten Gründer, dass ein eventuell bestehender Restanspruch auf ALG I mit dem Gründungszuschuss verrechnet wird. Wer beispielsweise zu Beginn der geförderten Selbstständigkeit noch für zehn Monate ALG I bekommen könnte, erhält nach dem Auslaufen des Gründungszuschusses nur noch für einen Monat Arbeitslosengeld.

Allerdings haben Selbstständige die Möglichkeit, sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit zu versichern. Bereits nach einem Beitragsjahr besteht ein erneuter Anspruch auf ALG I für immerhin sechs Monate. Zudem sind die Beiträge mit derzeit 17,64 Euro pro Monat (14,95 Euro in Ostdeutschland) niedrig. Für die freiwillige Weiterversicherung müssen sich Gründer innerhalb eines Monats nach Beginn der Selbstständigkeit entscheiden.
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