Umziehen für den Job: Der Arbeitgeber zahlt nicht alles

Von: Andreas Heimann, dpa
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Köln/Berlin. Für einen Job umziehen zu müssen, ist längst Alltag. Das gilt für gestandene Manager ebenso wie für Berufsanfänger.

Für die Betroffenen ist ein solcher Umzug aber auch mit vielen ganz praktischen Problemen verbunden - wie dem, für die neue Wohnung schon und für die alte noch Miete zu zahlen.

Das kann schnell ins Geld gehen. Ob es dafür Hilfen vom Arbeitgeber gibt, hängt von der Situation ab. „Grundsätzlich ist es Sache des Arbeitnehmers, wo er wohnt und wo er hinzieht”, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln.

Einen rechtlichen Anspruch auf Umzugshilfen für Arbeitnehmer gebe es nicht, ergänzt Torsten Tiefenbacher vom Bundesvorstand der Gewerkschaft verdi in Berlin. Etwas anders sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einen Standort beispielsweise von Düsseldorf nach Hannover verlagert und der Arbeitnehmer sein Arbeitsverhältnis künftig dort fortsetzen soll. „Dann gibt es üblicherweise eine Regelung für damit verbundene Kosten im Rahmen eines Sozialplans”, erklärt Nathalie Oberthür.

Denn in diesem Fall handelt es sich Tiefenbacher zufolge um eine betriebsändernde Maßnahme: „Und die ist sozialplanpflichtig.” Der Sozialplan werde vom Betriebsrat beziehungsweise Gesamtbetriebsrat ausgehandelt. Dabei kann zum Beispiel vereinbart werden, dass der Arbeitgeber die Umzugskosten trägt. Dazu gehört das Geld für den Umzugswagen. Verhandelt werden kann aber auch über die Maklercourtage oder die Zusatzkosten für die doppelte Miete.

Wie viel dabei herausspringt, hängt nach Tiefenbachers Einschätzung vor allem davon ab, wie viel dem Arbeitgeber an seinen Mitarbeitern liegt: Wenn er seine Stammbelegschaft gerne halten will, lasse er sich das auch mehr kosten. Das kann soweit gehen, dass der Betrieb dem Ehepartner eines Mitarbeiters eine Stelle anbietet. In der Regel einigen sich Arbeitgeber und -nehmer nach Nathalie Oberthürs Erfahrungen ohne lange Auseinandersetzungen. Die Praxis sei sehr viel großzügiger als die rechtlichen Vorschriften.

Das gilt zumindest für solche Grundbedürfnisse wie die Kosten für den Umzugswagen. Schwieriger gestalten sich oft die Verhandlungen über sogenannte Umzugsprämien. „Die finanzielle Ausgestaltung hängt von den Möglichkeiten und Interessen des Arbeitgebers ab”, sagt Tiefenbacher. „In der Regel ist sie umso höher, je schneller sich ein Arbeitnehmer für den Umzug entscheidet.” Denn die Prämie soll auch einen Anreiz schaffen, sich für die Stelle am neuen Arbeitsort zu entscheiden.

„Es ist sehr üblich, das zu staffeln, also zum Beispiel 10 000 Euro anzubieten, wenn jemand innerhalb von sechs Monaten umzieht”, erklärt Tiefenbacher. Wer länger wartet, bekommt entsprechend weniger. Meist sei ein schneller Umzug im Interesse des Arbeitgebers: „Pendeln ist nicht nur eine höhere Belastung für die Arbeitnehmer. Dadurch kann auch die Produktivität sinken.”

Etwas komplizierter ist die Sachlage, wenn es keinen Betriebsrat gibt - dann gibt es auch keinen Sozialplan, in dem solche Fragen wie die der Umzugskosten geregelt werden. „Die Arbeitnehmer können dann selbst mit dem Arbeitgeber verhandeln”, erklärt Tiefenbacher.

In vielen Fällen müssten Arbeitnehmer jedenfalls in den sauren Apfel beißen und zum Beispiel für zwei Monate eine doppelte Miete zahlen, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund (DMB) in Berlin. „Es gibt natürlich glückliche Zufälle, dass es zeitlich genau hinkommt, aber es gibt auch oft Stress deswegen.” Und dass der Arbeitgeber dann einspringt, ist nicht selbstverständlich.

Beim Thema Umzug gibt es für Mieter deshalb zwei wichtige Tipps: „Erstens rechtzeitig kündigen”, rät Ropertz. Dabei sollte auch daran gedacht werden, dass eventuell in der Wohnung noch einiges zu tun ist, wenn etwa Einbauten des Mieters entfernt werden müssen.

Der zweite Punkt, der beachtet werden sollte, ist die Mietkaution. „Ich sollte rechtzeitig mit dem Vermieter absprechen, wann ich sie zurückbekomme”, empfiehlt Ropertz. „Der beste Termin ist die Wohnungsübergabe, aber darauf muss sich der Vermieter nicht einlassen.” Damit es beim Abrechnen der Betriebskosten keine Probleme gibt, darf der Mieter nicht vergessen, die Zählerstände für Strom, eventuell auch für Wasser oder Heizkosten abzulesen. „Vernünftig ist, sie sich zu Kontrollzwecken auch aufzuschreiben.”

Gerade wenn der Umzug schnell gehen soll, lohnt sich ein genauer Blick in den Mietvertrag: „Wenn ich einen mit Kündigungsausschluss habe, darf ich mit dem Argument eines berufsbedingten Wohnortwechsels einen Nachmieter stellen”, erklärt der DMB-Sprecher. „Das gilt auch bei einem qualifizierten Zeitmietvertrag, mit dem sich der Mieter zum Beispiel auf vier Jahre bindet.” Damit sind nicht alle Probleme gelöst, aber der Arbeitnehmer hat zumindest eine Sorge weniger.
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