Tradition der Kulanz: Händler müssen Geschenke nicht umtauschen

Von: Vivien Leue, dpa
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Kulanz/Umtausch
Kein Recht auf Umtausch: Nicht alle Händler geben den Kaufpreis unpassender Geschenke zurück. Foto: dpa

Berlin/Düsseldorf. Trotz allen guten Willens: Nicht immer liegt das passende Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. Dem einen passt der Pullover nicht, der andere hat das Buch schon gelesen oder findet die grünen Socken einfach hässlich.

Kein Problem, denken viele, tauschen wir das Geschenk eben um. Doch ein Recht auf Umtausch gibt es nicht.

„Grundsätzlich bin ich an den Kauf gebunden”, sagt Rechtsanwältin Carolin Uhrig von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Immerhin entsteht beim Kauf ein bindender Vertrag. Von diesem kann der Käufer nicht einseitig zurücktreten. „Dass viele Geschäfte die Waren dennoch zurücknehmen, geschieht aus reiner Kulanz, das hat sich so eingebürgert”, sagt Uhrig.

Die großen Einzelhandelsketten und Kaufhäuser haben Umtauschrechte in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgeschrieben. Zu welchen Konditionen umgetauscht wird, ist von Laden zu Laden unterschiedlich. Manche Geschäfte geben das Geld zurück, andere tauschen die Geschenke nur gegen Ware oder einen Gutschein um. Natürlich müssen die Sachen ungetragen oder unbenutzt sein. In vielen Fällen werden Artikel nur in der Originalverpackung zurückgenommen, oft müssen auch die Etiketten noch vorhanden sein.

„Im Zweifel sollte man den Händler direkt nach den Umtauschmodalitäten fragen”, rät Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Sonderangebote sind oft vom Umtausch ausgeschlossen, ebenso wie Bademode, Unterwäsche oder Lebensmittel - letztlich hängt es oft vom Einzelfall ab.

„Wer sich heute beim Kauf von Geschenken unsicher ist, der greift zu einem Gutschein”, sagt Pellengahr. 20 Prozent der Umsätze im Weihnachtsgeschäft entfielen bereits auf Geschenkgutscheine. Laut Gesetz sind sie bis zum Ende des dritten Jahres nach dem Kauf gültig - also lange genug, damit der Beschenkte etwas Passendes finden kann.

Aber: „Gutscheine dürfen in ihrer Gültigkeitsdauer beschränkt werden”, sagt der Verbraucherrechtsanwalt Jan Bartholl aus Münster. Zwar muss diese Beschränkung „angemessen” sein. Aber was das bedeutet, regelt das Gesetz nicht. Bartholl rät deshalb, den Händler zu fragen, wie lange ein Gutschein eingelöst werden kann. Auch ein Umtausch ist nicht unbegrenzt möglich. Die meisten Händler gewähren Fristen von zwei bis vier Wochen. Wer sein Präsent schon lange vor Weihnachten kauft und bereits an einen möglichen Umtausch denkt, fragt deshalb am besten nach einer Ausnahmeregelung.

„Einzelne Vereinbarungen sind möglich”, sagt Verbraucherschützerin Carolin Uhrig. „Da mündliche Zusagen aber schwer zu beweisen sind, sollten sich Verbraucher die Vereinbarungen auf den Kassenbon schreiben lassen - mit Datum und Unterschrift des Händlers.”

Kassenbons sind beim Umtausch ohnehin sehr wichtig. „Die Kaufquittung beweist, dass der Artikel bei genau dem Händler gekauft wurde und daher auch bei diesem Händler zurückgegeben werden kann”, sagt Rechtsanwalt Bartholl. Ist der Bon verloren gegangen, müssen andere Beweise her. Gute Chancen haben hier Kartenzahler, auf deren Kontoauszug die Bezahlung des Artikels vermerkt ist. Einfach lässt sich der Einkauf über das Internet oder per Katalog beweisen. Von der Bestellung bis zur Lieferung ist hier alles genau dokumentiert.

„Auch beim Online-Kauf hat der Verbraucher kein generelles Recht auf Umtausch, aber er hat ein meist zweiwöchiges Widerrufsrecht”, sagt Uhrig. Weil der Käufer die Ware vor dem Kauf nicht an- oder ausprobieren kann, darf er sie bei Missfallen zurückschicken. Wer seine Geschenke erst kurz vor Weihnachten kauft, kann den Widerruf damit als Quasi-Umtauschrecht nutzen.

Die Reklamation - Umtausch bei defekter Ware

Defekte oder beschädigte Geschenke können beim Händler reklamiert werden - im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistungspflicht von zwei Jahren. „Die Händler und Verkäufer sind gesetzlich verpflichtet, die als fehlerhaft beanstandete Ware nachzubessern oder zu ersetzen”, sagt Verbraucherrechtsanwalt Jan Bartholl aus Münster. Sollten Händler auf die Hersteller verweisen, sei das nicht rechtens: „Der Ansprechpartner für Sie als Käufer und Verbraucher ist immer der Händler, bei dem die Ware gekauft wurde.”

Der Artikel muss in einem Gewährleistungsfall natürlich nicht mehr unbenutzt oder in der Originalverpackung abgegeben werden. „Wichtig ist im Zweifel nicht die Originalverpackung, sondern der Kassenbon”, sagt Bartholl. Er beweist nicht nur, dass die Ware in genau dem Geschäft gekauft wurde, sondern auch wann. Das Datum ist für die zweijährige Gewährleistungspflicht wichtig.
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