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Teures Bargeld

Von: Brigitte Watermann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Bargeld ist keineswegs ein so günstiges Zahlungsmittel, wie viele denken. Privatleute sollten den Zinsverlust durch Bargeld berücksichtigen. Seit weit über 2000 Jahren nutzen die Menschen weltweit verschiedene Formen von Bargeld - als Tauschmittel oder zur Wertaufbewahrung.

Auch heute noch, in Zeiten von Kreditkarten, Online-Zahlverfahren oder beginnendem Mobile Payment, kommt dem Bargeld eine große Bedeutung zu - vor allem in Deutschland. 2011 tätigten die Deutschen noch immer 53 Prozent aller Ausgaben in bar, hat die Deutsche Bundesbank ermittelt. Doch welche Kosten verursacht eigentlich das System der Bargeldhaltung und -nutzung? Das untersucht eine aktuelle Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin, die gemeinsam mit dem Kartenunternehmen Mastercard vorgestellt wurde. Ein Kernergebnis: Einzig bei Bargeldzahlungen für Beträge bis zu etwa sechs Euro liegen die Kosten von Bargeldzahlungen unter denen von Kartenzahlungen. Verbraucher können diese Erkenntnisse nutzen, um ihre Bargeldhaltung zu optimieren - und um ihre Zinserträge zu steigern. Denn durch die Bargeldhaltung entstehen jährliche Zinsverluste, die sich pro Person im Durchschnitt auf mehr als 15 Euro belaufen.

Bekanntlich hat die Europäische Zentralbank im Verein mit den Notenbanken des Eurosystems das alleinige Recht zur Produktion und Herausgabe des Euro-Bargelds. Die weiteren wichtigen Teilnehmer im Bargeldkreislauf sind Wertdienstleister, die das Bargeld zu den Banken und Handelsunternehmen schaffen, die Geschäftsbanken, die das Bargeld hauptsächlich unter die Leute bringen, der Handel sowie natürlich die Verbraucher. Ende 2011 betrug der Wert des in Deutschland befindlichen Bargelds rund 147 Milliarden Euro. Bargeld ist vor allem hierzulande noch immer das beliebteste und am weitesten verbreitete Zahlungsmittel. Die Bedeutung von Kartenzahlungen liegt deutlich unter dem EU-Schnitt.

Hohe volkswirtschaftliche Kosten

Doch während die Notenbank bedeutsame Erträge aus der Geldschöpfung erzielen kann und auch die Wertdienstleister sich für Geldtransporte & Co. entlohnen lassen, führt der Bargeldkreislauf im Handel und bei den Banken zu hohen Kosten für das Handling von Bargeld. Nach Schätzungen der Steinbeis-Studie belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten des Bargeldsystems jährlich auf mehr als acht Milliarden Euro. Kein Wunder, dass Banken, aber auch der Handel ein größeres Interesse daran haben, dass Bezahlprozesse vermehrt über unbare Zahlungsverfahren abgewickelt werden.

Doch die Kosten für die Privatwirtschaft und die Bürger liegen noch klar darüber: Berücksichtigt man nämlich noch diverse Transferzahlungen und insbesondere auch die Zinsverluste der Privatunternehmen und Personen, betragen die privaten Kosten der Bargeldhaltung laut der Studie sogar rund zwölf Milliarden Euro. Besagte Zinsverluste entstehen insbesondere dadurch, dass die Unternehmen und Haushalte bereit sind, Bargeld unverzinst zu halten. Die Zinsverluste für die Privatpersonen in Deutschland beziffert die Studie auf rund 1,3 Milliarden Euro jährlich. Sie profitieren allerdings davon, dass sich Barzahlungen anonym abwickeln lassen.

Tipp:

Solche Zinsverluste können Verbrauer verringern, indem sie ihre Girokonten bei Banken führen, die Einlagen selbst auf dem Girokonto verzinsen, und indem sie stärker darauf achten, nicht so viel Bargeld im Portemonnaie zu haben. Interessant sind auch Produkte wie das DKB Cash der Deutschen Kreditbank. Guthaben auf dem ans Girokonto angeschlossene Kreditkartenkonto, das wie ein Tagesgeldkonto fungiert, werden hier vergleichsweise hoch verzinst.

Gesellschaftliche Kosten des Bargeldsystems

Die Autoren der Studie verweisen auch auf die gesellschaftlichen Kosten des Bargeldsystems. Gemeint ist hier insbesondere, dass Bargeld eine zentrale Rolle in zahlreichen Bereichen der Schattenwirtschaft spielt -; bei Schwarzarbeit, Sozialversicherungsbetrug, Drogen- und Menschenhandel, illegalem Glücksspiel und Steuerhinterziehung. Auf diese Weise erleide die Gesellschaft jährlich Schäden in Milliardenhöhe, so die Autoren der Studie.

Übrigens: Euro-Bargeldnoten haben ein ziemlich bewegtes Leben: Ein durchschnittlicher Euro-Schein wechselt in der Zeit zwischen seiner Herstellung und Vernichtung knapp 150 Male den Besitzer. Ein deutscher Schein befindet sich nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent im Inland, wird rund 130 Mal zum Einkaufen genutzt, 13 Male zur Zahlung von Taschengeld oder anderen privaten Transaktionen und landet rund zwölf Mal zur Prüfung und zum Recycling bei der Bundesbank.

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