Stillhalten und ruhig atmen: So überstehen Anleger die Krise

Von: Thorsten Wiese, dpa
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Stuttgart/Berlin. Der Abschwung am US-Immobilienmarkt währt schon viel länger. Aber richtig drin in der Krise stecken die weltweiten Finanzmärkte nun seit etwa einem halben Jahr - seit im vergangenen Herbst die Börsenkurse fielen und fielen.

Viele Sparer halten inne. Wie lange die Krise noch dauern wird, weiß niemand. Was sie noch bringen wird, auch nicht. Aber eines steht fest: Anleger müssen da durch. So überstehen sie die kommenden Monate.

KURS HALTEN: Zunächst einmal gilt: Durchatmen und Kurs halten. „Die Krise an sich ist kein Grund, hektisch umzuschichten”, sagt Niels Nauhauser, Anlageexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Es könne allerdings sinnvoll sein, sie zum Anlass einer Prüfung zu nehmen: „Mehr als 90 Prozent derer, die in unsere Beratung kommen, sind in der Altersvorsorge nicht optimal aufgestellt.” Deshalb sei „Stillhalten und Nichtstun” auch jetzt der falsche Tipp - so wie immer.

LANGFRISTIGE VERTRÄGE: Es sei aber zum Beispiel wenig ratsam, aus einer Panik heraus seine Rentenversicherung zu kündigen. „Die Verträge mit ihren Zusicherungen über den Garantiezins stehen”, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der in Berlin erscheinenden Zeitschrift „Finanztest”.

„Die Versicherer legen das Geld der Einzahler in Zinspapieren an”, erläutert Nauhauser. Auf dem Zinsmarkt ist, wie auf dem Aktienmarkt, derzeit nicht viel zu holen. Es sei möglich, dass sogar der sogenannte Garantiezins bald fällt - dann bekommen Versicherte für neu abgeschlossene Policen als private Altersvorsorge weniger heraus. Der Garantiezins für alte Verträge sei aber sicher.

„Nur die Überschussbeteiligung wird durch die Einbrüche an den Börsen geringer ausfallen”, ergänzt Tenhagen. Und wer in eine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung einzahlt, bekommt unter Umständen bei Vertragsablauf weniger heraus, als er gehofft hat - wegen des Abschwungs am Aktienmarkt. Zusammengenommen gelte der Grundsatz der Altersvorsorge: auf mehrere Pferde setzen.

„Und auch den Aktienmarkt nicht links liegen lassen”, fügt Nauhauser hinzu. „Viele Unternehmen gehen in einer Finanzkrise kaputt. Aber viele sind hinterher umso profitabler wieder aus ihr hervorgegangen und bringen dann hohe Wertzuwächse.” Dann steigt der Wert von Vermögen in Aktienfonds zum Beispiel wieder an, und die Anlage macht sich langfristig bezahlt.

ZINSEN: In den vergangenen Wochen und Monaten hat die Europäische Zentralbank (EZB) wiederholt den Leitzins gesenkt. Dieser gibt vor, zu welchen Konditionen sich die einzelnen Institute bei der Notenbank Geld leihen können. Und diese Konditionen geben sie an die Privatkunden weiter. Ist Geld für die Banken günstig zu haben, zahlen sie Anlegern weniger für ihre Guthaben. Daher sind die Konditionen derzeit schlecht. „Für die schnell verfügbare Reserve nehmen Sie ein Tagesgeldkonto. Aber suchen Sie sich auf jeden Fall einen der Top-Anbieter heraus”, rät Tenhagen. Dann gebe es auch mehr als 1,5 Prozent Zinsen.

Weil es danach aussieht, als könnten die Zinsen weiter sinken, kann es sinnvoll sein, sich aktuelle Konditionen zu sichern. „Ich würde jetzt den verzichtbaren Teil festlegen, für ein halbes oder ein ganzes Jahr”, empfiehlt Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt/Main. Ein längerer Zeitraum, etwa drei bis fünf oder gar zehn Jahre, sei nicht ratsam. „Denn wenn die Inflationsrate steigt, kann sie schnell höher sein als mein langfristig garantierter Zins auf das Festgeld”, sagt Nauhauser.

INFLATION: Wird der Leitzins wie in den vergangenen Monaten vermindert, sprechen Experten auch davon, dass die EZB „Geld in die Märkte” pumpt, um die Vergabe von Krediten zu erleichtern und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Wenn immer mehr Geld da ist, könnte es an Wert verlieren - Inflation könnte die Folge sein, und ein Wertverlust der eigenen Anlagen auf dem Sparkonto. Derzeit allerdings ist die Inflationsrate niedrig. Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden sank der Wert im März auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren - die Preise stiegen binnen Jahresfrist um gerade einmal 0,5 Prozent.

Wohin die Entwicklung geht - „wir wissen es nicht”, sagt Nauhauser. Wahrscheinlich sei aber ein allmähliches Wiederansteigen der Inflationsrate. Ruhe bewahren, rät Herbst. Solange die Inflationsrate nicht 5 oder 10 Prozent betrage, bräuchten sich Sparer keine Sorgen zu machen. Sie sollten ihre Energie besser darauf verwenden, den Realzins ihrer Anlagen auszurechnen. Der Realzins ist das, was bleibt, wenn vom Guthabenzins die Inflationsrate abgezogen wird. Solange man bei Null ankommt, sei alles in Ordnung.

„Wir empfehlen derzeit, zum Beispiel die Immobilie schneller abzubezahlen statt das Geld anzulegen”, sagt Nauhauser. Denn der Anlagezins ist derzeit dürftig, während die Schuldzinsen vergleichsweise konstant bleiben. „Sie fahren deshalb besser, wenn Sie Ihr Geld zur Tilgung einsetzen als es anzulegen.” So kostet Baugeld derzeit 4,5 Prozent Zinsen - Festgeld bringt derzeit weitaus weniger. „Bevor ich anlege, sollte ich alle Kredite auslösen”, empfiehlt auch Tenhagen. Das gelte immer, bei den aktuell weit auseinanderklaffenden Soll- und Habenzinsen aber noch mehr.

Beschworen wird bei steigender Inflation auch die „Flucht in Sachwerte”. Es kann sich lohnen, in diese Sachwerte - Gold, Immobilien oder Aktien - zu investieren. Diese Werte sind nicht der Zinsentwicklung und der Inflation unterworfen. Deshalb müssen Anleger nicht gleich ein Haus bauen, sagen die Experten. Auch Offene Immobilienfonds kommen als langfristige Anlage infrage.

Literatur: Stiftung Warentest, Sicher anlegen in der Krise - Was Sparer und Anleger jetzt wissen wollen, ISBN: 978-3-868513-07-3, 12,90 Euro.
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