Aachen - Steuern zahlen kann sich lohnen

Steuern zahlen kann sich lohnen

Von: Rolf Winkel
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Statt der Pauschalbesteuerung durch den Arbeitgeber können die Arbeitnehmer sich aber auch für eine ganz normale Besteuerung ihres Minijobs entscheiden. Foto: dpa

Aachen. Normalerweise wird ein Minijob vom Arbeitgeber pauschal versteuert - und zwar mit einem Satz von zwei Prozent, bei einem vollen 450-Euro-Job also monatlich mit neun Euro. Diesen Betrag übernimmt im Regelfall der Arbeitgeber.

Er darf die neun Euro aber auch - anders als die monatlichen Sozialversicherungspauschalen - auf den Jobber abwälzen, was allerdings in der Praxis nicht oft geschieht.

Statt der Pauschalbesteuerung durch den Arbeitgeber können die Arbeitnehmer sich aber auch für eine ganz normale Besteuerung ihres Minijobs entscheiden. Dann werden die Einkünfte nach den Merkmalen auf der elektronischen Steuerkarte versteuert. Lohnsteuer fällt dann aber nur bei Steuerklasse V oder VI an.

Steuern: Minijobber haben freie Wahl

Zwischen beiden Methoden der Besteuerung des Minijobs können Arbeitnehmer sich frei entscheiden. Paradox dabei: In vielen Fällen bringt es Vorteile, sich für die normale Lohnsteuer-Lösung zu entscheiden. Der Grund: Nur wer normal besteuert wird, kann den Werbungskostenfreibetrag, der derzeit bei 1.000 Euro im Jahr liegt, geltend machen. Das wirkt sich unter anderem bei der Krankenversicherung und beim Wohngeld positiv aus.

Beispiel Krankenversicherung:

Nehmen wir an, eine Ehefrau hat als "Zweitverdienerin" einen pauschal versteuerten 450-Euro-Job. Hat sie keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte, so kann sie über ihren gesetzlich krankenversicherten Ehepartner kostenfrei familienversichert sein. Die Jobberin hat jedoch neben dem Minijob noch Zinseinkünfte in Höhe von jährlich 2.400 Euro. Nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags, der derzeit für Ehepaare bei 1.602 Euro liegt, verbleiben 798 Euro an zu versteuernden Zinseinkünften. Deshalb entfällt ihr Anspruch auf die beitragsfreie Familienversicherung. Sie muss sich damit freiwillig kranken- und pflegeversichern, wofür mindestens rund 150 Euro pro Monat fällig werden.

Der Anspruch auf die kostenlose Familienversicherung kann aber durch einen Verzicht auf die Pauschalversteuerung des Minijobs gerettet werden. Wenn es um die kostenlose Familienversicherung geht, ist für Minijobber ein steuerliches Gesamteinkommen von 450 Euro im Monat erlaubt (ohne Minijob: 385 Euro). Gemeint sind damit die Bruttoeinkünfte nach Abzug der Werbungskosten. Allein durch den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro jährlich vermindert sich das monatliche Arbeitsentgelt für die Krankenkassen-Rechnung um 83,33 Euro monatlich, die anrechenbaren Einkünfte betragen somit nur 366,67 Euro. Damit bleibt noch Luft für zusätzliche Einkünfte -; im Beispielfall für Zinsen. Hier betragen die auf den Monat umgerechneten Zinseinkünfte (798 : 12 =) 66,50 Euro. Sie liegen damit also unter der Grenze des Erlaubten. Der Verzicht auf die Pauschalbesteuerung rettet so den Anspruch der Minijobberin auf die gesetzliche Krankenversicherung zum Nulltarif.

Beispiel Wohngeld:

Je niedriger die steuerpflichtigen Einkünfte sind, desto höher fällt das Wohngeld aus. Auch beim Wohngeld gilt: Nur wer auf die Pauschalversteuerung seines Minijobs verzichtet, kann den Werbungskostenpauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro geltend machen. Seine anrechenbaren Einkünfte sinken damit um 83,33 Euro pro Monat. Das kann schon knapp 40 Euro mehr Wohngeld im Monat bringen.

Steuer wird oft im Folgejahr erstattet

Doch wie viel Steuern müssen Minijobber zahlen, wenn sie auf die Pauschalversteuerung verzichten? Klar ist: Lohnsteuer fällt für Minijobber nur dann an, wenn sie Steuerklasse V oder VI haben. Bei einem vollen 450-Euro-Job und Steuerklasse V zieht der Arbeitgeber zunächst monatlich 46 Euro als Lohnsteuer ab. Die (vorausgezahlte) Steuer wird jedoch häufig im Folgejahr nach der Steuererklärung erstattet. Wie viel Steuern dann tatsächlich unterm Strich gezahlt werden müssen, hängt von der Höhe der Einkünfte des Ehepartners bzw. bei Alleinstehenden von der Höhe der sonstigen steuerpflichtigen Einkünfte ab. Für Familienversicherte gilt: In aller Regel dürfte der Vorteil bei der gesetzlichen Krankenversicherung den Nachteil bei der Steuer deutlich aufwiegen. Und wer Wohngeld bezieht, hat häufig ohnehin so niedrige Einkünfte, dass er kaum Steuern zahlen muss.

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